Taste of Cherry

Taste of Cherry ★★★★

Filmwelt Filmclub #49 - Taste of Cherry - Ausgewählt von Yaron

Was für ein schöner Film. Einer der Picks bei den ich echt froh bin, dass ich darauf „geschubst“ wurde.
Dabei hat dieser starke Parallelen zum da vorigen Film „My Dinner with Andre“. Wieder ist es ein sehr einfaches Setting. Zu 70% des Filmes befinden wir uns im Auto des Hauptdarstellers und lauschen Gesprächen.
Ich werde nicht Zuviel verraten, denn ich glaube der Film konnte sich bei mir nur entfalten, weil ich davor kaum etwas wusste. Das machte vor allem den Anfang auch sehr spannend. Ich rate euch, vorher nichts darüber zu lesen.
Herr Badii fährt mit seinem Auto in der Stadt umher. Er ist augenscheinlich auf der Suche nach jemanden. Niemand bestimmtes. Alles was wir anfangs erfahren ist, dass er jemanden für eine Arbeit benötigt und bereit ist viel Geld dafür zu bezahlen, damit man ihm hilft. So viel Geld, dass es durchaus Lifechanging für den Helfer sein kann. Und Herr Badii möchte anscheinend unbedingt jemanden diese Chance geben, der es auch wirklich gebrauchen kann. Aber meint er es wirklich gut? Und was für eine obskure Arbeit soll das sein für so viel Geld?

Diese Fragen haben mich tatsächlich beschäftigt anfangs und bleiben so die ersten 30 Minuten unklar. Herr Badii hat im verlauf des Films mehrere Aspiranten für den „Job“ und ohne, dass er viel darüber verrät unterhalten sie sich darüber. Das erinnert dann auch ein bisschen an die Weihnachtsgeschichte und den 3 Geistern.

Die Gespräche werden von mal zu mal interessanter und immer mehr fragt man sich, wie man selbst auf solch ein Angebot reagieren würde. Aber auch was die Motive von Herr Badii sind und warum er eigentlich so auf „Hilfe“ besteht.

Obwohl das Setting simpel ist, bietet die Kamera durch lange Landschaftsaufnahmen des fahrenden Autos und ein paar Ortswechsel, genug Abwechslung für das Auge. Die Schauspieler im Auto sind sehr authentisch, auch wenn ich kein persisch spreche, wirkten die Dialoge und die Mimik etc. sehr real auf mich.

Einzig ganz am Anfang, hat man wohl auf einfache Statisten oder Laiendarsteller gesetzt, aber das stört dann nicht weiter.

Die Gespräche drehen sich um Gott und die Welt, Schuld und Unschuld. Viele Aussagen sind allgemeingültig, auch wenn sie vielleicht in einem spirituellen oder gläubigen Kontext geäußert werden. Es gibt immer einen guten Gegenpart. Die Gespräche sind gut austariert. Keiner hat Unrecht.

Technisch ist der Film einfach gehalten, es gibt wenig Soundtrack. Doch man taucht eben gut ein und die Laufzeit war für mich optimal. Und obwohl es schon wieder eher Arthouse Kino ist, gehört diese Art von Film eher zu meinem Geschmack. Das lag vielleicht auch einfach an der heutigen Situation, aber er füllte heute perfekt die Lücke in meinem Tagesablauf.

Note 2
8 von 10

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