Knives Out ★★★★½

Knives Out ist bei der zweiten Sichtung sogar noch besser, als bei der ersten. Ohne den Drang krampfhaft zu überlegen wer der Täter sein könnte, kann man sich dabei vollkommen auf neue Details konzentrieren, freut sich darüber wie geschickt der Film Stück für Stück sein tolles Finale vorbereitet und auch der Humor funktioniert beim zweiten Mal genau so gut.
Ich bin nun ziemlich im Reinen damit, diesen Film als einen der besten aus dem Jahr 2019 zu bezeichnen. (Keine Oscar-Nominierung für "Bester Film")

Bei den größten Stärken des Filmes im Bereich Drehbuch, ist es leicht darüber hinweg zu sehen, dass Knives Out auch visuell absolut punktet. Neben der wunderschönen Kamera mit Teilweise großartigen Shots, profitiert der Film von einem exzellenten Production Design. Das an sich schon schöne Haus mit seinen zahlreichen Details und Deko-Besonderheiten - allen voran der Messer-Thron - weckt den Drang es noch weiter erkunden zu wollen und trägt ungemein zum Charme der Geschichte bei. (Keine Oscar-Nominierung für "Bestes Szenenbild" und "Beste Kamera")

Das Editing ist nicht nur in der längeren Verhörszene zu Beginn wirklich gut, sondern hilft auch den restlichen Film über enorm dabei die Geschichte voranzutreiben. Seinen flüssigen Rhythmus und sein konstant gutes Pacing hat Knives Out vor allem auch seinem Schnitt zu verdanken. (Keine Oscar-Nominierung für "Bester Schnitt")

Der breit aufgestellte Cast profitiert zum großen Teil von den bereits im Drehbuch gut gezeichneten Charakteren, aber trotzdem ist die Leistung von allen mindestens solide bis wirklich gut. Allen voran die beiden Hauptdarsteller liefern ordentlich ab. Daniel Craig habe ich noch in keiner besseren Rolle gesehen und bei Ana de Armas bin ich mehr als gespannt was wir von ihr in Zukunft noch sehen werden. Wirklich überrascht war ich jedoch von Jamie Lee Curtis, die ich als Scream Queen der Halloween-Reihe zwar immer gemocht habe, ihr schauspielerisches Talent jedoch immer angezweifelt habe. Hier ist sie auf jeden Fall großartig und ihre Rolle wirkt wie auf den Leib geschrieben. (Keine Oscar-Nominierung für einen der Schauspieler (jaja, hier ist es wohl am ehestes gerechtfertigt))

Doch kommen wir zum Herz des Filmes: Das Drehbuch! Es ist klug, es ist durchdacht und es ist originell. Die Dialoge sind ausnahmslos gut gelungen und unterhaltsam, die Charaktere sind alle mit Hingabe und individuell gezeichnet und die Geschichte ist eine perfekte Mischung aus Hommage, Spannung, Witz und sogar ein wenig Herz. Wie zum Ende alles perfekt in sich aufgeht ist enorm befriedigend. (Absolut zurecht eine Oscar-Nominierung für "Bestes Originaldrehbuch")

Knives Out hat hohes Rewatch-Potential und ich spiele gerne mit dem Gedanken ihn auch noch ein drittes Mal im Kino zu sehen. Ich bin mir sicher, dass er auch da sein hohes Niveau halten kann.
Um noch ein bisschen mehr Polemik in diese Review zu bringen: Ich bin mir sicher wenn "Tarantino" als Regisseur stehen würde, wäre Knives Out viel, viel akzeptierter und gefeierter als er eh schon ist und wenn wir ehrlich sind fehlt bis auf ein paar Kraftausdrücke und Gewalt nicht mehr viel.

Nehmt die Review bitte nicht zu ernst. Mir ist zum Beispiel sehr bewusst, dass Knives Out in einigen Kategorien die ich genannt habe zurecht nicht nominiert ist. Auf der anderen Seite sind dort aber auch Filme nominiert bei denen ich es eben nicht nachvollziehen kann warum diese den Vorzug bekommen haben.
Ich wollte aber nur noch einmal deutlich machen, wie sehr dieser Film übergangen wurde. Das wurden einige andere Filme aber leider auch. - Wie jedes Jahr.

Caitanya liked this review