Pain and Glory

Pain and Glory ★★★★½

Ich muss ja zugeben, dass ich nach „Volver“ und „Los abrazos rotos“ mit Almodóvar bereits abgeschlossen hatte, denn beide Filme empfand ich nur noch als zweite und dritte Wiederholung des immergleichen Themas. Das Besondere und Schrille, was Almodóvars Filme immer ausgemacht hatten, war verschwunden. Es wirkte alles ausgelaugt und repetetiv. Daher haben mich die späteren Filme nicht mehr interessiert.
Doch jetzt hat Almodóvar mit „Dolor y Gloria“ so etwas wie sein Alterswerk vorgelegt. Einen Film, der sein ganzes filmerisches Schaffen umfasst und das Leben als Film und den Film als Leben zeigt.
Almodóvar erzählt von dem älteren Regisseur Salvador Mallo, gespielt von dem alles überstrahlenden Antonio Banderas, der seine größten Erfolge in den Achtzigern feierte. Seit dem hat er keine Filme mehr gedreht, was auf die unterschiedlichsten Krankheiten zurückzuführen ist, die wiederum dazu führten, dass aus diesem erfolgreichen Regisseur ein schmerzgeplagter depressiver alter Mann wurde.
Zum Beginn der Handlung meldet sich die Kinemathek in Madrid bei ihm, die seinen letzten Film neu restauriert wieder aufführen möchte. Das führt Mallo wieder mit dem damaligen Hauptdarsteller zusammen, mit dem er sich bei den Dreharbeiten überworfen hatte.
Mit ihm macht er nun Bekanntschaft mit Heroin, was für den Augenblick als eine Lösung für seine Schmerzen und Depressionen erscheint. Dies setzt eine Kette von Bildern, Visionen und Erinnerungen in Gang, die der Film nun auf das Allerfeinste bebildert und in Szene setzt. Ein Reigen von visuellen Motiven, Farben, Farben und Melodien setzt ein und versetzt die Darsteller_innen und Betrachter_innen in einen meditativen leichten Rausch. Die Chronologie der Ereignisse ist dabei nicht von Belang.
Die Wechsel zwischen den Erinnerungen, Halluzinationen und der realen Filmzeit kennzeichnet Almodóvar stilvoll durch in einander übergehende Motive, wie z. B. zum Filmbeginn, wo das Wasser des Pools hinübergleitet zum Wasser des Flusses, an dem Salvadors Mutter mit den anderen Frauen des Dorfes Wäsche wäscht.
Die Mutter, gespielt von Penélope Cruz, wird zum Schlüssel für diesen Film. Daher fokussiert sich Almodóvar wie schon in vielen seiner früheren Film auch hier wieder darauf. 
Natürlich könnte man sich jetzt fragen, wie stark autobiografisch ist diese Geschichte. Aber darum geht es dem Film nicht. Es geht Almodóvar eher darum, sein gesamtes filmisches Werk abzurunden. So finden sich im Film viele Hinweise auf frühere Almodóvar-Filme. All das Begehren und die Liebe, die Almodóvar in seinen frühen Filmen zeigte sind in „Dolór y Gloria“ in reinster Essenz zu finden. Die Realität und Alltag spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle und sind für diesen Film nicht wichtig. Dies macht der Film noch einmal mit seiner allerletzten Szene deutlich, die zugleich die Erlösung des Hauptdarstellers zeigt, aber zugleich auch alles voran Gezeigte in einem vollkommen neuen Licht erscheinen lässt. 
Und am Ende dieses Films ist mehr deutlich, dass Pedro Almodóvar doch noch einer der Meister des europäischen Kinos ist.