Still Walking ★★★★

Ein Film, in dem leise gesprochen wird. Umso mehr, je emotionaler das Thema... Das geht also auch mal. Die Kamera zwingt den Blick auf die Personen und in deren "Räume", von Anfang an sind die Spannungen greifbar.
Die Personen wirken äusserst natürlich. Toll, wie Kiki Kirin hier in der Rolle der Grossmutter statt grosses Schauspiel abzuliefern, ganz ruhig, fast sachlich, hinter vermeintlicher Harmlosigkeit und Gedankenlosigkeit genau berechnete Grausamkeit und Rachsucht sichtbar werden lässt.
Der Stolz des Grossvaters verbirgt kaum dessen Verbitterung über den ihm fehlenden Respekt und mehr noch - seine Schuldgefühle.
Während der Sohn der Familie still brütet, übt seine Schwester sich in frecher Ignoranz.
Lediglich die dritte Generation, die Enkel, bleiben davon fast unberührt, sie spüren die Last der Erinnerungen nicht und verleben einen beinahe unbeschwerten Sommertag.
Es sind nur einige wenige, kurze Begebenheiten im Ablauf des Familientreffens, dessen Zeuge man hier wird, doch diese genügen, das Seelenleben der Familie sichtbar werden zu lassen. Und auch wenn es Gelegenheiten dazu gegeben hätte, macht sich der Film nicht über seine Protagonisten lustig, sondern nimmt ihre Beweggründe und oft dahinterliegenden Nöte auf eine liebevolle Weise ernst.
Virtuos inszeniert, ruhig fliessend und ohne jemals starr zu wirken, ist hier nichts in diesem Film ohne Bedeutung. Jedes Wort und jeder Blick ist Folge der erlebten Kränkungen und Verletzungen und lässt diese greifbar werden. Doch die Zeit vergeht und mit ihr die Erinnerungen. Eines Tages wird all das nicht mehr wichtig sein und wir können sein wie die Kinder. Wir müssen nur vergeben wollen.

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