Terminator: Dark Fate ★★

Die gute Nachricht zuerst: Terminator: Dark Fate ist von allem Fortsetzungen seit Terminator 2 definitiv die handwerklich sauberste. Vergleichen mit Terminator 3 oder 5 sind Look, inszenatorische Leistung und Produktionswert definitiv eine Stufe aufgestiegen. Die schlechte Nachricht: viel mehr Gutes gibt es hier nicht zu berichten.

Während der ersten Hälfte ist das hier einfach nur Terminator 2…einhalb. Nach einem durchaus eher überraschenden Opening, dass zwar direkt zum Einstieg massive Logikprobleme offenbart, immerhin aber nicht uninteressante Ansätze liefert, wird für die nächste Stunde praktisch jede einzelne Terminator-Checkbox abgehakt. Zwei Zeitreiseblasen, zwei Nackedeis, beide suchen Kleidung, eine Damsel in Distress, die wider Willen gerettet wird, während der Antagonist Dinge tötet. Alles wie gehabt. Nächste Station: Verfolgungsjagd auf dem Highway…

Das mag die sicherste Art sein, mit so einer Fortsetzung umzugehen, aber wenn innerhalb dieser Reihe einer der Teile zu den größten Action-Meilensteinen der gesamten Filmhistorie gehört, dann sorgt das, wie in diesem Fall, lediglich dafür, dass man während der meisten Situationen ständig James Cameron im Kopf hat. Das hier ist aber nun mal nicht James Cameron. Das zeigt die Action, die zu keinem Zeitpunkt mit derselben sicheren Hand, dem brillanten Auge für Dynamik und Szenenfluss inszeniert ist, sondern bis auf das wirklich packende Finale zu sehr auf Schnittgewitter und verwackelte Close-Ups setzt und gerade in den Momenten, in denen Terminator 2 besonders offensichtlich kopiert wird, nochmal umso mehr verdeutlicht, wie sehr die klare Choreografie von Camerons Geniestreich fehlt.

Das zeigen die Dialoge, die - obwohl sie im Grunde nur die x-te Variation aus Terminator-Einmaleins und längst bekannter Exposition auftischen - nie so elegant wirken wie in T-2. Von dessen lakonischer Coolness ganz zu schweigen. Und das zeigen die Charaktere, die nie mehr als die üblichen Schablonen bleiben, die man im Blockbuster-Kino ohnehin alle zwei Filme vorgesetzt bekommt und dann im letzten Drittel unglaubwürdige Wandlungen durchlaufen. Namen wie Sarah und John Connor gingen einst in die Filmgeschichte ein – wie die beiden Neuzugänge auf der Heldenseite heißen, hatte ich bereits auf dem Weg Richtung Parkplatz wieder vergessen.

Vor allem tut sich die Frage auf, was hier überhaupt der Plan gewesen sein soll? Cameron, der als Produzent fungiert, warb mit Miller im Vorfeld in Interviews mit der Aussage, man habe eine richtig tolle Idee gehabt, die Filme weiterzuführen. Wie immer diese Idee auch ausgesehen haben mag – sie hat es leider nicht in die fertige Fassung von „Terminator: Dark Fate“ geschafft. Neue Impulse fehlen völlig oder werden nicht konsequent verfolgt und weshalb die Teile drei, vier und fünf nun medienwirksam aus der bisherigen Timeline gestrichen werden mussten, ist auch nicht wirklich ersichtlich. „Dark Fate“ ist einfach dieselbe Leier wie eh und je – mit oder ohne deren Vorgeschichte. 

Cameron selbst verstand es einst wie kaum ein Zweiter in Hollywood, dass Fortsetzungen immer ein Mix aus altbekannten Elementen und einer frischen Stoßrichtung sein müssen. Bekannt ist hier Vieles, aber eine Stoßrichtung ist allerhöchstens zu erkennen, wenn man sich gewahr wird, dass das hier nicht mehr als ein Reset sein soll, um eine neue Trilogie einzuleiten. Cameron erzählte in „Aliens“ und „Terminator 2“ viel zwischen den Zeilen - beide Filme waren im Kern auch Abhandlungen über Mutterliebe, Vaterfiguren und Familie. „Dark Fate“ erzählt im Kern...von gar nichts.

Es gibt gelungene Ansätze – etwa die Frage, wie sich die Gejagten in einer Welt gegen den Terminator zur Wehr setzen, in der ständige Überwachung und totale digitale Vernetzung eine Flucht nahezu unmöglich machen. Aber die werden entweder durch gigantische Plotholes erdrückt oder verschwimmen im dauerhaften Selbstzitat.

Wie gesagt: Für die erste Stunde ist all dies zumindest okay bis enttäuschend - man kennt das Spiel als Terminator-Fan. Bis Arnold Schwarzenegger ins Bild tritt und aus einer vertanen Chance ein geradezu sagenhaft idiotisches Volldesaster wird. Drehbuchautor David S. Goyer legt seinen Figuren Sätze in den Mund, die dagegen selbst Goyers legendären „Martha“-Fauxpas aus „Batman vs Superman“ wie lyrische Hochkunst erscheinen lässt.

Bereits „Terminator: Genisys“ musste sich mühsam winden, um einen Grund zu erspinnen, der den gealterten Schwarzenegger irgendwie in der Gesamtlogik rechtfertigt, aber was „Dark Fate“ hier als Hintergrundgeschichte für seine Figur auftischt, spottet jeder Beschreibung. In keinem Szenario, das ich mir vorher hätte ausmalen können, wäre ich je auf einen Grund gekommen, der derart dämlich, dermaßen lächerlich erscheint wie die Dinge, die „Carl“ (ja, Terminator haben jetzt Namen) im großen Story-Reveal auftischt. Und als seine Figur kurz vor dem Finale eine Insulinspritze herbeizaubert, weil die als Plotdevise irgendwie in die Szene gequetscht werden musste, wird so ganz nebenbei einer der dämlichsten Kinomomente 2019 geschaffen – mein Gott, was für ein grausiger Stümper Goyer doch ist… 

„Terminator: Dark Fate“ ist aber insgesamt ein ziemlich trauriges Produkt – eines, das sich verzweifelt an alte, bessere Tage klammert und einfach nicht loslassen will. Was dann auch sinnbildlich für diese Reihe steht, die sich über die Jahre derart verrannt hat, dass mittlerweile jede Chance auf Erlösung unrettbar zerronnen ist. Vielleicht bestätigt sich jetzt, da James Cameron höchstselbst angeblich die Supervision übernommen hat und merklich ebenso wenig Plan wie seine Vorgänger hat, endlich das, was Viele schon lange vermutet haben: mit „Terminator 2“ war alles gesagt, was es zum Thema Killerroboter zu sagen gibt – jetzt lasst diese legendäre Reihe endlich sterben, statt die verdiente Würde immer tiefer in den Schmutz zu reiten.

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