The Creator

The Creator ★★½

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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The Creator ist bißchen wie einen Insta-Fuckboy zu heiraten - wenns einem nur aufs Aussehen ankommt, ist alles in Ordnung. Wenn man nur einen Hauch mehr erwartet, wird es schwierig. Denn ja: The Creator sieht fast durchgängig sehr gut aus. Der Film hat einen ähnlichen Vibe wie Edwards Monsters damals oder Neil Blomkamps District 9. Eindrucksvolle reale Locations, die mit digitalen Assets ergänzt, mit digitalen Figuren bevölkert wurden. Und das gute Dutzend diverser FX-Firmen von Weta über Lucasfilm bis zu kleinen Trickschmieden - sie alle machen einen guten Job. Seien es die zu Roboter-Wesen augmentierten Schauspielenden und Extras oder die Fahrzeuge und Gebäude. Alles fühlt sich haptisch an, begreifbar, benutzt und belebt. Wie in den besten klassischen SciFi-Filmen hat diese Welt nach der AI-Atomapokalypse eine Patina die sie von vielen der glatten Renderorgien unterscheidet, die wir ansonsten oft im Kino zu sehen bekommen. Weil Edwards weiß, dass zuerst das gute reale Bild existieren muss, bevor es mit CGI ergänzt wird - also der gegensätzliche Ansatz zu den Renderwelten von Marvel und Co. Was vermutlich auch das sehr positive Echo auf den Film erklärt: Alleine die Aussicht mal wieder einen Film zu bekommen, der eine eigene Geschichte abseits von Franchise, Remake, Reboot, IP Reimagination darstellt ist wie eine Oase in der Wüste des deprimierenden Konzernkinos. Ja: Ich wünsche mir Filme die was wagen, die aus 80 Millionen einen Look zaubern der nach 200 Millionen Dollar aussieht - und ich habe eine Schwäche für deeply flawed Productions, wenn ich spüre, das sie voller Leidenschaft entstanden, auch wenns nicht ganz geklappt hat. Die Valarians, John Carters und Jupiter Ascendings dieser Welt. Die Tomorrowlands und Alitas. Ist der Film vielleicht genau so etwas?

Denn wie perfekt in die Zeit scheint das Thema zu passen, dem sich The Creator widmet: AI gesteuerte Roboter, die einst als Hilfen für die Menschheit konstruiert wurden wenden sich gegen sie und lösten eine Katastrophe aus - was zu einem ewigen Krieg führte und Hass auf die Kunstwesen, die die US-Regierung auszulöschen sucht mit Hilfe einer gigantischen fliegenden Waffe.

Wieso lässt mich der Film trotzdem komplett kalt? Wenn doch die Bilder so gut sind und das Thema so aktuell? Weil Edwards leider weiterhin kein guter Storyteller ist. Weil ich die Begeisterung für die Technik bei ihm spüre, aber keine Leidenschaft für die Geschichte. Er bleibt , wie schon bei seinem Breakthru-Erfolg Monsters damals. ein Techniker, ein CGI-Artist dessen Imagination bei Boah sieht cool aus stehenbleibt. Denn so wenig er bei Monsters über die Human Condition, Grenzen und "Illegal Aliens" zu sagen hatte und so belanglos die Dialoge dort waren, so wenig hat er heute zum Thema AI und den Chancen oder Gefahren künstlicher Intelligenz beizutragen. Ja, er macht es überdeutlich, dass es ihn im Grunde auch überhaupt nicht interessiert. Jeder Terminator-Film setzt sich mehr mit dem Thema auseinander als The Creator.

Denn die Roboter sind hier schlicht vollwertige Lebewesen, die eben zufällig Zahnräder statt Graue Biomasse im Kopf haben - aber sich ansonsten nicht von anderen Lebewsen unterscheiden. Sie denken, lieben, fühlen und lachen wie wir. Also gibt es auch keinen Grund sich mit ihnen als AI oder damit ob sie tatsächlich denken oder nur die Simulation von Leben sind zu beschäftigen. John David Washington ist leider auch keine große Hilfe, das schwache Drehbuch über seine Story hinaus zu heben. Als Hauptfigur bleibt er hier ebenso unnahbar und charmlos wie in Tenet, was leider auch für sein digitales Adoptivkind gilt. Edwards dekliniert hier völlig ironiefrei das Lone Wolf and Cup Trope durch, das wir zuletzt schon lausig in 65 mit Adam Driver bekamen, aber auch gut umgesetzt in The Last of Us, aber auch dutzenden anderen Filmen, Serien, Büchern so viel besser gesehen haben - ohne uns auch nur eine neue Idee zu liefern. Natürlich ist der Held grummelig und wortkarg und hat Trauma in der Vergangenheit, natürlich gewinnt das Waisenkind sein Herz, natürlich kämpft er mit ihm für die gute Sache und gegen seine Befehle.

Wo in solchen Stories ansonsten immerhin mal die Dialoge zwischen dem Wold und dem Cub für Unterhaltung sorgen, flatlined der Film hier auch: Die Chemie zwischen Washington und der jungen Madeleine Yuna Voyles die Alfie spielt ist so spritzig wie drei Tage altes Selter, so abgeschmackt wie jede dramaturgische Wendung. Ja die Action ist solide und es gibt deutlich mehr als der Trailer, der das ganze eher als Arthaus SciFi a la Annihilation bewirbt, erwarten lässt. Aber was nützt das gute Handwerk, wenn es so schwer fällt mitzufiebern, weil Edwards einfach nie Spannung aufkommen lässt. Das hudelige Tempo in dem die Ereignisse ablaufen wirken als habe man einen überlangen, klischeebeladenen Manga aus den 90ern adaptiert, was durch das Setting und die Eindimensionalität aller Figuren noch verstärkt wird. Ob ein Countdown läuft, enthüllt wird wer der Creator ist (no surprise there) , wer wirklich für den Atomschlag verantwortlich war (auch absolut spannungsfrei enthüllt) oder wenn der Todesstern pardon die Superwaffe der USA gesprengt wird - nie fühlt es sich an, als würde wirklich etwas auf dem Spiel stehen. Edwards verharrt nicht, findet nicht die richtigen Worte wenn es darum ginge uns die Roboterkultur wirklich nahe zu bringen. Das Setup drängt uns Metaphern und irgendeinen tieferen Denkansatz auf, der sich aber in keinem Moment findet. Wir lernen nichts übers Menschsein, über Künstliche Intelligenz, nichts über "Rassismus" oder "Specicism" - ja nichtmal über die Hauptfigur Joshua, deren Trauma unglaublich banal wirken, der unsympathisch wirkt ohne das er glaubhaft wächst oder sich wandelt. Wäre das Ganze ein Popcorn-Quatsch, wäre es egal. Aber Edwards drängt politische Sichtweisen auf, wenn er die Opfer in Asien ansiedelt und die Amerikanern zur Täternation macht. Klar haben sie viele in der Realität viele fragwürdige Kriege und Einmischungen in andere Länder zu verantworten - aber so richtig will nichts davon zu dem passen, was hier erzählt wird. Denn da begnügt sich The Creator dann doch mit klein-klein Action und dem geklauten Pastiche aus allem was wir je zum Thema in Kino sahen, von Blade Runner bis Starship Troopers und Avatar. Jede Idee ist entlehnt und kann so gut sie aussieht nicht darüber hinwegtäuschen, dass man nichts mit ihr anstellt, was den Klau rechtfertigt.

Wo kleine Genreperlen wie Screamers zum Reflektieren einluden, wo grandios gescheiterte Projekte wie Spielbergs A.I. zumindest ambitioniert ihr Ziel verfehlten, bleibt The Creator konsequent unneugierig auf alles was über den hübschen Look hinaus geht. Wie bei Godzilla gelingen Edwards immer wieder gute Einstellungen, Tableaus die etwas mit uns machen könnten. die eine Story auffüllen und bereichern könnten - wenn es denn irgendwas gäbe, was bereichert werden könnte. Aber so schlicht wie Alphie alle Probleme durch händeaneinanderlegen löst, so schlicht ist auch die Moral und Story. Todesstern kaputt, Problem gelöst.

Und um damit durch zukommen, braucht es dann einfach mal charmantere Hauptfiguren als die beiden Langweiler Joshua und Alphie. Schade um Ken Watanabe, der wohl die meiste Präsenz entwickelt, aber mit einer ziemlich unbedeutenden Winzrolle abgespeist wird und Allison Brooks Jenny, die soviel mehr aus ihrer blassen Figur herausholt, als das Buch ihr zugesteht.

Edwards sollte dringend jemand suchen der Drehbücher kann und ihn bei Schauspielführung unterstützt - dann erschafft er vielleicht irgendwann mal einen Film, der nicht nur wahnsinnig gut aussieht und designed ist, sondern dessen Worldbuilding tatsächlich für eine gute Geschichte genutzt wird. Vielliecht nochmal bei Tony Gilroy fragen?

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