Spider-Man: Far from Home ★★★

Ich will es nicht, aber ich kann auch nichts dagegen tun: Mittlerweile bekomme ich bei der bloßen Erwähnung eines neuen Marvelfilms minimalen Würgereflex. Keiner der 22 Filme war so richtig schlecht, aber mittlerweile fühle ich mich, als hätte ich in einem teuren Restaurant das Gänge-Menü bestellt und sie HÖREN. EINFACH. NICHT. AUF mir dasselbe Schnitzel immer und immer wieder zu servieren.

Das größte Problem am Marvel Cinematic Universe ist für mich nicht einmal, dass sich viele Geschichten, Setpieces und Witzchen so ähnlich und austauschbar anfühlen. Vielmehr wirkt es, als wolle Marvel gar nicht mehr versuchen, in sich geschlossene Filme abzuliefern. Auch „Far from Home“ fängt wieder einfach so an, ohne sich große Mühe mit der Einführung von Figuren zu geben oder einen spektakulären Prolog zu finden. Mich nervt diese „die Fans werden‘s schon schlucken“-Attitüde mittlerweile immens, weil es wirkt, als müsse man sich nicht mehr um jeden Zuschauer bemühen, wenn jedes Mal aufs neue die Milliarden-Dollar-Bestmarken geknackt werden.

Abgesehen davon macht „Far from Home“ aber auch Dinge richtig. Die Reise nach Europa und die dadurch entstehende Gruppendynamik tut dem Pacing spürbar gut. Die Actionszenen sind zwar wieder heilos „overstuffed“ und zugemüllt mit CGI, haben aber minimal mehr Wucht als zum Beispiel der erste Teil. Der Witz zündet wie üblich nur jedes fünfte Mal, aber „Far from Home“ ist insgesamt ziemlich charmant.

Auf Mysterio einzugehen ist an dieser Stelle praktisch nicht ohne Spoiler möglich. In den Comics und der TV-Serie hab ich den Illusionisten geliebt. Ich mag, was der Film mit der Figur probiert und wie den üblichen Rollenklischees ein Spin mitgegeben wird, aber wirklich konsequent ist der nicht, am Ende bleibt die Figur dann doch zu blass.


Immerhin ist „Far from Home“ damit deutlich besser als der Vorgänger. Aber mein Gott - muss es wirklich jedes Jahr drei neue Filme der gleichen Bauart geben?