The Dark Knight Rises ★★★

"No one cared who I was, until I put on the mask."

All das Ausweichen an Spoilern, das Anheizen mit den Trailern, das sinnieren, wie der Trailer wohl als Film wirkt ... ändert alles nichts daran, dass der Abschluss der nolan'schen Trilogie ganz, ganz großer Mist ist, die zum einen tatsächlich Nolan verschuldet ist, zum anderen der deutschen Synchro. Wenn Bane nach wenigen Minuten das erste Mal seine Klappe öffnet, wollte ich meine Hände über dem Kopf zusammenschlagen und laut loslachen. Dieser große Fleischberg, diese unglaublich physische Präsenz, diese wandelnde Masse an Kraft. Bane klingt, als wäre er ein sturzbesoffener Typ mit Sprachstörung, der in einen Eimer ejakuliert. Das ändert sich nur an diversen Schlüsselszenen, wo der lallende Sprachfehler gegen eine dunkle, raue Stimme getauscht wird. Warum nicht dauerhaft so? So wird dieser unfassbare Bösewicht schon in den ersten Minuten zu einer Nullnummer degradiert, die man einfach nicht ernst nehmen kann. Auch Waynes Stimmverzerrer ist wohl während der vergangenen Jahre mehrmals von einer Dampfwalze plattgefahren worden. Hier muss definitiv noch einmal die OV in den Player.

Dennoch ist auch ohne Sprachverschundelung Bane ein unfassbar langweiliger und generischer Bösewicht - vor allem ohne zusätzliche Bedrohung mit an seiner Seite. Das Image der Sado-Maso Trash-Figur, die Schumacher damals aus Bane in BATMAN & ROBIN gemacht hat, konnte Nolan auch hier nicht aufpolieren. Wir erinnern uns an das Schema des Jokers: 'Nobody panics when things go "according to plan." Even if the plan is horrifying! [...] But when I say that one little old mayor will die, well then everyone loses their minds!' Genau das war es, was den Joker (und später Bösewicht Nr. 2 - Two-Face -) so faszinierend machte. Er folgte keinem geordneten Plan. Er war das wandelnde Chaos. Er wollte Batman nicht töten. Er wollte Gotham nicht "töten". Er wollte einfach nur der Chaos-Agent sein, der wahllos Sachen in die Luft jagt und seine Spielchen spielt. Nun führt Nolan einen Gegner ein, der genau das Gegenteil vom Joker ist. Er ist ein Planer. Er will Batman töten, er will Gothams Untergang. Das ist alles ... vorhersehbar. Es ist schlichtweg einfach langweilig. Er stampft durch Gotham, rülpst seine Texte in die Kamera und geht wieder. Auch die Kämpfe der beiden Hauptfiguren sind immens fad und wichtige Schlüsselszenen werden extrem schnell verheizt. Da hilft auch am Ende der unfassbar dröge Twist nicht weiter, weil da sowieso schon der Zug abgefahren war. Denn bis es zu dieser Wendung kommt, versucht Nolan über einen Zeitraum von fast 3 Stunden dem Publikum mit aufgeblasenem, mittlerweile ausgelutschtem Zimmer-Score, so etwas wie eine Story zu verkaufen, die - wenn man ehrlich ist - keine ist. Das beste Beispiel dafür ist der Beginn.

Dieser Flugzeug-Stunt ist zwar nett, aber was diese Intrige mit dem Wissenschaftler soll ist so uninteressant, wie alles, was später storytechnisch passiert. Alles wird groß und bombastisch inszeniert und aufgeplustert, nur um am Ende dann als 0-Nummer zu verpuffen. Ähnliches gilt später für den Sturm der Börse: Was mit großem Tam-Tam beginnt, endet ohne nennenswerte Konsequenzen, da die Folgen der Aktion kaum Auswirkungen auf den Film selbst haben. Die unendlich lange erste Stunde ist zwar charakterintensiv, aber hätte man auch gut und gerne auf dei Hälfte kürzen können. Wer denkt, dass in BATMAN BEGINS bereits wenig Batman zu sehen war, wird eines besseren belehrt: in 3 Stunden Film zeigt sich die Titelfigur hochgerechnet vielleicht 30 Minuten. Die Figur der Selina "Catmwoman" Kyle wird stets angerissen, aber selten vertieft. Dennoch liefert Anne Hathaway allen Unkenrufen zum Trotz die wohl beste Performance im Film neben Sir Michael Caine, dessen Auftritte unter die Haut gehen. Auch Joseph-Gordon Levitts gibt sich sichtlich Mühe, seiner unendlich eindimensionalen Figur irgendwie Leben einzuhauchen. Seine Entwicklung später riecht man dennoch bereits nach wenigen Minuten.

So klappert Nolan fein säuberlich jegliche Erwartungen nach und nach ab, wirft neue Charaktere in den Ring, fädelt die losen Enden zusammen und bleibt dadurch so unfassbar vorhersehbar, wie sein Bösewicht Bane: Hinter dem großen, aufgeblasenen Etwas steht, nimmt man all die Explosionen und das Tam-Tam weg, eben nichts als heiße Luft. Auch wenn Nolan bereits in den Vorgängern hier und da unlogische Drehbuchschwächen hatte, konnte das Chaos von Joker sehr gut darüber hinwegtäuschen, dass hier und da etwas nicht ganz nachvollziehbar ist. Jetzt aber, wo alles geordneten Blockbuster-Bahnen geht, fallen diese Schwächen enorm auf. Wieso in Dreiteufelsnamen kommt bei einem Rudel bewaffneter Polizisten, das auf die Verbrecherbande zustürmt, keiner auf die Idee, die Waffe mal zu benutzen und auf Bane zu richten? Oder wieso nutzt da generell niemand seine Waffen?

Dennoch hat auch THE DARK KNIGHT RISES seine Momente. Wenn Wayne später, unter orchestralem Gesang Felswände empor kletter, kann man die Gänsehaut kaum unterdrücken. Wenn Sir Michael Caine mit tränengeschwängerter Stimme eine Rede hält, bleibt kein Auge trocken. Es sind diese ruhigen Momente, die einen gigantischen emotionalen Impact haben und eine willkommene Abwechslung zur ewigen Dauerbeschallung und dem Effektgewitter sind. Dennoch bleibt von knapp drei Stunden Laufzeit erschreckend wenig im Gedächtnis haften. Während in den Vorgängern eine großartige Szene die nächste jagt, muss man hier mit der Lupe suchen. Szenen, in denen der Joker mitten in der Häuserschlucht Gothams steht, untermalt von nichts ausser dem Motorgeräusch des Batbods und einem grummelnden "Hit me!" sucht man vergeblich. Großartiger CGI-Bombast, der eventuell das Potential hätte den Zuschauer aufzurütteln, wurde bereits in jedem Trailer ausführlich gespoilert (Stichwort: Football).

So bleibt am eine ein Abschluss der Trilogie, die gerade noch so "ganz gut" geworden ist, aber einfach nichts bietet, was die Vorgänger nicht in jegliche Hinsicht um ein Vielfaches besser gemacht haben. BATMAN BEGINS hatte vielleicht keinen sonderlich einprägsamen Bösewicht, aber unglaublich intensive Charakterzeichnung, während THE DARK KNIGHT mit einem außergewöhnlichen Gegenspieler auftrumpfen konnte. THE DARK KNIGHT RISES hat nichts von alledem, versucht aber, das mit allen Mitteln zu vertuschen. Leider geht das aber vollkommen nach hinten los. Schade. Dennoch bleibt am Ende eine gute Trilogie, die trotzdem zu Recht nicht weiter geführt wird. Ich hoffe, Nolan hält sich auch an sein Versprechen.

BATMAN BEGINS: 4.0
THE DARK KNIGHT: 4.5
THE DARK KNIGHT RISES: 3.0

"Deh-Shay, Deh-Shay, Bah Sah Rah. Bah Sah Rah. - What does that mean? - 'Rise.'"