Island of Death ★★★

Nico "Fuck The Major Studios!" Mastorakis Kultfilm, nur echt mit allen Tabu-Brüchen, die selbst Pasolini nicht in seinem SALO haben wollte. Mastorakis, der sich selbst augenscheinlich sehr gut findet (nach der zweieinhalbstündigen Doku die er über sich drehte, welche im Bonus-Material des OFDb Filmworks-Mediabooks zu finden ist, kommt man zu diesem Schluss), wurde hier vom Erfolg von TCM inspiriert und drehte einen Film nicht der Kunst, sondern des Geldes wegen.

Herausgekommen ist ein Film mit viel nackten Frauen, grober Gewalt, einer Szene, in welcher der Protagonist den Böhmermann'schen Erdogan gibt und... teils wunderhübschen Postkartenbildern, einer tollen Location (Mykonos) und einem folkig-abgespacten (die Texte!) Soundtrack. Die Handlung: ein Pärchen schippert im Urlaub nach Mykonos. Die Dame scheint noch ganz normal, der Liebste will die Insel vom "Schmutz" befreien, damit die unschuldigen Einheimischen die Insel wieder für sich haben können. Natürlich alles im Auftrag Gottes. That's it.

Das ist der Aufbau für einige garstige Szenen, in der Mastorakis anders als TCM die Gewalt graphisch und nicht psychisch werden ließ. Ein "Meisterwerk" der griechischen und Spätsiebziger-Exploitation, da der gute Nico wirklich ordentlich auf die Kacke haut. Wenn man spitzfindig sein möchte und gut aufpasst, dem fällt auf, dass der Schmutz auf der Insel die zugezogenen Ausländer sind, die der (englische!) Reinemachemann Gottes über den Styx schickt. Da ist die goldene Morgenröte, die man in den leisen Zwischenszenen sieht, plötzlich doppeldeutig (politisch wache Köpfchen erkennen hier übrigens das Wortspiel und worauf ich hinaus möchte).

Sex, Folk, Sodomie und many Violence: Mastorakis hätte mehr solcher Filme machen sollen. Gerade in den 80ern sind seine Hits rar gesät, wobei ich insgeheim beim Gedanken an den tollen NIGHTMARE AT NOON immer leicht auf die Knie falle. ISLAND OF DEATH ist zwar auch nicht der übergrößte Hit, aber sein dezenter Exotenstatus und die grobe Gegenüberstellung von schönen Bildern mit der überkochenden Gewalt und sein roher Charakter können ISLAND OF DEATH und seine eben sehr flache Story mit seinen sehr bemühten oder überforderten Darstellern (größtes Highlight: der Schäfer vom Finale!) retten.

(Disclaimer: NEIN, ich habe NICHT zu viele alte Christian Keßler-Artikel aus der Splatting Image gelesen. Ganz selten MUSS ich einfach in einem überlockeren Stil über Film reden/schreiben.)

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