Tenet

Tenet ★★★½

Zeit.

Immerwährend und vollkommen.

Sie hasst nicht, sie liebt nicht, sie ist einfach da.

Begleitet uns vom ersten Lebensschlag bis zum letzten Lebensschlag und darüber hinaus.

Ihr Anschubs setzt den Samen, ihre Geborgenheit brütete einen aus.

Unser uns an die Hand führender Begleiter, Gefährte und Bruder durch das einmal angestupste Rad des voranschreitenden Lebens.

Unbarmherzig zwingt sie sich einen auf wie das fallen der Sonne und das aufziehen der Nacht.


Ihr hat sich Christopher Nolan verschrieben, mit Haut und Haaren.

In „Memento“ ist es die rückwärts verlaufende Zeit wie die zwei nach hinten gemachten Schritten um den einen Vorwärtsschritt. Bei „Insomnia“ die stillstehende eines Tages ohne Nacht. Christian Bale und Hugh Jackman gedenken die Zeit in „Prestige“ zu mehren um sich selbst zu doppeln. „Inception“ zeigt uns eine andere Ebene ihrer, was „Interstellar“ auszudehnen und gleichzeitig zu komprimieren versucht. Und hier kommt jetzt als neuestes Werk Christopher Nolans „Tenet“ daher, stellt sich die Frage, und eine ich nur so halb beantworten kann, was will er hier uns anhand und durch die Zeit zeigen und sagen?

Nach meinen zweieinhalb Rewatches würde ich sagen, er führt sie ab absurdum, was vorwärtsläuft ist rückwärtsläufig und rückwärtsläufig ist gleich vorwärtsläufig. Ähnlich wie bei „Memento“ nur parallel verlaufend, laufen hier zwei Zeitstränge simultan zueinander, die invitierte Kugel wird nicht abgefeuert, der Zeit ihren Lauf gelassen, nein, ihr Abfeuern ist längst geschehen und wird sozusagen in die Gegenwart katapultiert, der unmittelbaren also, der Rückwärts laufendenden, die Kugel wandert von seinem Aufschlagziel in die Pistole zurück. So viel zu „meinem“ Verständnis dieser Zeit.

Das verpackt Nolan wie gewohnt mit großem Schauwert wo die Handarbeit über das Computerhandwerk trumpft. Dort zeigt er welch Blockbuster-Regisseur er ist und anders wie ein Michael Bay der eine Story in Action packt, macht es der Engländer andersherum. Die Action wird selten zum Zweck, dem Zweck die meist eindrucksvolle Laufzeit zu füttern, die Zuschauern aus ihren Hockern zu reißen, sie ist das Resultat der Handlung, gerne ein übertriebenes Resultat aber sie wirkt meistens soweit in die Handlung eingebaut, um halbwegs glaubhaft rüber zu kommen.


Was bleibt also von „Tenet“ übrig und als Fazit: Beeindruckend wie Nolan abermals eine neue Facette der Zeit hinzugewinnen kann neben dem gewohnten Blockbusterkino für den Mainstream wie für das anspruchsvollere Publikum.


Christopher Nolan-Ranking - boxd.it/cK4qe

20oldboy03 liked these reviews

All