The Jungle Book ★★★½

Als Nummernrevue grandios, als rund erzählte Geschichte leider etwas enttäuschend.
 
Disneyfilme mit weitem Abstand von der eigenen Kindheit zu sehen, ist immer wieder ein faszinierender Test, manche sind immer noch berührend und haben nichts von ihren Glanz verloren (Dumbo, Susi & Strolchi, Cinderella) andere stellen sich weniger als gelungene Geschichte und mehr als ein animationstechnischer Showcase heraus (Schneewittchen).
 
Die erste große Enttäuschung des Dschungelbuchs ist, dass der Dschungel flach und geradezu leblos wirkt. Nichts bewegt sich, kein Blättchen im Wind, nichts schallt aus dem Raum, kein Affe, kein Vogel, alles wirkt wie schön bemalte Wände im Affenhaus eines lokalen Tierparks. Einzige Ausnahme sind wunderschön animierte Wassereffekte, aber insgesamt ist der Dschungel nur eine simple Bühne für eine Vielzahl von Charakteren. Und diese sind das Highlight des Films: toll animiert, gesprochen und gesungen ist es kein Wunder, dass Baloo, Baghira, King Louie und Co immer noch Kinder wie Erwachsene verzaubern können. Die Animationen sind, zumindest bei den wichtigeren Figuren, so herrlich dass sie einem einfach ein Lächeln ins Gesicht zaubern, und genauso wie Baloo im Affemtempel will, ja muss man bei vielen der Songs mitschunkeln und mitsingen. Gerade in kleinen Häppchen, mit Lieblingsszenen die man immer wieder und wieder guckt ist das Dschungelbuch wirklich ein Meisterwerk. Baloo muss man einfach lieben, Mowgli wurde zum Glück nicht "weißgewaschen" und hat eben auch diese kindlich bockigen Eigenschaften die ihn glaubwürdig und gleichzeitig nervig wie liebenswürdig erscheinen lassen (wie Kinder eben so sind).
 
Der Spaßfaktor ist dadurch ungemein hoch, aber die Geschichte kann den Film nicht ganz tragen, tatsächlich konnte ich mich selbst an fast jeden Song und jede Figur errinnern, aber nicht mehr um was es geht: Ein Menschenkind, dem von mehreren Tieren geholfen wird den gefährlichen Dschungel zu verlassen und zu den Menschen zurückzukommen. Die grundliegenden Themen sind auch interessant: Wer ist ein wirklicher Freund der sich um mich bemüht (Baloo und Bagheera) und wer hat andere eigennutzige Beweggründe (King Louie und Kaa). Die Umsetzung ist… naja… Der Film läuft keine 80 Minuten, fühlt sich aber irgendwie lang an, Mowgli selbst vermisst weder seine Wolfseltern, noch scheint irgendwas bei ihm bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Am Ende wird er von einem erschreckend sexualisierten prepubärteren Mädchen ins Menschendorf gelockt ohne sich überhaupt von seinen Freunden zu verabschieden. Ein Fall von kindlicher Gleichgültigkeit? Dazu passend tauchen Figuren auch einfach auf und verschwinden wieder, Hauptsache es gibt einen Song über den ratzfatz Freundschaft geschlossen wird, dann geht's weiter, meistens ohne Konsequenz für Mowglis Befinden. Baloos Songmotto im englischen Original, bare necessities, trifft auf die Geschichte selbst leider auch zu.
 
Den großen Wandel macht dann auch Baloo durch, und als Figur hat man ihn sofort ins Herz geschlossen, fühlt mit ihm mit, fiebert mit ihm mit. Hier stimmt einfach alles, zum Glück folgen wir auch ihm und Bagheera wenn die beiden am Ende tanzend im Bühnendschungel verschwinden. Als Zuschauer freue ich mich auf ein Wiedersehen, aber dann vielleicht wirklich nur  in Form einer Szene hier und da.