Chernobyl ★★★★

Die auf der von 1986 sowjetischen Reaktorexplosion basierende Mini-Serie Chernobyl zeigt eine interessante, menschengemachte Katastrophe und dessen sozialpolitische wie private Auswirkungen.
Dabei verfällt der auf fünf Folgen aufgeteilte Albtraum nicht in eigendarstellerrische Melodramatik und gebührt den armen Menschen, die von der Explosion des Kraftwerks betroffen waren, verdienten Respekt und erzählt und inszeniert die schockierenden Bilder mit Bedacht und sehr viel Feingefühl zum Thema.
Besonders die physischen Mutationen als Resultat der radioaktiven Strahlung wirken ekelerregend echt und sorgen neben der dialoglastigen Problematik der zuständigen Behörden für die emotionale Spannung, die in der überwiegend ruhigen aber szenenabhängig etwas verwackelten Kamera herrscht, wobei viele notwendige Maßnahmen und die Gräuel während und nach dem Unglück detailliert und ergreifend abgehandelt werden.
Auch wenn es folgenübergreifend zu viele, inzwischen weniger wichtige Charaktere gibt, einige Charaktere irrational handeln, wodurch der Konflikt verschlimmert wird und das Mitgefühl für jene Charaktere schwerer fällt als erwünscht, und einzige Dialoge etwas langgezogen sind wird die Charakterbreite von grandiosen Schauspielleistungen porträtiert.
Wie engstirnig die Verantwortlichen damals über das Schicksal abertausender Menschen entschieden haben ist wirklich widerlich, Chernobyl setzt in dem Punkt auch ein vollkommen zutreffendes Statement gegen die arroganten Fachleute und in Sicherheit auf ihren bügelglatten, teuren Anzügen sitzenden Staatsmänner, die sich dabei auf die Schulte klopfen, weil sie die Initiative ergriffen haben die Angelegenheit zur Verstärkung ihrer selbstgefälligen Machtposition zu missbrauchen.
Chernobyl bietet einen genauen Einblick in einen der furchtbarsten Unfälle der Geschichte, der fesselnd erzählt und bebildert den Horror auf die Leinwand trägt, der Potenzial hatte den ganzen Kontinent und mehr zu zersetzen.

MadAlakzam liked these reviews

All