Roma

Roma ★★★★

“I like being dead.“

Roma ist merklich das persönlichste Werk von Alfonso Cuarón. Das Script, das zu 90% aus den Erinnerungen an seine Kindheit besteht, folgt dem mexikanischen Hausmädchen Cleo. Die Story ist dabei relativ minimalistisch aber auch weniger wichtig. Es ist viel mehr eine Charakterstudie, die vor allem von Gefühl und Atmosphäre lebt.
Dass Cuarón ein enormes Feingefühl und detailreiche Genauigkeit in seine Inszenierungen steckt, sieht man schon an seinen vorherigen Filmen, doch in Roma übertrift er sich in diesen Aspekten noch einmal mehr. Grade in der letzten halben Stunde hatte ich einen schweren Klos im Hals, nachdem ich die mit unangenehmste Szene, die ich seit langer Zeit gesehen habe, überstanden hatte.
Der Film bietet ungemein schöne Szenen und ungemein traurige. Dabei ist es wirklich gut gemacht wie wir durch die interne Fokalisierung auf Cleo, die Geschehnisse innerhalb der Familie, bei der sie arbeitet, nur fragmentartig und oft auch nur off-screen mitbekommen. Sie ist gleichzeitig Teil der Familie und trotzdem immer außerhalb.

Cuarón bedient hier das erste Mal selbst die Kamera, wofür er hoffentlich, und dann auch zurecht, den Oscar für Best Cinematography erhalten wird. In vielen Longtakes mit geringem Kameraschwenk, fängt Cuarón das typisch chaotische mexikanische Leben ein. Häufig passiert in einer Einstellung auf mehreren Ebenen etwas, wodurch sich die Szenen oft sehr wie geordnetes Chaos anfühlen, und ich so bisher noch nie gesehen habe.
Letztendlich wird dies aber auch der Grund sein, warum viele an diesem Film scheitern werden. Der Film ist wirklich extrem langsam erzählt und gefilmt. Darauf muss man sich erstmal einlassen, dann aber kann einem der Film viel geben. Denn in der Langsamkeit liegt eine Poesie, die in ihrer Schönheit einzigartig ist.

Roma ist einer der Filme die ich am sehnlichsten erwartet habe und daher war meine Erwartungshaltung auch dementsprechend hoch. Der aller, aller letzte Funke ist letztendlich nicht auf mich übergesprungen. Ich respektiere den Film ungemein für seine Bilder, für seine Emotionen, für seine Kunst, für seine Detailverliebtheit, aber final hat das kleine Etwas gefehlt, das mich restlos abgeholt hätte. Was das wäre weiß ich leider nicht. Vielleicht hat mir die Identifikation gefehlt, nie hatte ich eine Person wie Cleo in meinem Leben, nie eine Art "Ersatzmutter".
Trotz diesem sehr persönlichen "Kritikpunkt" aber, kann ich guten Gewissens sagen, dass Roma ein Meisterwerk ist, das zurecht so hoch gehandelt wird.