Happy Hour ★★★★½

Franz Müller beweist der Filmwelt, dass deutsches Kino mehr ist als austauschbare Schweiger und Schweighöfer Komödien oder eine Auseinandersetzung mit der deutschen Vergangenheit und so braucht sich „Happy Hour“ auch nicht hinter internationalen Produktionen verstecken.

Müller versteht es aus einem eigentlich einfachen Grundkonstrukt einen Film zu erschaffen, bei dem man von Beginn an den Figuren interessiert ist. Ich als Zuschauer will einfach wissen, wie H.C. seine Trennung verarbeitet. Will wissen, warum Wolfgang so ist wie er ist und ob Nic hinter seiner Fassade doch mehr ist, als es scheint.

Dabei trifft Müller während seines Films jederzeit den richtigen Ton. „Happy Hour“ ist in den richtigen Situationen komisch und wenn es nötig ist nachdenkliche Stimmung zu verbreiten, gelingt Müller der Stimmungswechsel. Die Komik ist dabei glücklicherweise nie billig. Auf plumpen Slapstickhumor verzichtet der Film komplett und oft sind es Kleinigkeiten die einen schmunzeln oder lachen lassen.

Wenn H.C., Wolfgang und Nic zum Beispiel gemeinsam im viel zu kleinen Bad sich gemeinsam die Zähne putzen oder eine Liebschaft von Wolfgang später im Film eine Kaffeetasse mit dem Konterfei von Wolfgangs Frau bekommt ist der Humor eine ganz andere Klasse als in vielen anderen aktuellen Komödien, wo der Humor mit dem Holzhammer präsentiert wird und fordert so von Zuschauer, dass er mitdenkt und diese witzigen Situationen selbstständig erkennt.

Und selbst wenn die drei Männer auf die skurrile Idee kommen nackt Holz zu hacken driftet „Happy Hour“ nie ins lächerliche ab, sondern präsentiert diese Szene einfühlsam und witzig zugleich.

Für die gelungene Inszenierung der nachdenklichen Szenen lässt sich zum Beispiel eine Szene anbringen, in der es darum geht Nic ein guter oder schlechter Vater ist. Hier merkt man wirklich, dass Müller es versteht zu inszenieren zum anderen zeigen die drei Hauptdarsteller in dieser Szene auch, dass sie wirklich gute Schauspieler sind und perfekt zusammen passen.

Doch auch im Rest des Films können Alexander Hörbe (Sushi in Suhl, Tod einer Polizistin), Simon Licht (Elser, Lulu und Jimi) und Mehdi Nebbou (Wir Monster, Sein letztes Rennen) ihre Talent präsentieren. Keiner der drei bleibt blass und alle drei zeigen, dass schauspielern eben doch mehr ist als vor laufender Kamera Kalauer vom Stapel zu lassen. Selten hat man im deutschen Kino eine Darstellerriege gesehen bei der man die Harmonie untereinander so eng spürt wie bei „Happy Hour“. Es ist wirklich beeindruckend wie die drei die Freundschaft ihrer Filmfiguren transportieren, ihre Sorgen und Ängste echt wirken und man die drei Rollen durch die gute Leistung von Hörbe, Licht und Nebbou einfach ins Herz schließt.

Auch die Damen des Films überzeugen. Die Rollen von Susan Swanton, Christine Deady und Tanya Flynn sind zwar etwas kleiner als die von den drei Männer, aber nicht minder schlecht gespielt.

Interessant an „Happy Hour“ ist auch das Thema Sprache. Oft sprechen ja gerade in deutschen Filme einfach alle Figuren deutsch und auch bei synchronisierten Fassungen werden oft alle Figuren komplett eingedeutscht, nicht so hier. Oft wird englisch gesprochen, aber nie in einem Umfang, dass man es als störend empfindet und der Film dadurch anstrengend wird. Ganz großes Lob an Franz Müller diesen Konsequenten Schritt gegangen zu sein, der die Filmwelt realer erscheinen lässt und mich als Zuschauer so noch intensiver in die Geschichte hineingezogen hat.

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