The Neon Demon ★★★★

Wieder dreht Refn einen Film, in dem verdammt viel steckt und der mir ästhetisch ebenso viel gibt. In zehrend langsamen Szenenfolgen reflektiert THE NEON DEMON die Leere in einer Welt, welche sich ausschließlich über perfekte Fassaden definiert und den (titelgebenden) Dämon, der zu dieser Leere führte, weil der Wahn - geboren aus der Gier nach Perfektion - die Menschlichkeit in den entsprechenden Subjekten aufgefressen hat. Das Verzehren nach etwas unerreichbarem kann nur in den Abgrund führen, die Hybris, welche mit Ruhm und Anerkennung kommt ebenso - wie Jesse, begleitet von Martinez' hypnotischen Klängen (dem Rausch), umringt von Schwärze (der Welt die verblasst, weil es von nun an NUR noch JESSE gibt), dem Dämon verfällt, ist vielleicht DER Moment des Films, denn klarer kann das Visuelle nicht erzählen.

So ungewöhnlich wie spannend, ist Refn's kreative Entscheidung die Schwelle zur klaren Groteske, mit der er zuvor immer nur dezent auf Tuchfühlung ging, nun bewusst und genußvoll zu überschreiten - Überzeichnung als Form der Kritik, sagt mir bereits seit BRAZIL sehr zu, somit ist es keinesfalls verwerflich, dass das Finale des NEON DEMON die vormals implizite Anklage an die Oberfläche holt und uns hochgradig explizit vor den Latz knallt: Als der rote Lebenssaft, ausgesaugt von kannibalistischen Vampiren, die ihren traurigen Komplexen eine kurzzeitige Betäubung, dem Leid also trügerische Linderung verschaffen wollten, in einer der irrsinnigen letzten Szenen in der Dusche tropfte, dachte ich eigentlich, die perfekte Schlussnote sei gefunden. Falsch. Besonders die folgende, letzte Szene eröffnet die Intention des Werkes noch mal in voller Klarheit.

Wunderbar, muss aber unbedingt noch ganz oft geschaut werden, dann gibt es auch einen längeren Text.

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