Knives Out ★★★★

Knives Out ist nicht nur für die eingefleischten Krimi-Fans Mörderrätseln auf höchstem Niveau, sondern auch für neugierige Einsteiger in dieses Genre (mich), die wissen wollen was es denn damit alles auf sich hat. Auch wenn ich gegenüber Rian Johnson skeptisch war, Knives Out ist kein Star Wars: The Last Jedi und anders herum. Die Skepsis wurde ganz schnell gesehen, getötet und den Hunden als Fraß vorgeworfen.

Wenn Knives Out eines ist, dann lustig. Vermutlich bekommt man hier die humorvollste Portion im gesamten Kinojahr serviert, was mich bei bestem Willen aber auch nicht wundern würde, da wirklich jeder, selbst mein schwer zu beeindruckender Freund mitgelacht hat. Der Humor reicht von einzelnen Mimiken, über kleinere Hommagen an andere Filme bis hin zu einigen wirklich durchgedrehten Szenen wie die Donut-Stelle und Dialoge, Witze etc. hinweg. Wer hier nicht lacht, hat einen wirklich krassen Humor oder ist ebenso schwer zum lachen zu bringen. Oder einem ist es zu sehr Over-the-Top, alles ist möglich!

Rian Johnson hat sich nicht nur bei dem Humor Gedanken gemacht, wie dass denn alles zusammenpassen würde, sondern auch bei dem Setdesign und der Handlung. Manchmal bekommt man es mit, dass sich beide Faktoren gegenseitig ausbremsen, hier allerdings wird beides wunderbar kombiniert und so macht es dann nicht nur Spaß mitzurätseln, sondern lässt den Zuschauer auch mehrmals auf falsche Fährten zugehen, um deren Reaktion wie falsch sie lagen, am Ende dann zu sehen. Gepaart mit einer hervorragenden Mischung aus Narration, vergangenen Tagen und der Gegenwärtigen Geschichte ensteht hier wahrlich ein Fest für jeden. Das einzige Problem was ich hatte war, dass er mir einfach viel zu offensichtlich geschrieben wurde. Einige der Figuren aus dem gesamten Quartett mögen in den Trailern extrem interessant gewirkt haben, sind im Vergleich dazu aber leider meistens uninteressant und eher im Hintergrund aktiv. Bei all den verschiedenen Leuten kann ich das aber auch ganz gut nachvollziehen, dass man den Fokus auf eher relevante legt.

Zwei der relevanten sind Detective Benoit Blanc, welcher mich vermutlich nie wieder wie ein normaler Mensch einen Donut angucken lässt, und die Pflegerin des ermordeten, Marta Cabrera, welche ihre eigenen Gründe hat. Doch egal wie gut einige Figuren auch geschrieben sind, es kommt auch immer auf die Schauspieler*innen an, die sie Verkörpern. In den obigen Fällen wären das der als James Bond bekannte Daniel Craig, welcher mit mehr Lust und Charisma daher kommt, als jeder andere zusammen (die letzten 15 Minuten sind der Beweis dafür) und Ana de Armas, die auch der Hauptgrund war mich diesem Film zu widmen. Beide haben auf dem allerhöchstem Niveau abgeliefert und sogar Namen wie Jamie Lee Curtis, Christopher Plummer, Chris Evans, Toni Collette, Michael Shannon und Lakeith Stanfield in den Schatten gestellt.

Technisch ist Knives Out ebenfalls auf einem hohen Niveau ausgerichtet. Die Kameraführung macht sich dem Mörderhaus mit seinen ganzen versteckten Gängen, seinem alten und doch neuen Look sowie jedem Raum ganz schön von Gebrauch und überzeugt mit klugen sowie schönen Einstellungen über die ganze Laufzeit. Der Score passt wie die Faust aufs Auge in die Thematik rein und liefert dadurch eine noch spannendere Jagd nach dem Mörder des Patriarchen.

Knives Out grenzt für mich schon an eine Überraschung, denn auch wenn ich nicht wirklich auf den Film gespannt war, so wurde ich am Ende doch überstimmt und konnte mich den meisten Lobeshymnen nur noch anschließen, auch wenn meine Lobeshymne von ein paar Ausnahmen geprägt ist.

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