Dune

Dune ★★★★

Lange und geduldig harrend wartete ich auf diesen Film.
Geduld ist ein Tugend und wird in den meisten Fällen belohnt. Hier auch?
Nun, da ich flux den Sand aus den Schuhen geschüttelt und den haftenden Wüstenstaub an mir abgeklopft hab, kann ich in freudiger Kunde folgendes posaunen:
JA - aber mit kleinen Abstrichen.

Sicherlich scheint die Verfilmung der DUNE-Saga von Frank Herbert eine Herkulesaufgabe. Ich hab die Bücher zwar noch nicht gelesen, aber der Epicness-Faktor wirft schon beim durchlesen des Inhalts seine gewaltigen Schatten voraus.
Science-Fiction mit Aufmerksamkeitsanspruch und Science-Fiction mit intelligenten Zwischentönen.
Endlich Science Fiction ohne Laserschwertgefuchtel und Piou Piou-Salven.


Hier prallt so vieles aufeinander:
Politik, Religion, Ausbeutung, Unterdrückung und die damit einhergehende Profitgier samt sämtlicher Machtspiele nur um begehrte Rohstoffe zu ernten.
Dabei ist die Verfilmung von Denis Villeneuve viel mehr als die Summe seiner Teile und schafft durchaus den Spagat zwischen Anspruchsvolles Kino und Popcorn-Kino -aber auch Ernsthaftig und ohne dämliche Flachwitzchen.

Das liegt zum einen an den grandiosen Bildern und das bezieh ich nicht nur auf die Landschaft des Wüstenplaneten, sondern eher auf die düsteren Einstellungen. Einfach sagenhafte Bilder die selbst in dunklen Räumlichkeiten eine Tiefe offenbahren, die mich staunen lässt.
Die Wüste selber - alles cool eingefangen, dennoch haben cineastische Vertreter wie ICE COLD IN ALEX oder LAWRENCE VON ARABIEN hier bei mir die Nase vorn.

Ein Glück auch das Villeneuve hier weitestgehend auf bedeutungsschwangere Metaphern verzichtet die das Konstrukt durchsieben könnten. Viel erklären muss er trotzdem und das kann dem PART ONE der hoffentlich weiterführenden Saga nur zu Gute kommen.
Die Einführung in eine Welt, samt ihrer Figuren benötigt manchmal eben doch Zeit und mir kommt es jedenfalls so vor, als wird hier ausreichend Zeit dafür verwendet.

Trotzdem schmälert so manches meinen Ersteindruck:
Dieser ganze Messias-Komplex hängt mir mittlerweile zum Hals raus. Immer muss ein Auserwählter her, der alles anpackt und die Schwachen und Unterdrückten aus dem Exil und rein in den Kampf und die anschließende "Freiheit" führt. Ich weiß - das ist ein zentraler Aspekt der Geschichte und ich trotzdem sehr erpicht darauf wie sie sich entwickelt. Ungeheures Potential ist hier vorhanden und vielleicht auch wendungsreiche Überraschungen.
Zum Ende hin empfand ich die Ereignisse etwas zäh und Villeneuve überschlägt sich wirklich mit wütigen Excessen. Vielleicht hätte er den Cut besser etwas früher gesetzt!?

Praktische Effekte und CGI wirken gut ausbalanciert. Oftmals jedoch nimmt die Pixelkunst etwas zu viel Überhand.

Schauspielerisch gibt es kaum was zu meckern. Fast alle Rollen bombastisch gut gecastet. Rebecca Ferguson rockt das Ding und wirkt schon fast wie der emotionale Anker hier auf mich.
Auf die Herren Bautista und Momoa kann ich aber gerne verzichten. Meiner Ansicht nach sind sie im MCU, DCU und sämtlichen NETFLIX-Plastikproduktionen besser aufgehoben als hier.
Ich hoffe die Überpräsenz sämtlicher weitestgehend talentfreier Anabolika-Bombern zersetzt sich bald.

Und nun?
Ein Film der für das Kino gemacht ist. Handwerk, Bilder, Musik und Sound sprechen hier für sich. Ambitioniert und struktuell sorgsam scheint Denis Villeneuve sich hier herangetastet zu haben.
Im Großen und Ganzen ein tolles Kinoerlebnis mit bleibenden Eindrücken und die Gewissheit diese Reise noch mehrmals antreten zu wollen. Vieles muss und will hier nochmal inhaliert und aufgesogen werden.

Hoffentlich geht die Reise auch weiter!
Das Schachbrett ist jedenfalls parat, die Figuren platziert.

Ich will mehr davon, also gebt Gummi!
Mein SPICE-Vorrat hält nicht ewig...

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