Hanging Garden

Hanging Garden ★★★★½

A Garden of Lies

Das nenne ich mal eiskalt erwischt. Was auch immer ich erwartet habe, dass hab ich nicht kommen sehen. Toshiaki Toyodas Hanging Garden hat mich spätestens mit seinem Intro emotional überrumpelt, ich weiß ehrlich gesagt nicht was es war, aber diese Kameraarbeit in Kombination mit der Musik und mir sind direkt die Tränen gekommen.

Die überwältigende inszenatorische Perfektion hätte ich nicht erwartet obwohl ich Toyoda jetzt schon einige Zeit kenne und eigentlich weiß was für ein kompetenter Reggiseur er ist. Die Kamera Dreht und Kreist dynamisch durch die Szenen und überrascht immer wieder mit faszinierenden Winkeln und ungewöhnlichen Einblicken. Der melancholische Soundtrack erledigt den Rest und untermalt den Alltag der 4-Köpfigen Familie Kyobashi, die wir von nun an begleiteten werden.

Die Familie Kyobashi scheint zunächst oberflächlich perfekt und alle Familienmitglieder haben diese absurde Abmachung sich untereinander immer die Wahrheit zu erzählen. Nur in Wahrheit ist es ganz anders, unter der Perfekten Oberfläche wird gelogen, betrogen, die Schule geschwänzt und Love Hotels werden heimlich besucht. Das ganze nimmt ungeahnte Dimensionen an und das all das nicht lange gut gehen kann dürfte sich jeder denken können.

Ein Perfektes Familienportrait mit klaffenden Rissen, die sich langsam aber sicher auftun. Vorallem die Mutter wird zum emotionalen Dreh und Angelpunkt des ganzen Dramas. Sowohl ihre Vergangenheit als auch ihre Mutter haben sie nachhaltig geprägt und jetzt setzt sie alles daran es bei Ihrer Familie besser zumachen auch wenn sie dafür am allermeisten zurückstecken muss.

Jetzt darf man aber bei Toyoda nicht erwarten das man ein gewöhnliches Familendrama bekommt. Es wechseln sich Szene von natürlicher Schönheit, von grünen, Urbanen Landschaften die von warmen Sonnenstrahlen durchflutet werden mit Surrealen und unerwartet verstörenden Szenen ab. Genau die kommen so unerwartet das sie einen immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Gerade eine Szene, die mich sehr überrascht hat erinnert an sein Erstlingswerk Pornostar und hat mich wirklich sprachlos gemacht, ein echter Magic Moment, Gänsehaut inklusive. Aber das ist nur einer von vielen, den Hanging Garden ist weiterer Beweis dafür das Toshiaki Toyoda einer der spannendsten und rebellischsten Regisseure Japans ist.

Dank Third Window haben es jetzt auch Hanging Garden und 5 weiter, bisher unveröffentlichte, Werke von ihm endlich auch zu uns in den Westen geschafft. Seine Filme haben aufjedenfall viel mehr Bekanntheit verdient die sie hoffentlich jetzt, durch den neuen Release, bekommen. Ich kann es jedem nur wärmstens empfehlen.

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