review by Michael Spieler
The Amazing Spider-Man 2012 ★★★½
Watched Jun 25, 2012
This review reportedly contains spoilers.
I can handle the truth.
Michael Spieler said:
Kurzinhalt:
Als kleiner Junge von seinen Eltern in einer Nacht- und Nebelaktion verlassen, wächst Peter Parker bei seiner Tante und seinem Onkel auf. Eines Tages stolpert er im Keller über die Aktentasche seines Vaters und lang verdrängte Fragen brennen dem, inzwischen zum Teenager herangewachsenen, Peter auf der Seele. In der Schule als Einzelgänger unterwegs, beginnt er sich in Gwen Stacy zu verlieben, die auch Interesse an Peter entwickelt. Als er bei seinen Nachforschungen zum Verschwinden seiner Eltern in das Labor von Dr. Curt Connors, einem Arbeitskollegen seines Vaters bei OSCORP, gelangt, kommt es zu einem Spinnenbiss, der sein Leben für immer verändern wird…
Meinung:
Andrew Garfield (Peter Parker/Spider-Man) und Emma Stone (Gwen Stacy) haben als Filmpaar in drei Minuten mehr Chemie als Tobey Maguire und Kirsten Dunst in ihren ganzen drei Filmen. Das mag natürlich mit dem privaten Glück der beiden Turteltauben zu tun haben - geschadet hat es sicher nicht. Leider ist das aber auch schon fast das Einzige was den Film wirklich von seinen Vorgängern - insbesondere dem ersten Film - abhebt. Ein paar Charaktere werden innerhalb der Geschichte an andere Plätze verwiesen und sie bekommen leicht andere Rollen zugeteilt, doch ist die zugrunde liegende Handlung fast identisch mit dem ersten Sam-Raimi-Film ("Spider-Man" von 2002). Ja, der tragische Bösewicht ist nun Dr. Connors, der für Oscorp arbeitet, anstatt Peters Professor an der Uni zu sein. Er ist es auch, der durch eine grüne Subtanz zum Lizard mutiert und nicht Norman Osborn selbst, der durch eine grüne Substanz zum Grünen Goblin wird.
Aber im Grunde hat sich nichts geändert. Beide müssen gegeneinander kämpfen und Spider-Man gleichzeitig noch gegen die Polizei. Einzig der Ton, die Sprache des Films, ist 2012 angepasst, wirkt insgesamt glaubwürdiger und nicht aufgesetzt. Das äußert sich in den Dialogen natürlich am Stärksten, aber auch in den vielen kleinen subtilen Gesten und Gesichtsausdrücken der Darsteller, die oft viel besser wirken als zu viele Worte. Die Charaktere werden auch nicht als komplett blöd dargestellt und haben ein wenig deduktives Denken mitbekommen. Das Fürdummverkaufen des Publikums und die immer selben halb-gequälten Gesichtsausdrücke haben mich zumindest an Kirsten Dunsts Mary Jane und auch Tobey Maguires Peter Parker immer gestört. Mein größter Kritikpunkt an "The Amazing Spider-Man" ist jedoch nicht das Aufwärmen der Storyline, sondern die prometheusesque Verarbeitung. Technisch perfekt und darstellerisch großartig, wird der ganze Film für ein ganz fest geplantes Sequel zur bloßen Einleitung. Das überall groß verkündete Versprechen, die "bislang noch nicht erzählte Geschichte" um das Verschwinden seiner Eltern zu erzählen, löst der Film einfach nicht ein. Die Handlung entwickelt sich zwar um den Fakt des Verschwundenseins herum, klärt es dennoch nie auf. Mir ist es wichtig das hier in diese Review einzuarbeiten, dies hier hervorzuheben, weil ich sicher nicht der Einzige sein werde, der nach einem Kinobesuch genau das feststellen und sich vielleicht etwas verarscht vorkommen wird. Ich nenne das prometheusesque, weil es dort ganz ähnlich passiert. Auch wenn die Hauptfrage, mit der sich "Prometheus" den größten Teil seiner Laufzeit über befasst, in den ersten paar Minuten abgehandelt wird, endet er ebenso unbefriedigend und brennt auf eine Fortsetzung. Es fühlt sich leider so an, dass man hier so schnell wie möglich durch den Film schwingen wollte um zum nächsten zu kommen, um die wenig überraschend ablaufende "Origin"-Geschichte von Spider-Man hinter sich zu lassen.
Das "durch-den-Film-schwingen" indes ist gerade in 3D ganz toll umgesetzt, so wird der Effekt doch ab und an ausgenutzt um den Zuschauer aus der Ich-Perspektive von Spider-Man, über Dächer sprinten und durch Straßenschluchten hangeln zu lassen. Hatte zwangsweise einen etwas cheesigen Computerspiel-Touch war aber doch auch einfach irgendwie cool. Ich wünschte mir, es hätte mehr Szenen mit der großartigen Sally Field (als Tante May) und Martin Sheen (als Onkel Ben) gegeben. So waren die Augenblicke mit ihnen zwar toll, aber sie bekamen insgesamt zu wenig Screentime. Wenn man solche Schauspieler schonmal im Boot hat, sollte man das auch besser nutzen. Rhys Ifans ("Anonymous") muss leider zu schnell in die Haut des eher wortkargen Lizard schlüpfen und wird als Dr. Connors quasi zu diesem Schritt gezwungen. Wer sich an die fantastische gespaltene-Persönlichkeit-Szene von Willem Defoe (als Norman Osborn/Green Goblin) vor dem Spiegel erinnert, wird auch hier leider enttäuscht. So löst das Mittel zwar auch bei Connors eine Schizophrenie aus, Ifans darf diese aber nie so aufwendig präsentieren. Ergo: Es steckt zwar sehr viel Talent in diesem Film, mit super Dialogen und echter Emotionalität, doch leider zu wenig eigenständige Handlung. Die Filmmusik hat bei mir keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, aber vielleicht bin ich bei diesem Aspekt von Filmen von Hause aus nicht so aufmerksam.
Warum auch immer Sony/Columbia so kurz nach drei Filmen schon eine Neuauflage produzieren ließ, am finanziellen Erfolg kann es nicht gelegen haben, denn der dritte Teil war auch der Erfolgreichste. Offenbar gab es jedoch zwischen Drehbuchautoren und Produktion Streitigkeiten, die das Studio damit beendete, keine weiteren Filme mit der alten Besetzung und Crew drehen zu wollen. Um nun die Lizenz nicht ungenutzt auslaufen zu lassen, entschied man sich für eine Neuauflage. Da Marvel die Rechte hier noch vor Gründung des eigenen Filmstudios vergeben hat (über Dauer und Umfang kann ich natürlich nichts sagen) fehlt leider auch in dieser Neuauflage jede Verbindung zum parallel aufgebauten "Avengers"-Filmuniversum. Was durchaus bedauerlich ist, da Spider-Man so wohl nie in einem der "Avengers"-Filme auftauchen wird, obwohl er durchaus in den Comics mit den Rächern kämpfte. Auch fehlt im neuen Spider-Man neben dem OSCORP-Tower jede Spur vom Stark-Tower.
Fazit:
Die zeitliche Nähe zur vorhergehenden Filmtrilogie macht es "The Amazing Spider-Man" nicht gerade leicht auf eigenen Beinen zu stehen. So sind trotz neuer Ansätze und wohl besseren Schauspielern die Erinnerungen an "Spider-Man" von 2002 noch relativ frisch und die zu Grunde liegende Geschichte, wie Peter Parker zu Spider-Man wurde, ist halt logischerweise immer die selbe - egal in welchem Kontext er von der Spinne gebissen wird. Vermutlich war dieser Wiedereinstieg eher ein notwendiges Übel um mit der neuen Besetzung danach wirklich neue Geschichten erzählen zu können, als der Hauptgewinn der Regisseurslotterie, aber trotzdem einen Kinobesuch wert. Die gute Umsetzung in 3D macht die Action neben den Charaktermomenten zu einem Augenschmaus.
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