The City Without Jews ★★★½

Dieses fast 100 Jahre alte Stück österreichischer Filmgeschichte besticht durch seine erschreckende Voraussicht und erstaunliche Aktualität. Der auf einem Roman von Hugo Bettauer basierende und von H.K. Breslauer inszenierte Stummfilm, spiegelt eine von Neid und Misstrauen zersetzte Gesellschaft wider. Komponist Walter Arlen schafft es, mit seiner für diese rekonstruierte Fassung komponierten Musik, stets die richtige Stimmung zu erzeugen. Ob wir nun in fast dokumentarisch wirkenden Bildern den Auszug der jüdischen Bevölkerung beobachten, die Trauer der zurück gebliebenen oder den gewitzten Leo bei der Ausführung seiner Pläne, es wird stets der richtige Ton getroffen.

Nach 90 Minuten voll mit unzähligen ethnischen Vorurteilen und Rassenhass fällt es mir schwer, dem Film das letztendliche Happy End abzunehmen. Der von Eugen Neufeld großartig gespielte Bundeskanzler sowie der Rest der, vom Film betitelten, arischen Bevölkerung handeln letzten Endes nur zum Selbstzweck. Wie bei der Vertreibung denkt jeder nur an eigene Interessen. So belässt man das wunderschöne Schlusszitat leider sich selbst. Die Verstoßenen kehren Heim, doch Utopia bleibt.

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