‎The Wedding‎ ½

„Die Hochzeit“ ist ein Film, der mich überrascht und entsetzt zurücklässt.

Ich bin entsetzt, ob der Tatsache, dass erwachsene Menschen so etwas guten Gewissens in die Welt setzen können. Überrascht, weil es anscheinend keine SchauspielerInnen gab, die an diesem Film mitwirken wollten, deren Schauspieltalent über das eines 8. Klässlers im Theaterkurs hinausgeht. Entsetzt, weil der Film derart zerschnitten ist, dass keine einzige Einstellung richtig wahrgenommen werden kann und überrascht, dass bei der Aggressivität und Quantität der Produktplatzierungen in der oberen Ecke kein „Dauerwerbung“ Schriftzug zu sehen ist.

Man kann von der Story und dem „Humor“ halten, was man will. Ich hätte es auch lustig gefunden, dass dort erwachsene Männer den Sarg von einem ihrer Freunde öffnen, um dem Toten (!) die Hose zu öffnen, um endlich Klarheit über die enorm wichtige Größe dessen besten Stücks zu erhalten… wenn ich 10 Jahre alt gewesen wäre… und betrunken.

Aber neben all diesen Geschmacksfragen bzw. geschmackslosen Fragen ist der Film rein handwerklich einfach kaum zu unterbieten. Die Anzahl der Achsensprünge, die Til Schweiger hier fabriziert hat, übersteigt die Anzahl der Wörter dieser Kritik. Die Anzahl der Schnitte während eines Dialogs ebenso.

Diese sind oft mehrmals mit verschiedenen Kameraeinstellungen gedreht. Einer Nahen und einer Halb-Nahen. Es wird teilweise mitten im Wort eines Monologs von halbnah auf nah geschnitten und andersrum. Doch da man im Ton nicht schneidet und hier offensichtlich kein ADR zum Einsatz kam, wird über den Originalton einfach eine zweite (andere) Videoaufnahme gelegt. Der Film ist ein deutscher. Ohne Synchronisation. Und er ist trotzdem asynchron!

Die Idiotie des Humors, die Plotholes, die Logikfehler, die unglaubwürdige Story, die Dialoge des Fremdschams und die Oberflächlichkeit der Figuren außer Acht gelassen: Schweiger hat keinerlei Gefühl für Pacing, Inszenierung von Gefühlen oder auch nur grundlegender Kameraführung.

Als hier letztes Beispiel einer unfassbar langen Liste an handwerklichen Fehlern sei der Einsatz von Musik benannt. Diese ist nämlich gar nicht Teil des Films. Vielmehr wirkt es, als hätte man einfach die „T.S. Playlist der Tiefsinnigkeit“ in den Hintergrund (wobei eigentlich Vordergrund) des Streifens geklatscht. So sorgt es einfach nur für Kopfschütteln, wenn über mehrere Szenen, Orte und Emotionen „Santa Maria“ in all seiner Pracht und vollen Länge plärrt.

Mit seinem neuesten Werk schafft es Til Schweiger erneut, Lust auf Weniger zu machen. Doch das Ganze hätte diese Zeilen gar nicht verdient, wenn nicht eine Sache so schmerzen würde. Ich bin entsetzt, dass die deutsche Filmförderung mal wieder solch ein Werk unterstützt, was nicht nur dem Narzissmus eines Regisseurs dienlich zu sein scheint, sondern mal wieder am Rassismus, Sexismus und der Homophobie kratzt – kratzt ist hierbei ausgesprochen gutmütig formuliert.

Und so bin ich nach zwei Stunden kleinster „Filmkunst“ und größtem Fremdscham fast nur noch entsetzt, dass ich mal wieder überrascht bin, entsetzt zu sein.

Kai liked this review