Nope

Nope ★★★½

Zum Film:

Ich hatte im Vorfeld nur einmal im April den 30 Sek Teaser zu Nope youtu.be/gG2CUcsX-60 gesehen, da ich über diese Liste letterboxd.com/000_leo/list/oscars-2023-early-predictions/ auf ihn gestoßen war.

Inzwischen denke ich, dass das alleinige Ansehen dieses kurzen Teasers im Vorfeld, auch genau die richtige Dosis an wenigem Vorwissen war, um an diesen Film heranzugehen.

[Achtung ab hier werde ich allerdings auch genauso viel SPOILERN, was in den beiden längeren Trailer gezeigt wird]
Denn mehrere Plakate und die zwei Trailer die darauf folgten, zeigten schon sehr deutlich, dass es sich hierbei um einen Film handelt, der ein fiktives Monster bzw. Alien enthält, welches dem Menschen nicht gerade wohl gesonnen ist.

Positives
Das Besondere in dieser Geschichte ist, dass das eigentliche Hauptziel der Protagonisten ist, dieses Wesen zu filmen oder zu fotografieren, um damit berühmt zu werden und z.B. bei Oprah aufzutreten.
Diese Idee gefällt mir persönlich eigentlich echt gut und ich bin froh, dass ich ihn nicht im Vorhinein schon wusste. In diesem Scifi/Fantasy/Monsterfilm geht es also primär nicht darum, das böse angreifende Monster stumpf zu töten, sondern es irgendwie aufzunehmen und damit reich und berühmt zu werden.
Interessante und aktuelle Thematik, gerade im Hinblick darauf, dass die lang ersehnte Veröffentlichung der UFO Akten des Pentagons noch nicht allzu lange her sind. So hat Kampfpilotin Alex Dietrich, welche das mysteriöse "Tic Tac" filmte, inzwischen eine Art Promistatus erreicht und ist in jeder Dokumentation zu dem Thema zu sehen.
Bei Nope erweist sich das Ablichten dieses Aliens oder Monsters allerdings als sehr schwer. Auf den Grund werde ich nicht weiter eingehen. jedoch welche Kniffe angewandt werden, es doch auf Kamera einzufangen, fand ich überraschend neuartig und witzig inszeniert.

Ganz besonders auffällig ist auch der Sound, die Musik und SFX, die für mich einen riesigen Pluspunkt in diesem Film darstellen und sicher 40% des Films tragen. Obwohl ich nicht der größte Fan des Pferderanch Settings bin, wurden einige echt coole Bild/Atmosoundkompositionen geschaffen, die hauptsächlich durch den Ton getragen werden. Vielleicht ein guter Grund Nope im Kino mit einer guten Anlage zu sehen.

Was ich vielleicht an dieser Stelle noch einmal erwähnen sollte, ist dass der Film schon von Anfang an einen Filmmakertouch hat bzw. das Filmemachen als Thematik immer wieder auftaucht. Die Ranch, auf der sich der Großteil des Films abspielt, ist eine Firma, welche in langer Tradition Filmpferde trainiert und an Filmproduktionen verleiht. Daher spielen auch einige Szenen am Anfang an einem Filmset. Hier kommen Cineasten und Filmemacher auf ihre Kosten, denn es wird einiges an Nerdwissen und Fanservice geboten. Die Affinität zum Filmemachen kommt im letzten Drittel des wieder zum tragen und ist fester Bestandteil der Haupthandlung, was ich als Filmliebhaber und -schaffender natürlich immer begrüße.

Jordan Peele kann noch was er in Fargo oder Get Out zeigte, es ist kein Black/White/Racism Drama wie BlacKkKlansman aber auch in Nope schwingt hier und da ein wenig das Thema mit, jedoch absolut subtil und gut verpackt.

Negatives
- Der Film braucht viel zu lange um in Fahrt zu kommen.
- Auch ist er in mehrere Kapitel unterteilt, die durch Vollbildtitel in Pulp Fiction Manier getrennt werden. Ich bin mir nicht mehr sicher, ob diese gegen Ende einfach verschwinden oder ich sie hinten raus schlichtweg ignoriert und verdrängt habe. Manche Kapitel sind auch wirklich kurz, andere wieder länger, irgendwie wirkt das nicht sehr stimming und deplatziert.
- Es existiert ein langer Nebenplot eines Nebencharakters (Stichwort Affe), der später lose wieder in die Haupthandlung eingeflochten wird, aber viele Fragezeichen übrig lässt. Einiges davon wird in Flashbacks erzählt, die für sich auch ganz cool sind, auch einen sehr mysteriösen und fast Horror anmutenden Touch haben, allerdings habe ich nach dem ersten Sehen den genaueren Sinn noch nicht verstanden.
- Im Großen und Ganzen versucht der Film ein bisschen auf edgy und anders zu machen, bei vielen Kritikern kommt das anscheinend auch ganz gut an. Die Handlung an sich ist wirklich nicht schwer zu verstehen, jedoch hätte ich mir ab und an dann doch mehr Exposition bei diesem Subplot gewünscht, statt den Zuschauer Lost-mäßig im mysteriösen Ratespiel allein zu lassen.
- Das Ende ist nicht ganz unepisch gelöst, ungewöhnlich und kreativ gemacht. Obwohl das Thema der Klatschpresse vorkommt, gibt es keine Szene am Ende, die einen TV-Sprecher zeigt, der alles noch einmal für die Dummen zusammenfasst. Dies würde glaube ich auch nicht ganz in den Style des Films passen, aber mir fehlt definitiv ein bisschen mehr Erklärung zum Schluss, es bleiben viel zu viele Fragen offen. Aber gut, das ist wohl dem Mysterygenre geschuldet und ich muss mich einfach mit den gegebenen Informationen abfinden und dass Rätselraten und Hineininterpretiererei eben nun mal in diesem Film notwendig ist.

Fazit
Alles in allem einen Watch wert, evtl. etwas für Fans von The Arrival oder Annihilation, auch wenn die wirklich in einer anderen Liga spielen, also allerhöchstens thematisch ähnlich.
Von den Kritikern wird Nope anscheinend schon gut gefeiert, beim Hype gehe ich allerdings nicht mit, den einen oder anderen Preis wird er jedoch sicherlich abstauben und diese gönne ich ihm auch (vor allem wenn es um den Score und die SFX geht).

Zur Sneak:

Dadurch, dass der offizielle deutsche Kinostart dieses mal auch wirklich noch 14 Tage in der Zukunft liegt, er in Amerika noch in der ersten Woche läuft und online bisher keinerlei dreckige raubkopierte Rips zu finden sind, kann ich mich noch mehr an der Exklusivität erfreuen, die mir hier in der Sneak Preview geboten wurde.

Nope ist einer der besten und box-office-größten Filme, die ich bisher in einer Sneak Preview sehen durfte. Dies ist allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass ich leider bisher das Glück hatte, größtenteils eher "mittelgutes" in Sneaks zu sehen.
Doch einige meiner letzten Besuche konnten mit etwas größeren Kalibern wie Nope, Massive Talent, X und Halloween Kills überraschen. Wen es wirklich interessiert, hier einmal meine stets up-to-date Liste mit Filmen, die ich in einer Sneak Preview sah:
letterboxd.com/komplexfilms/list/gesehen-in-einer-sneak-preview/