Dune

Dune ★★★★½

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Man kann Denis Villeneuve bereits danken, wenn direkt zu Beginn folgendes auf dem Bildschirm zu lesen ist: Dune - Part One. Teil Eins. Der erste Teil einer ungebundenen Weite. Grenzen sind in Frank Herberts Welt ein Fremdwort. Der Mut und die Überzeugung dessen, ohne große Spekulationen auf eine, wenn nicht gleich mehrere Fortsetzungen abzuzielen, eliminiert die schwerste Sorge — noch bevor man den titelgebenden Wüstenplaneten überhaupt betritt. Die Geschichte des fantastischen Romans funktioniert ohne die Aussicht auf eine Weiterführung der Ereignisse nicht. Es ist schlichtweg nicht möglich. Das hat dem katastrophalen Film aus dem Jahre 1984 schon das Genick gebrochen und hätte sich diese Fehlkalkulation wiederholt, wäre jeder Kinosaal, welcher Dune präsentiert, vor Trauer in sich zusammen gefallen.

Daher ist es ekstatisch angenehm zu begutachten, wie sehr Villeneuve sein Quellenmaterial nicht nur ernst genommen, sondern zusätzlich verstanden hat. Das endlose Sandmeer von Arrakis ist kein Setting, es ist ein in sich geschlossener, funktionstüchtiger und lebendiger Organismus. Was Villeneuve hier an Eindrücken auf der Leinwand widerspiegelt, geht weit über filmisches World-Building hinaus. Die Location reift zum souveränen Charakter. Und davon lebt Dune. Eine Bühne, um sich in ihr zu verlieren. Jede Einstellung strotzt vor Bildgewalt, schafft es jedoch gleichzeitig, dass das Publikum sich nicht auf oberflächliche Weise in sie vernarrt. Man taucht ein. Man atmet das Spice. Man fürchtet die Sandwürmer. Man spürt den Durst.

Villeneuve inszeniert sein Dune als selbstverständlich, behandelt die Welt aber nicht so. Keine ausufernde Exposition und keinerlei Kausalitätsergüsse oder forcierte Förmlichkeiten. Seine Regie ist treffsicher. Genau durch diese Kompetenz, sich als Regisseur nicht automatisch über das eigene Material zu stellen, wird Dune zu dem besten Politthriller, der uns zu lange verwehrt geblieben war. Die gebündelte Paranoia, Spannung und die chronische Ungewissheit des Figurengebildes, ist brillant auf den Screen transferiert worden. So adaptiert man die Stärken einer Vorlage und interpretiert sie zu den eigenen Vorteilen neu. Dune ist kein Actionkracher, kein generischer Science-Fiction-Blockbuster mit einer geleckten Prämisse, die auf Autopilot schaltet. Die Verflechtung der Individualitäten und die dadurch trotz einer brachialen Laufzeit von zweieinhalb Stunden aufkommende Dynamik im Verhältnis zur Reichhaltigkeit der abgehandelten Passagen aus dem Buch? Beeindruckend. Nicht mehr und nicht weniger. Etwas mit dem bleischweren Gewicht von Dune mit all seinen Eigenschaften in unserer heutigen Moderne mit all ihren technischen Mitteln mit solch einer Macht auf die Leinwand zu bannen, als sei dieses nun schon über 50 Jahre alte Werk auch unserem Hier und Jetzt zeitlich meilenweit voraus, grenzt an Genialität.

Dabei begeistert Dune insgesamt noch mit meisterhaften Darbietungen aller Beteiligten, epischer, nicht zu präsenter Musik, bahnbrechender, narrativer Detailverliebtheit und charismatischen Charakteren. Also nochmal zum Mitschreiben: Bravouröse Schauspielleistungen, audiovisuell atemberaubend, erzählerisch visionär UND buchgetreu? Ich bin sprachlos. Das darf man im Kino nicht verpassen!

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