Dune

Dune ★★★★½

WOW!

Ohne das Buch gelesen zu haben und ohne jegliche Infoquellen wie Trailer oder diverse Handlungsbeschreibungen. Also, rügt mich nicht!
Das Fazit, Minuten nach dem Kinobesuch: Es hat sich gelohnt.

Noch nie hatte ich sowas epochales im Kino erleben dürfen, geschweige denn alleine.

In den obersten Reihen genau den Mittler aller mittleren Plätze, sozusagen das "Herz des Kinos", ausgewählt und für 155 Minuten das imposanteste Spektakel des Jahres 2021 erlebt.
Es scheint mir gar unmöglich ob der Vorstellung, dass etwas annähernd so Gutes noch dieses Jahr erscheinen wird.

DUNE

Eine Wüsten-Manifestation der Moderne,
Eine Reise der Selbstfindung und Bestimmung,
Eine Atmosphäre, die so sanft die Hymne eines nahen Kreuzzugs über Arrakis pfeift,
Eine Droge zum essenziellsten Stoff der Galaxie,
Die Odyssee von Paul Atreides.

(Das hier widerspiegelt lediglich meine erste Meinung zum Film, den ich gestern Abend sehen durfte.)

Audiovisuell, da bilden nahezu alle Filmfans und Kritiker eine Einheit, ist "DUNE" ein Meisterwerk. Ich weiß, der Begriff an sich ist kernig, kräftig. Dennoch trifft es dem voll und ganz zu.
Denis Villeneuve, ein sich bekennender Fan des gleichnamigen Romans, steckte eine unfassbare Leidenschaft in kleinste Details im gesamten Editing. Seine Vision ist gewaltig, wie es ein Epos eben ist. Selbstverständlich wird hier CGI für jegliche Umgebung verwendet und es sieht dafür verdammt stark aus. Seltenst sah ich solch famose Gebiete, Kreaturen, Raumschiffe und Explosionen wie hier.
Auch in der Praxis trumpft der Film auf. Wo ich mich noch an Lynch's "Dune" erinnern kann, welcher viel mehr verspielt mit Kostümen ist und mehr in Richtung Trash-Sci-Fi geht, haben wir hier einen bodenständigen Kracher, den man ernst nehmen muss. Die Optik selbst, also der Farbton und die Kameraaufnahmen (von Greg Fraiser), ist Villeneuve-typisch nüchtern und klar. Ich habe zurzeit öfters gelesen, dass manche Leute den Look kritisieren, dass er zu klar sei, was ich nicht unterschreiben kann und zugleich hinterfragen muss, ob denn alle anderen Villeneuve-Filme nicht denselbigen Farb-Touch und dieselbe Klarheit im Bild haben? "Blade Runner 2049" hätte auch dreckigere Bilder haben können, doch es war eine klare und fulminante Sicht, die liebte, so auch hier.
Musikalisch war Hans Zimmer am Werk und auch wenn ich nicht der größte Fan von ihm in seinem Gesamtschaffen bin, handelt es sich hier ebenfalls um eine Art Triumph in der Untermalung. Von orientalischen Klängen und Dudelsack bis hin zu den großen, lauten und oftmals basslastigen Kompositionen, für die Zimmer allseits bekannt ist, erschien mir ausgestattet mit einer Größenordnung, die seinesgleichen sucht. Vielleicht stellenweise etwas zu laut, aber im Kino ist das für gewöhnlich immer eine laute Kiste, aber... in manchen Momenten hätte die Stille vielleicht mehr gesagt als die Musik.

Der Cast ist nahezu brachial wie die Audiovisualität.
Timothée Chalamet blüht in seiner Verkörperung des Paul Atreides auf. Kaum blickt man ihn entgegen und schon kauft man seine Rolle als baldiger Herzog, der noch nach sich selbst sucht und dies scheint er nur in einer äußerlich einsam wirkenden Wüste zu können. Sein gesamtes Aussehen und seine noch recht unsicher wirkenden nüchternen Blicke sind perfekt dem angepasst, was ich intendierte.
Rebecca Ferguson ist in all dem der größte Stern im Film. Ihr Schauspiel als die Lady Jessica, die Frau des Leto Atreides (Oscar Isaac), fand ich fantastisch und vielschichtig mit emotional subtilen Gesichtszügen, die in ihr die natürliche Angst als Mutter um Paul und die besinnliche und außergewöhnliche Macht, die sie besitzt, porträtieren.
Pauls Visionen lassen die junge Fremin Chani (Zendaya) erblicken. Auch wenn Zendaya hier im ersten Teil nicht viel Platz für ihre Rolle einnehmen konnte, ist ihre Präsenz doch intensiv und wichtig für das, was noch kommen soll. Denn das ist erst der Anfang. Es gibt von ihr wirklich herrlich schöne Shots (jeder Shot im Film ist ein Highlight). Ich wusste gar nicht, wie schön sie doch lächeln kann 😅
Oscar Isaac ist wie schon gesagt Herzog des Hauses Atreides und Vater von Paul. Er spielt gut seine Machtposition aus. Seine Erhabenheit und seine Geduld gegenüber Kontrahenden und gefährlichen Situationen lassen den Eindruck seiner Erfahrenheit offenbaren. Er sieht wie für die Rolle gemacht aus.
Jason Momoa ist der größte Sympathieträger, obwohl sein allgegenwärtiger Humor auch hier etwas runtergekurbelt wurde.
Neben dem einen Kraftprotzt kommt ein zweiter gleich nach und das ist Dave Bautista als Glossu Rabban, der auf der Seite der cleveren Bösen, der Harkonnen, steht. Auch er wird wohl im zweiten Teil mehr Präsenz zeigen als hier.
Und das Highlight unter den Antagonisten ist offensichtlich Stellan Skarsgård als der dicke, schwebende, machthungrige und gnadenlose Wladminir Harkonnen. Seine Präsenz ist außerordentlich erschreckend und faszinierend.
Daneben sind... so viele weitere. Javier Bardem, Charlotte Rampling, David Dastmalchian, Josh Brolin, Stephen Henderson, Sharon Duncan-Brewster, Chang Chen und unendlich viele Statisten, die alle zusammen eine monumentale Welt der Gesellschaft erschaffen.

Im Nachhinein sind mir vielleicht ein paar kleine Details aufgefallen bzw. nicht aufgefallen (in der Hitze gibt es wohl auch Leute, die nicht schwitzen), die einen kleinen Wehrmutstropfen hinterlassen, aber nach all dem, was ich dort gesehen habe, kaum eine Last.
Es gibt allgemein zurzeit viele Meckerlieschen bezüglich dessen, die die Perfektion der Perfektion in der Perfektion sehen wollen. Da kann ich manches nachvollziehen, manches aber auch überhaupt nicht. Manchen Leuten ist diese äußerst komplexe Geschichte mit ihren komplexen und für Verwirrung stiftenden Dialogen auch nicht gehörig, was ich wiederum verstehe.

Ich fühlte mich zu keinem Zeitpunkt gelangweilt oder genervt von jeglichen Dingen auf der Leinwand. Es war ein fantastisches Erlebnis. Ich fühlte mich in der Loge fast eingedrückt, wo ich die ersten Kämpfe gesehen habe sowie Gänsehaut bei dem Anblick des Sandwurmes.

"DUNE" markiert für mich den bisher besten Film des Jahres und man kann nur die eigenen Hände zusammenhalten und beten, dass Denis Villeneuve auch Startlicht für die weiteren Teile bekommt. Der erste Teil hier ging nämlich haarscharf, beim ersten Mal, an der vollen Punktzahl vorbei. Hoffnung ist das einzige, was da übrig bleibt und keine Angst, denn Angst tötet den Verstand.

Marvin liked these reviews

All