Groundhog Day ★★★★★

HAPPY GROUNDHOG DAY!

Der mürrische, pittsburgher Wettermann Phil Connors (Bill Murray) berichtet zum vierten mal von den Murmeltierfestspielen in dem kleinen Städtchen Punxsutawney in Pennsylvania. Mit dabei Aufnahmeleiterin Rita (Andie McDowell) und Kameramann Larry (Chris Elliott). Doch dieses mal ist alles anders. Phil erlebt den 2. Februar, den Murmeltiertag immer und immer wieder. Egal was auch passiert, immer wieder wird er um sechs Uhr morgens von Sunny und Cher's "I've got you babe" aus dem Radio, im Bett seiner Frühstückspension geweckt. Nachdem er den Tag in allen möglichen Facetten gestaltet, merkt er, dass nur die Liebe ihn retten kann, die er in Rita findet...

"Und täglich grüßt das Murmeltier" ist eine extrem innovative Mischung. Oberflächlich eine leichte Komödie mit Zeitschleifenthematik beinhaltet der Film auch Elemente des Dramas, des Fantasyfilms, des romantischen Films und bietet dabei eine sehr clevere Allegorie auf das Leben an sich. Was ist, wenn sich jeder Tag gleich anfühlt und man nichts daran ändern kann? Phil Connors Zeitschleifenproblem bietet so viele Parallelen zu einem immer gleichen und tristen Alltag, den viele von uns leben. Beeindruckend ist ebenfalls, in welchem Detail und emotionaler Bandbreite das Szenario durchgespielt wird.

Dabei kann man Phil's emotionale Phasen klar kennzeichnen. (SPOILER!) Am Anfang steht die Verwirrung, gefolgt von der Verunsicherung. Auch ein Besuch bei einem Arzt und einem Psychiater bringt Phil nicht weiter. Dann begreift er, dass seinen Taten keine Konsequenzen folgen und er testet die Grenzen aus, was ihm auch mal eine Nacht im Gefängnis einbringt. Er hat den Tag jetzt schon so oft erlebt, dass er die Abläufe und Menschen genau kennt und dadurch viele Situationen schamlos ausnutzt. Nach einer kleinen Affäre mit Nancy (Marita Geraghty), bei der er sich als alter Schulfreund ausgibt, hat er es auf seine Aufnahmeleiterin Rita abgesehen. Doch egal, wie sehr er sich anstrengt, sie bekommt er nicht an einem Tag rum und das Date endet meist im Fiasko bzw. mit einer Ohrfeige, während sich Phil immer mehr zu Rita hingezogen fühlt.

Irgendwann gibt Phil auf und fällt in die depressive Phase, aus der er sich mit ständigem Suizid befreien möchte. Sind die anfänglichen Selbsttötungen mit dem Toaster in der Badewanne noch schwarzhumorig, werden sie nachfolgend immer tragischer, wenn Phil zum Beispiel von einem hohen Gebäude in den Tod springt. Am Ende dieser Phase öffnet er sich Rita (ohne Hintergedanken) und bittet um Hilfe. Und Rita ermutigt und tröstet ihn. Motiviert durch ihre "Güte" und Herzlichkeit, rutscht er in eine wesentlich hilfsbereitere Phase, in der er den Bewohnern von Punxsutawney in jeder erdenklichen Notlage helfend zur Seite steht. Nebenbei lernt er Klavierspielen und das Anfertigen von Eisskulpturen. Zeitweise glaubt er, dass er ein Gott ist. Diesen Glauben gibt er auf, als er am eigenen Leib erfährt, dass er einem alten Mann und Wohnungslosen nicht das Leben retten kann. Die vielleichte emotional stärkste und traurigste Szene des ganzen Films. Eigentlich wollte Phil nur so sein, wie Rita ihn haben wollte, doch dann merkte er, wie gut ihm sein neues Ich gefällt und wie es den Leuten um ihn herum gefällt. Und Phils Lösung des Problems ist am Ende die Liebe, die jeglichen Raum und Zeit überwindet. Am Ende könnte man sagen, Phil entkommt der Zeitschleife erst, als er jemanden mehr liebt, als sich selbst.

"Und täglich grüßt das Murmeltier" bietet die meines Erachtens beste Rolle, die Bill Murray je gespielt hat. Diesen mürrischen, egozentrischen, arroganten und vor allem sarkastischen Ton hat Murray hier exzellent getroffen, was in einigen herrlichen Sprüchen mündet. Einiges hat Murray sogar improvisiert, wie zum Beispiel den Satz: "Schwachsinnige, euer Bus fährt gleich!" Das gepaart mit der wunderbaren deutschen Synchronstimme von Arne Elsholtz ist einfach ein Fest für meine Ohren.

Dabei ist der Film weit mehr als die übliche 90er-US-Comedy. Ich bin ja ebenfalls ein großer Fan von "Die schrillen Vier auf Achse", aber hier, vor allem mit dieser Romanverfilmung, die übrigens direkt mit den Wiederholungen beginnt, hat sich Harold Ramis wirklich selbst übertroffen. Dabei wird die Mischung aus Komik und Dramatik toll ausbalanciert. Der Film definiert zudem den Begriff "Running Gag". Einige Parallelen hat der Film sicherlich zu Charles Dickens "Weihnachtsgeschichte", in der ebenfalls ein mürrischer Egoist eine Läuterung erfährt und sich zum Guten verändert. Hier wurde das Zeitschleifenszenario, dessen Sinn oder Herkunft erfreulicherweise nie erklärt wird, aber erstaunlich vielschichtig gestaltet und mit verschiedenen emotionalen Facetten ausgestattet, so dass der Film genug eigene Wege geht. Ein kleiner Kritikpunkt sind vielleicht ein paar etwas kitschige Momente gegen Ende, obwohl der Film meiner Meinung nach nie in den Kitsch abdriftet und man Bill Murray's Wandlung schon nachvollziehen kann.

"Und täglich grüßt das Murmeltier" hat eine tolle Botschaft. Nämlich, dass die Liebe heilen kann und es möglich ist, aus dem tristen Alltag auszubrechen. Des weiteren ist Harold Ramis hier ein herzerwärmendes, teils spirituelles Zeitschleifen-Läuterungs-Romantik-Drama gelungen gespickt mit Bill Murrays grandiosem sarkastischen Humor. Auch zum zweihundertvierundziebzigsten mal ein Genuss.

In diesem Sinne:
Fröhlichen Murmeltiertag!

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