Ghostbusters

This review may contain spoilers. I can handle the truth.

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"Safety lights are for dudes!"

First things first: GHOSTBUSTERS ist keine Vollkatastrophe geworden. Ich habe einige Male lachen können. Generell waren es einige Dinge, die mir positiv aufgefallen sind: Hemsworth war super. Es gibt eine Szene, in der er mit den Ghostbusters auf Grund eines Erfolgs tanzt und als die Kamera wegschwenkt, sieht man ihn aus vollstem Herzen lachen. Das war aber kein Script-Lachen sondern kam aus Spaß heraus. Endlich muss er mal nicht THOR sein oder bierernst seinen Mjöllnir schwingen, sondern kann herzhaft talentbefreit aus der Hüfte spielen. Den Spaß transportiert er hervorragend und kann so einen Großteil der Gags für sich verbuchen. Selbiges gilt für Kate McKinnon. Ihr Holtzmann ist für GHOSTBUSTERS das, was Affleck für Batman war: ein heller Stern am sonst eher düsteren Firmament. Ihre Figur spielt sie mit einer derartigen "Fuck you, that's why"-Attitüde, dass fast jede Szene mit ihr nur durch Anwesenheit aufgewertet wird. Auch viele Cameos (sofern es nicht die Original-Ghostbusters-Cameos sind) sind größtenteils amüsanter als alles, was sonst so geboten wird. Gerade der aus Jimmy Fallons Late-Night-Show bekannte Steve Higgins hat mit das Highlight am ganzen Film selbst zuzuschreiben. Sein Universitäts-Direktor ist pures Comedy-Gold. Anders als in den Trailer zu erwarten, war sogar das Geister-Design in sich stimmig. Gerade im Showdown wirken die Geister richtig gut und passen hervorragend in das aktuelle Zeitgeschehen.

Leider war es das dann auch mit den positiven Aspekten. Bill Murrays griesgrämiges, lustloses Gesicht, das man einige Sekunden in die Kamera gepresst bekommt, spiegelt dann den ganzen Rest vom Film wieder. Dieser „Humor“ wird sich mir nie erschließen. Paul Feig inszeniert sein GHOSTBUSTERS Pre-Reboot-Sequel-Was-auch-immer als überlange SATURDAY NIGHT LIVE Sketchfolge, die auf den "Humor" von MOVIE 43 trifft. Dazu kommt viel improvisierte Comedy, die einfach fast nie zündet. Wenn der Film mal seinem Script folgt, wirkt das überraschend stimmig: Gerade die ersten Minuten im Film sind durchaus gut gelungen und vermitteln einen gesunden Grusel. Leider macht man dann auch das erste Mal Bekanntschaft mit dem Sketch-Charakter: Continuity ist für Paul Feig ein Fremdwort. Im einen Moment schwebt ein Charakter in Lebensgefahr und ein ganzes Gebäude droht ihn zu verschlingen. Im nächsten Moment steht die Figur unbehelligt vor dem Haus. Wieso? Warum? Das scheint Feig nicht zu interessieren. Mit einer fast schon Friedberg/Seltzerschen Art (das Duo hinter Comedy-Granaten wie MEET THE SPARTANS oder DISASTER MOVIE) wird auf Teufel komm raus ein Gag nach dem anderen rausgehauen - improvisiert versteht sich. Es wirkte auf mich in etwa so, als würde Mario Barth versuchen, Helge Schneider zu imitieren. Es funktioniert nicht.

Jetzt ist Comedy ja auch immer Geschmacksache. Woody Allen meinte mal, Komödie ist Tragik + Zeit. Daraus zog auch der Original GHOSTBUSTERS seine Gags. Alle Figuren hatten einen tragischen Hintergrund. Venkman war eine gescheiterte Existenz, die zusammen mit Murrays Improvisationstalent für die meist sehr zynischen Gags im Original sorgte. Dazu kamen die Reibungspunkte mit seinen anderen Kollegen, die eigene Persönlichkeiten und Konflikte hatten. Auch moderne US-Komödien bedienen sich noch immer diesem Element. Egal ob in CENTRAL INTELLIGENCE oder RIDE ALONG: die Hauptfiguren stehen meist in starkem Kontrast. Auch wenn der US-Humor heutzutage nicht mehr auf den ZAZ-Witz (de.wikipedia.org/wiki/ZAZ_(Filmemacher-Trio)) wie in den 80/90er Jahren setzt (weil der Humor einfach nicht mehr funktioniert) und stattdessen lieber auf Brachial-In-Your-Face-Gags, so sind es gerade die Differenzen der Figuren, die dennoch für Lacher sorgen. Ich mag den Humor von Kevin Hart nicht, dennoch sorgt er für einige Lacher in den genannten Filmen, weil ihm mit Ice Cube (RIDE ALONG) und Dwayne "The Rock" Johnson (CENTRAL INTELLIGENCE) zwei grundsätzlich unterschiedliche Charaktere Paroli bieten. in 21 / 22 JUMP STREET sind beide Darsteller zwar sehr ähnlich gestrickt, aber der Film zieht sein Anarcho-Konzept so offenherzig-blöd durch, dass beide Darsteller durch den Kontrast zu ihrer Umwelt witzig werden.

Paul Feig verzichtet in seinen Filmen fast immer auf Kontraste. Er hat meist McCarthy, die immer die gleiche Rolle spielt und Witze auf Grund ihrer Figur und ihrer Tollpatschigkeit macht. Das ist auch in GHOSTBUSTERS nicht anders. Zudem sind ihre Kollegen allesamt eher eindimensional. Es gibt keine witzigen Reibungspunkte, sondern zu jeder Zeit ist man sich einig: Geister gibt es. Die Technik funktioniert. Alle Welt ist doof, nur wir nicht. So verbringen die vier Geisterjägerinnen die meiste Zeit damit, Technobabble von sich zu geben und ihre Waffen zu verbessern. Hier reißen es, wie anfangs erwähnt, McKinnnon und Hemsworth heraus, weil sie zumindest visuell versuchen, noch den einen oder anderen Gag zu fabrizieren, was überraschend oft gelingt. Schade war, dass Kristen Wiig, eine sonst sehr lustige Dame, komplett im Stich gelassen wurde und meist nur Witze über Schleim in Körperöffnungen machen darf. McCarthy spielt ... McCarthy und Leslie Jones ist leider ein sympathie- und talentfreies Anhängsel, das die Geisterjägerinnen mit sich mitschleppen. Ich kann mich an keinen guten oder irgendwie relevanten Moment von ihr erinnern. Hier möchte ich wieder anmerken, dass ihre Art des Humors (vergleichbar ein wenig mit Cindy aus Marzahn) schon in SATURDAY NIGHT LIVE für mich nicht funktionierte.

Was ebenfalls nicht funktionierte war das Konzept des Films. Feig distanzierte sich vehement vom Vorwurf des Remakes und sah es eher als Reboot-Sequel, das losgelöst vom Original funktionieren sollte. Warum man den Film dann GHOSTBUSTERS und nicht z.B. GHOSTBUSTERS - THE NEXT CHAPTER oder ähnliches nennt, um sich vom Original zu lösen, ist mir daher unbegreiflich. Auch werden ständig Elemente der 80er-Jahre-Version aufgegriffen und zitiert - so taucht sowohl der bekannte Marshmallow-Man auf, sowie ein völlig verunglückter Slimer. Inhaltlich ist die Story ebenfalls nahezu 1:1 vom Original geliehen: Wissenschaftler werden von der Uni geschmissen, finden sich, werden verspottet, raffen sich gegen eindimensionalen Obermufti auf, der Geister auf die Stadt hetzt und am Ende kommt ein großer Geist und alle müssen gemeinsam dagegen ankämpfen. Was schon in GHOSTBUSTERS II Abnutzungserscheinungen hatte, wirkt jetzt erst recht ermüdend. Dazu widerspricht der Film seinem eigenen Universum. Wenn am Ende Geister durch die Berührung mit den Protonenstrahlen in Ektoplasmafontänen explodieren, fragt man sich, wofür McKinnon überhaupt noch einen Aufbewahrungsbehälter mit sich herumschleppt. Das wirft das Konzept der GhostBUSTERS dann komplett über Bord und die Truppe müsste sich eigentlich die GHOSTKILLERS nennen.

So bleibt am Ende ein inkohärenter Film, der eher an eine überlange Sketch-Folge, denn an eine Grusel-Komödie erinnert. Für manchen mag die inspirationslose Impro-Orgie funktionieren und für eine gewisse Dauer ist diese Berieselung auch sicher amüsant. Ich mag einfach gute, spritzige Dialoge, smarte Wortwitze und audiovisuelle Gags, wie sie z.B. ein Edgar Wright hervorragend inszenieren kann. 117 Minuten überwiegende improvisations-Gags von nicht-improvisationsfähigen Darstellern & Darstellerinnen funktioniert leider nur bedingt. McKinnon kann das. Wiig kann es bedingt. Hemsworth in seinem Rahmen. Der Rest leider nicht. Da wird es auch nicht witziger, wenn man einen unwitzigen Gag gefühlte zig Minuten weiter ausbauen will.

Damit verkommt GHOSTBUSTERS am Ende zu einem "ärgerlich"en, redundanten Grusel-Komödchen, das ohne den großen Namen einfach sang- und klanglos in der Filmgeschichte untergegangen wäre. Dafür können weder die Damen etwas, noch (ich glaube kaum, dass ich das sage) Paul Feig. Es ist einfach ein Projekt, das außer Sony niemand so wirklich wollte und brauchte. Wenn man schon Bill Murray mit anwaltlicher Gewalt in den Film pressen muss, sollte man generell hinterfragen, ob eine Neuinterpretation wirklich Not tut, oder ob man manche Franchises nicht einfach da lassen sollte, wo sie hingehören und funktionieren: In der Vergangenheit.

Eine Anekdote noch zum Schluss: Im Saal war ein ca. 13-jähriger Junger mit seiner Mutter. Er meinte am Ende: „Ich mag den alten Film lieber“. Es gibt also noch Hoffnung für das Comedy-Kino in Hollywood.

"You guys, this is exactly how I pictured my death!"

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