Star Wars: The Last Jedi ★★★★

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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Ich bin kein riesiger Fan von Star Wars. Die alte Trilogie ist für mich sehr gute Unterhaltung, wobei Episode 6 bereits etwas nachlässt und die Prequel-Filme sind meiner Meinung nach Blockbuster auf niedrigstem, teilweise kaum zu ertragend schlechtem Niveau. Episode 7 war ein passabler Film mit netten Actionszenen und sympathischen Charakteren, orientiert sich dabei jedoch so sehr an den alten Filmen, dass er über diesen Status leider nicht hinauskommt. Außerdem hat Regisseur J.J. Abrams scheinbar immer den Drang, sehr viele, zu viele Mysterien aufzubauen, um das Interesse des Zuschauers zu wecken. Dies tat er bereits bei Lost, was in einer Katastrophe endete und dann eben auch bei Episode 7, Ende noch offen.
Scheinbar hat Episode 8-Regisseur Rian Johnson keine Lust gehabt, sich auf dieses Spiel einzulassen und geht über Vieles einfach ohne Erklärung hinweg oder lässt die aufgebaute Spannung einfach verpuffen. Dass dies vielen Fans sauer aufstößt, die hauptsächlich das Gesamtwerk betrachten, ist verständlich, für den Film Die letzten Jedi jedoch war es die beste Entscheidung, die Johnson hätte treffen können.

Johnson versucht, Star Wars zu verändern und traut sich, auch mal andere Wege zu gehen. Dies hat für mich gut funktioniert. Kylo Ren ist so vielschichtig, wie es selten bei einem Star Wars-Charakter der Fall war. Sobald er den Helm zerstört und sich endgültig von Vader lossagt, kriegen wir endlich Adam Driver, der wunderbar den mächtigen, aber doch verunsicherten Kylo spielt und mit Rey eine interessante wie spannende Verbindung hat, die mit Sicherheit noch nicht auserzählt ist.
Rey, Kylo, Finn, Poe, Luke Leia, Hux. Für mich hat jede dieser Figuren in Episode 8 ein klares Charakterbild erhalten, das glaubwürdig und vor allem interessant ist. Die Geschichte ist endlich mal wieder neu und unvorhersehbar und scheut sich auch nicht, einen Helden wie Luke zeitweise zu degradieren. Sogar das Schema Gut und Böse wird über das Motiv der Machenschaften der Waffenhändler kurz angekratzt. Das schafft einen Systemrealismus, der für Star Wars fast schon revolutionär wirkt. Diesen Mut, etwas neues im Star Wars Universum zu erzählen, muss man anerkennen und dieser lässt für die noch kommende Rian Johnson Trilogie einiges hoffen.
Was den Film, der mit starken Charakteren, unerwarteten Wendungen, einem extrem stylischen Finale, sowie Kampf in Snokes Saal, berührenden wie beeindruckenden Szenen und der wohl besten Weltraumexplosion aller Zeiten dennoch davon abhält, wirklich großartig zu sein, ist der viel zu platte Humor. Viel zu oft entschärfen lustige Szenen den emotionalen Wert der vorangegangenen Handlung, oder werden völlig unpassend eingestreut. Leider passiert dies oft nicht subtil, sondern erinnert eher an Superhelden-One-Liner, wobei es ganz so schlimm dann auch nicht ist. Dennoch trübt dies ein wenig das Gesamtbild, ändert aber nicht den grundsätzlich guten Eindruck.

War ich eine Zeit lang noch ein wenig traurig, Star Wars nicht als Kind bereits gesehen zu haben und so die Magie nicht in vollem Maße verstehen zu können, so bin ich inzwischen fast froh, einen tollen Blockbuster wie The last Jedi nicht zerreißen zu müssen, weil sich zu wenig erklärt oder vermeintliche Grundsätze der Welt gebrochen werden. Für mich hat alles wunderbar in das Universum von Star Wars gepasst und ich wurde nicht durch unglaubwürdige Szenen herausgerissen. Vielleicht habe ich aber auch einfach keine Ahnung. Und dann bin ich sehr froh drum.

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