Dune

Dune ★★★★½

In weiter Zukunft haben die Menschen große Teile des Universums besiedelt. Trotz des technischen Fortschritts sind sie dennoch in alte Muster verfallen. Adelshäuser herrschen unter der Führung eines Imperators. Zerfressen von Gier nach Macht und Reichtum werden Kriege auf Kosten vieler Menschenleben geführt, religiöser Fanatismus macht sich unter der Bevölkerung breit und Viele werden unterdrückt. 

Die Welt, die das Buch kreiert, ist von einer enormen Komplexität geprägt. Sie wird facettenreich und mit viel Liebe zum Detail zum Leben erweckt, wodurch die Aufgabe, einen Film zu kreieren, der diesen Facettenreichtum einfängt, sich als sehr schwierig herausstellen dürfte. Umso beeindruckender ist es, wie Villeneuve es schafft, die im Buch porträtierte Welt mitsamt ihren Völkern, Bräuchen und Lebensweisen in das Medium Film zu überführen. 

Dabei kreiert der Film Kostüme, Raumschiffe und Bauten, die ungemein fantasievoll gestaltet sind. Die Raumschiffe und Gebäude ragen wie monströse Fremdkörper, welche aufgrund ihrer perfekten Symmetrie surreal wirken, in die karge Wüstenlandschaft. Das Gespür für Ästhetik fehlt dem Film somit an keiner Stelle. 

Obwohl der Film viel erläutern muss und die Aufgabe hat, den Zuschauer in eine Welt einzuführen ohne diesen zu überfordern, lässt sich Villeneuve dabei viel Zeit. Langsam entfaltet der Film seine Handlung. Die Strategie, erst einmal nur die erste Hälfte des ersten Buchs zu verfilmen, entpuppt sich daher als ein besonders cleverer Schachzug. Somit hat der Film mehr Zeit, um seine Geschichte zielführend auszubreiten und die Charakterentwicklungen mit dem nötigen Unterbau zu versehen, wodurch die Motive der Figuren noch genauer herausgearbeitet werden. Villeneuve gibt jeder Szene Raum zum Atmen und baut jeden Moment bis ins Kleinste aus. Dabei legt Villeneuve vor allem den Fokus auf Nebensächlichkeiten, die wohl von anderen Regisseuren wenig Beachtung gefunden hätten. Der Start von Raumschiffen und Helikoptern wird so zu einem ungeahnten Spektakel, das aus der Liebe zu den kleinen Nuancen resultiert. 

In nahezu allen Belangen ist Dune ein fast perfekter Film. Diese Perfektion resultiert nicht nur aus der Geschichte, die der Film erzählt, sondern aus der Art, wie er sie erzählt. Unvergessliche Bilder verweben sich mit der einmaligen Musik von Hans Zimmer zu einer monumentalen Einheit. Vor allem die Musik steht für all das, was Dune repräsentiert. Sie ist abstrakt, unverkennbar und kreativ. Die Verwendung eher unbekannter Instrumente sorgt für einen einzigartigen Klangteppich, der die Stimmung des Films in all ihren Dimensionen einfängt. Auch der Cast angeführt von Timothee Chalame und Rebeca Ferguson kann sein Können unter Beweis stellen, wobei bei diesem Film weniger auf große Gesten, sondern vielmehr Subtilität gesetzt wird. So sind es die Blicke der Figuren, auf die sich überwiegend fokussiert wird und die mehr Aussagegehalt bieten, als viele Worte. 

Bei all diesen positiven Aspekten stört es auch nicht weiter, dass die Figuren außer einigen Ausnahmen etwas eindimensional sind und insbesondere den Harkonnen die Grautöne fehlen. Auch das ständige Aufsagen von Exposition ist ein Störfaktor, der jedoch mit voranschreitender Lauflänge und Charakterentwicklug Pauls in den Hintergrund gerät. Jene Charakterentwicklung ist es, die durch seine trügerische Prämisse den Anschein erweckt als würde Dune eine klassische Heldenreise erzählen, wobei spätestens anhand der Träume Pauls klar wird, dass sich die Geschichte in eine andere Richtung entwickelt, als man vielleicht denken mag. Dune präsentiert uns den Beginn der Dekonstruktion jener Heldenreise, die danach schreit, in der Fortsetzung vervollständigt zu werden.
Diese Dekonstruktion wird ähnlich metaphorisch aufgearbeitet, wie es Blade Runner 2049 mit seiner Charakterentwicklung getan hat.
Dune ist ein Film zum bestaunen, aber auch ein Film zum Nachdenken. Wenn Dune erfolgreich wird, könnte er eine neue Ära des Blockbusters definieren, in der nicht alle zwei Sekunden Witze gemacht werden, sondern sich auch mal der ein oder andere symbolschwangere Moment einschleicht. 

Dune hat mich letztlich daran erinnert, warum ich Filme so sehr liebe. Die Bilder, der Sound, die Inszenierung und das Schauspiel haben mir in all ihrer Perfektion ein Gefühl gegeben, das ich in der Form lange nicht mehr verspürt habe. Ohne eine Fortsetzung wäre Dune jedoch wohl nur ein herausragender Prolog, dessen politische Andeutungen nie mit dem notwendigen Gehalt gefüllt worden wären, die es für ein stimmiges Gesamtbild benötigt hätte. Daher ist es umso wichtiger, dass man ins Kino geht, denn bei keinem Film lohnt es sich so sehr, wie bei Diesem.

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