Dune

Dune ★★★★½

Nach unzähligen gelesenen wie gesichteten Reviews, festigt sich ein Vergleich besonders: der mit dem 2001 erschienenen „Herr der Ringe: Die Gefährten“ wie der Trilogie insgesamt. Ein Vergleich der seine Daseinsberechtigung hat, kam er mir selbst zu Hauf. Doch erstmals möchte ich weiter zurückgehen, genauer gesagt eben in das Jahr 2001 und weit in die 70er, 60er und in die 50er. Also beginnen wir.


Zweitausendundeins erschien die Buchadaption „Herr der Ringe: Die Gefährten“ in den 50ern verfasst durch den britischen Schriftsteller und Philologe (die Wissenschaft von Sprache und eines Sprachzweiges) J. R. R. Tolkien. Ein klassisches Märchen, düster, farbenfroh, liebevoll wie herzzerreißend und der Auftakt zu einem Epos von beinahe biblischem Ausmaß. Es ergriff einen nie versiegenden Zeitgeist auf: abzutauchen in die Welt der Fabel, der Grenzenlosigkeit, der blühenden Fantasie.

Zwanzig Jahre später erschien eine weitere Buchadaption, nämlich Frank Herberts 1965 veröffentlichtes Buch namens „Dune“. Die Vorlage wie die Verfilmung ist ein „erwachsenes“ (Science-Fiction)Märchen um fremde Kulturen, fremde Welten mit ihrer überaus fremden Ökologie wie einer altbekannten Geschichte um Verrat und Intrige um Königs(Fürsten)häuser.

Ein Film der unser Bedürfnis nach Epen und Märchen wiederbelebte, sie in uns wachkitzelte unzähliger sich bereits in den 60er wiederholenden Enttäuschungen die mich eben zu den 50ern und den 60ern bringt.

Das Jahrzehnt der 50er war geprägt vom großen Leinwandkino, von großen Schauwerten, Massenszenen und passend dazu, biblischen Geschichten wie deren Zeit abbildende wie „Ben Hur“, „Die Zehn Gebote“, „Quo Vadis“ und unzähligen weiteren Epen spielend im wilden Westen, auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges und gar im Weltall.

Ein Jahrzehnt in der das Kino florierte, nie geahnte Höhen erreichte, schier einen unüberwindlichen und unausbremsbaren Siegeszug machte der weit in die 60er und die 70er so weitergehen würde. Doch dann etablierte sich in den späten 50ern hinein in die 60ern das Heimkino. Wo zuvor das Kino das einzige wirkliche Filmmedium war, nahm das Fernsehen langsam aber sicher seine Stellung ein – soweit das panische Hollywood.

Aus der Panik entstanden Mammutprojekt, Gigantomanien und der Griff nach den Sternen der die Zuschauer vergrämte anstelle sie in die Kinos zu locken sie vor die TV-Bildschirme setzte. Studios schienen dicht machen zu müssen der überhandnehmenden Produktionskosten und der Ungewissheit ihrer Einspielergebnisse.

Mitte und ende der 60er nahmen (europäische) Regisseure althergebrachtes in die Hände und erzählten und drehten daraus zeitlose Klassiker wie Sergio Leones Western-Werke, „2001 – Odyssee im Weltraum“ oder eben das kommende Jahrzehnt einläutende Werk um das Ausbrechen aus den festgefahrenen Idealen und dem Gesellschaftsbild mit „Easy Rider“.

Ab den 2010ern Jahren, nach der Nostalgie- und Popkulturwelle der 80er, den deutlich ernsteren, gewaltreichernen 90ern mit ihren neuen Regisseuren und neuen technischen Möglichkeiten die sich in die 00ern hineinüberlappten und verbessert wurden, etablierte sich die zweite große „Kriese“ Hollywoods mit den fußfassenden Streaming-Anbietern wie Netflix, Amazon, Disney+ und Co.

Wie ein unbelehrbares Kind, tat Hollywood in dieser „Kriese“ was sie eben taten und nach wie vor tun: ein Fehler nachdem anderen.

Gekoppelt mit überlangen Werken, so als ob Länge gleich Qualität heißt, überzogen (überziehen) sie die Kinolandschaft mit dem beinahe zum Standard werdenden Laufzeit von zweieinhalbstunden Filmen. Gekoppelt damit, generierten sie eine Retrowelle alt aufgewärmten Geschichten, oftmals ohne sinnvolle Erneuerungen wie die Story weiterzuerzählen, technische Erneuerungen und Möglichkeiten passend einzusetzen, wie völlig verblendet von ihrer Angst einfach Neues zu machen. Schlimmer noch, verkannten die Studios Hollywoods den Kern von „Star Wars“, „Terminator“ oder anderen, neuen Buchverfilmungen.

„Star Wars“ verkam daher zu einem Werk wie ein an der Startlinie verharrender, über die Schulter blickender Läufer der verzweifelt darauf wartete, einen Schubs zu bekommen, schlicht einen Arschtritt endlich die vorhandene Geschichte konsequent fortzusetzen.

„Terminator“ indessen war schon immer mehr Thriller als ein Science-Fiction-Film: düster, cool, brutal und Maßstäbe setzend in Technik und Action. Wo der Thriller in den neuen Werken abgeblieben ist, ist eben die gute Frage. Nicht minder die technischen Innovationen und die einem den Atem raubende Action wie wir sie inzwischen in den „Mission Impossible“-Reihe suchen müssen.

Buchadaptionen wie „Ready Player One“ scheiterten mit dem Beginn, der Vorlage, bereits, wollte die eben auf die Nostalgiewelle springen. „Valerian“ floppte kolossal an den Kinokassen, was wohl der fehlenden Chemie der beiden Hauptdarsteller wie an uns Zuschauer selbst lag, die sich weigerten offen für Neues zu sein. Weitere verfilmbare Bücher kamen nie dazu, überhaupt verfilmt zu werden.

Fehlern nach Fehlern, das einmal angestupstes Perpetuum mobile zum eigenen Untergang, würden die Cineasten und die Schätzer von gut erzählten Geschichten sagen. Doch 2021 erschien ein Lichtstrahl am Horizont. Ein Wegweiser in welche Richtung Hollywood gerne gehen dürfte, vielleicht müsse, nach oben, zu den Sternen.

Davon zu reden, „Dune“ wäre Visionär wie es damals, um im Gerne zu bleiben, „2001: Odyssee im Weltraum“ oder eben „Star Wars“ waren, wäre völlig am Ziel und der Wahrheit vorbeigeschossen. Denis Villeneuves Werk ist mehr ein Schritt vorwärts, als die unzähligen bereits aufgezählten Filme ein Schritt rückwärts sind. Eine sinnvolle Verfilmung präsentiert mit den heutigen technischen Möglichkeiten. So einfach wie, so realistisch müssen die „Filmkritiker“ unter uns sein, ein Wagnis, ein Schuss ins Blaue der, ohne Hollywoods-Panik, nie zu einem Schuss ins Blaue hätte werden müssen oder, wie es die kurze Rundreise in das Schaffen des Filmes gezeigt hat, wohl nur daraus entstanden konnte.

Einem unübertroffenen Timing meinerseits geschuldet, beendete ich den Roman „Dune“ unmittelbar vor der Kinosichtung dessen. Demensprechend vage ich zu behaupten, wohl vertraut mit Frank Herberts Opus Magnum zu sein. Deswegen, so würde ich weiterhin behaupten, war Denis Villeneuves Interpretation als ihn mit dem Werk zu betrauen, die einzig wirkliche Wahl, sofern es in einer Romanadaption erwünscht ist, sie Werkgetreu zu verfilmen. Was ihm meisterlich gelang, so viel vorneweg.

Um die nächsten (meiner) Zeilen wie eigentlich die vorherigen zu unterstützen(schützen), bleiben Kritiken von uns Letterboxd-Usern wie von Filmkritikern für renommierte Zeitschriften, Webseiten oder sonstigen Publikationen, die eigenen Meinung mit manchmal mehr, manchmal weniger Wissen um die Materie Film und deren Herstellung.

Recht schnell „spalteten“, bildeten sich zwei Gruppen von Kritikern/Zuschauern heraus, die Einen die das Schauspieler der Darsteller für zu glatt, kühl, emotionslos hielten, die anderen wiederum genau darin ihre Stärke sahen. Wer von den zwei Gruppen jetzt zu den Kennern der Buchvorlage zählt, und soweit es mich ganz persönlich betrifft, bevorzuge ich – je nach Werk, so ehrlich darf man sein – eine relativ werkgetreue Verfilmung mit einigen müssenden Änderungen die eine Verfilmung einfach hergibt bzw. einen zwingt, ist dahingestellt.

Nach der Vorlage zu schließen, sind die Figuren – mit einigen Ausnahmen – eben unterkühlt, unnahbar, wie Paul Atreides (Timothée Chalamet – für mich auf die Schnelle wohl die einzige richtige Wahl) nachdenklich, mit einem ständigen Fragezeichen behaftet wie der Blick durch ein vergilbtes Fenster das sich allmählich, mit fortlaufender Dauer der Geschichte, eben mit seiner voranschreitenden Bestimmung und deren Erkenntnis aufklart.

Die wohltuende Ausnahme, der Emotionale-Anker für die Zuschauer, ist da Lady Jessica (stark gespielt von Rebecca Ferguson), die sich sorgende Mutter und gleichbedeutend ein Rädchen in einem Getriebe um Prophezeiungen, Wahrsagereien, Aberglauben und das Streben ihrer Verwirklichung mit Intrigen, Morden und gar einem Zuchtprogramm.

Nebenfiguren wie Gurney Halleck (Josh Brolin), Duncan Idaho (Jason Momoa) sowie Herzog Leto Atreides (Oscar Isaac + Bart = i liked) bekommen zu wenig Screentime, zu weniger Fleisch auf die Rippen wie in der Vorlage, was ein kleiner Kritikpunkt darstellt, was sich der Film wohl gefallen lassen muss.

Wie die Nebenfiguren, kommen die Antagonisten rund um die Harkonnen zu kurz, jedoch ist jeder Auftritt von ihnen insgeheim mein persönliches Highlight.

Völlig zu kurz aber wiederum völlig berechtigt, wurde die Ökologie wie sie Frank Herbert uns auf die penibelste Art und Weise offenbarte, fast schon sträflich am Rande der Geschichte belassen. Exemplarisch dafür: Als Stilgar (Javier Bardem wie immer eine Wucht) erstmals mit Leto Atreides aufeinandertrifft und seinen Respekt kundtut in dem er das Kostbarste auf dem Planeten Dune abgibt, in dem er auf den Tisch spuckt, verkam diese wie zwei, drei andere Szenen völlig ihres Inhaltes oder als unfreiwilligen/freiwilligen Gag.

Wo wir bei der Inszenierung sind, die einfach unterkühlt, trocken, wie, so O-Ton Denis Villeneuve: mit dem Sandstrahler bearbeitet, ist. Oftmals fehlen den Figuren Kanten und Ecken, graue Töne wie wir sie in „Game of Thrones“ bis zum Erbrechen bekamen. Gleiches gilt für die Welt, die einfach kanten- und eckenlos, wie eine Pastellmalerei wirkt.

Dagegen steht die Epic, das herunterschrauben der Emotion für das hervorheben großartiger (Gemälde) Bilder. Nach „Arrival" und besonders nach „Blade Runner 2049“ ist wohl jedem klar, der Kanadier kann Epic wie die heutige Technik mit echten Settings verweben wie kein zweiter. Hier bekommen wir wohl die Messlatte an der sich zukünftige Filme messen müssen vorgezeigt.

Beim plötzlich über einen hereinbrechenden Ende angelangt, einem weiteren „Kritikpunkt“ vieler, muss – abermals – die Vorlage herhalten. Das Ende des ersten Parts musste mit dem Auszug Pauls zu den Fremen enden, zumal hier sein neuer Wegabschnitt beginnt, er nicht nur emotional sein altes Leben in den Städten verlässt um ein Wüstenbewohner zu werden, sondern eben Visuell, was gleichbedeutend für uns Zuschauer gilt.

Um den pastellartigen Look zu erklären ohne ihn jetzt völlig zu rechtfertigen geschweige denn ihn gut zu heißen, ist Arrakis die Geisel der Sandstürme, die eben, wie uns öfters erzählt wird, selbst dickstes Eisen abschmirgeln zu einem Zahnstocher.


Als Fazit kann so viel gesagt werden: wer mit Denis Villeneuves unterkühlten Epic wenig bis nichts anfangen kann, wird seine Probleme haben, vielleicht sie unpassend in die Welt übersetzt/umgesetzt halten, Kenner der Buchvorlage und Fans des Kanadiers, werden ihre helle Freude dabeihaben sich in den Bildern zu zergehen.

Der Vergleich, wie ich ihn wohl lang und breit ausgebreitet habe mit „Herr der Ringe“, liegt wohl eher darin, ein neues, erwachsenes Epos vielleicht mitzuerleben, es zu entdecken, damit aufzuwachsen was sich mit der Ankündigung zu Part 2 bewahrheitet hat und falls es einen Gott des Filmes gibt, kann „Dune“, das 2021 erschienen „Dune“ anstelle wie vorgehsehen das 2020 erschienen „Dune“ ein neues Filmzeitalter mit neuen Ideen, Geschichten, Erneuerungen einläuten.


Allen einen guten Rutsch ins neue Jahr und hier ab schon einmal ein gutes Neues und bleibt so wir ihr seid.

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