Once Upon a Time… in Hollywood

Once Upon a Time… in Hollywood ★★★½

Wäre „Once upon a Time in Hollywood“ Quentin Tarantinos letzter Film - es würde mich kaum wundern. Wie kein anderer seiner Filme wirkt dieser wie die Amalgamierung seines Gesamtschaffens. Die lose Plotstruktur eines „Pulp Fiction“, die unverhohlene Verbeugung vor einer Zeitperiode und ihren Popkultur-Ikonen wie in „Kill Bill“. Die wilden Exploitation-Eskapaden aus „Inglorious Basterds“. Die ellenlangen Dialoggefechte eines „Jackie Brown“. Und der seltsame Mix aus verfilmtem Fuß-Fetisch und Verbeugung vor dem Stuntkino in „Death Proof“.

Noch dazu trommelt er nahezu alle seiner liebsten Nebendarsteller, in den Credits als „die Gang“ beschrieben, zusammen. Zoe Bell, Michael Madsen (dem der Alkohol gefühlt kaum noch Stimmband übrig gelassen hat), Kurt Russel, Tim Roth (leider rausgeschnitten). Es ist, als habe Tarantino sein eigenes kleines „Endgame“ inszeniert, den großen Abschluss einer Reise. So kommt vermutlich auch die Wahl des Titels nicht von ungefähr - Sergio Leones „Once Upon a Time in America“ war eins dessen epische Konklusion und gleichzeitig Schwanengesang seiner eigenen Karriere.

Wie dieser hat auch Tarantino im Alter mittlerweile eine Form gefunden, mit der er die Filmkunst nahezu mühelos kommandiert. Rein technisch ist das hier allergrößtes Filmemachen, Dialogregie, Soundtrack, Kamera - sitzt!

Und einer Sache kann man sich auch immer sicher sein: Tarantino schreibt immer mindestens einen Charakter für die Ewigkeit. Hier ist das Leonardo di Caprios Rick „Fucking“ Dalton, der durch Tarantinos brillantes Charaktergespür und di Caprios Schauspiel zum magnetisierenden Fixpunkt der ansonsten nur losen Handlung wird. Di Caprio ist immer gut - hier ist er brillant.

Zu schade, dass Tarantino all dies in einen Film verpackt, der in den ersten zwei von beinahe drei Stunden im Grunde vom großen Nichts erzählt. Der Film bewegt sich zwar stets vorwärts, aber eher nicht, weil ihn eine klar erkennbare Narrative tragen würde. Margot Robbie schwebt beispielsweise weitestgehend unbeteiligt durchs Bild, darf kurz als Eyecandy herhalten, die Bedeutsamkeit ihrer Figur wird aber erst ganz am Ende klar. Der Rest trägt sich über Szenen in denen Brad Pitt Auto fährt, Tarantinos genialen Soundtrack und Momente, die eher wahllos zusammen gestellt wirken. Rückblicke, Filme in Filmen, VoiceOver-Kommentare - von allem etwas.

Es ist eigentlich unglaublich, dass „One Upon..“ trotzdem nur ganz wenige Hänger hat. Dafür erzeugt der Mix aus tollen Figuren, dem sensationellen Gespür für Musik und Zeitperiode (dieser Look...) und den immer wieder eingespielten Tarantino-Momenten, die so wohl auch nur er beherrscht, einen viel zu großen Sog. Von dem muss man sich nur mitreißen lassen, dann wird alles gut.