Wenn der Vorhang fällt ★★

30 Jahre Deutscher Hip-Hop. Die Dokumentation „Wenn der Vorhang fällt“ von Michael Münch möchte eine gewaltig lange Zeit Musikgeschichte beleuchten. Dafür werden nicht ein, nicht zwei, sondern ganze 21 Rapper interviewt. Szenegrößen von Smudo bis Marteria erzählen was Hip Hop für sie bedeutet, fachsimpeln über seine Herkunft und die verschiedenen Phasen die er durchlief. Stellt sich nur die Frage, funktioniert das Ganze, oder hat sich Münch mit seinem Mammutprojekt etwas verhoben.

Wenn der Vorhang fällt wird größtenteils durch Interviewschnipsel erzählt. Dabei wird munter zwischen den verschiedenen Rappern hin und hergeschnitten, die mal mehr, mal weniger zu sagen haben. Hier offenbart sich auch die größte Schwäche der Doku. Das Verhältnis von Interviews zu eigentlich ALLEM anderen ist erdrückend. Wenn die verschiedenen MCs im Gespräch die Spontanität und Dynamik des HipHop betonen und dabei vor neutralem Hintergrund in einer starren Interviewsituation sitzen wirkt das fast schon unfreiwillig komisch. Aufgelockert wird das Ganze durch einige Liveaufnahmen die es im Laufe des Films immer seltener zu sehen gibt. Dafür werden die einzelnen Abschnitte von Schnittbildern getrennt, die unfassbar unmotiviert eingeworfen werden. Fast wirkt es so als hätte Münch einfach Orte abgefilmt, die halt irgendwie HipHop mäßig aussehen, ohne dass irgendein Zusammenhang zum restlichen Inhalt hergestellt werden würde.

Immerhin merkt man den Künstlern echten Enthusiasmus an, wenn sie über die Bedeutung von Deutschrap und dessen Wurzeln sprechen. Hier fällt allerdings leider auch das etwas ungesunde Verhältnis von Oldschool MCs zu moderneren Rappern auf. Gerade wenn es um den Aufstieg des Gangsterraps geht wirken diese häufig eher verständnislos, als wie echte Experten.

Bei aller Kritik muss man allerdings auch anerkennen, dass „Wenn der Vorhang fällt“, zumindest ein besseres Verständnis der Historie der Musikrichtung vermittelt und daher nicht auf ganzer Linie scheitert. Die Dokumentation tut das nur so dröge und unkreativ, dass sie mehr zu einer schlechten Doppelstunde Geschichte als zu einem unterhaltsamen Filmerlebnis verkommt. Eins muss man ihr jedoch trotzdem zu Gute halten. Durch das Anschauen bekommt man Lust auf Rap. Nicht wegen der Doku selbst, sondern weil sie erstaunlich wenig tatsächliche Musik benutzt.

4/10