Dune

Dune ★★★★

Manche sagen, Dune sei ein Arthouse-Film im Gewand eines Blockbusters. Das ist kompletter Bullshit. Wir sprechen hier von einem Blockbuster durch und durch. Und das ist auch gut so.

Dune ist enorm getrieben von seiner Handlung und findet seine größte Gemeinsamkeit mit dem oft zum Vergleich herangezogenen Game of Thrones im Übertragen von realen, weltlichen Konflikten auf eine (natürlich bereits in der Vorlage angelegte) Science-Fiction-Erzählung, die sich im Gegensatz zu anderen Blockbustern enorm ernst nimmt und allein dadurch schon hervorscheint. Die Gigantomanie, in der sich Dune suhlt, für die er gefeiert und kritisiert wird, ist in meinen Augen unerlässlich für die eigene Identität, die es mittlerweile in diesem Genre (Ja, Blockbuster sollten eventuell in erster Linie als eigenes Genre betrachtet werden) kaum noch gibt.

Sind die weiten Bilder Ablenkung für doch dürftige Aussagen? Vielleicht.
Ist aber das selbstbewusste Zelebrieren der Oberfläche mit ihren atemberaubenden Aufnahmen nicht vielleicht schon eine eigene Qualität, die - gepaart mit angenehmem Tempo, aufpeitschenden Trommeleskalationen, verspielten Gadgets, neuartigen Raumfahrzeugen und dem Ensemble, in dem nicht einmal Momoa oder Bautista nerven (Vielleicht die größte Leistung von Villeneuve) - dazu führt, dass etwaige Schwächen leicht zu verschmerzen sind? Ich denke schon. Sicherlich ist Dune mehr Handwerk als Kunst, wenn man diese Trennung überhaupt durchführen möchte und selbstredend werden wir uns mehr an Szenen als an Themen erinnern und trotzdem führt eine daraus resultierende kategorische Antihaltung meiner Ansicht nach in eine Sackgasse.

Hier und da wird Dune gerne als intelligenter Blockbuster beschrieben. Ich glaube, da würde ich nicht zustimmen. Dune ist sicherlich nicht dumm, sogar weitaus anspruchsvoller als seine Artgenossen, aber auch nicht so tiefgründig wie ihn manche machen. So ziemlich alles, was an Dune kompliziert ist, ist die "neue" Welt mit ihren Eigennamen, eigenen Figuren, eigenen Gegebenheiten und eigenen Regeln. Die Geschichte, der man ihr Alter in der Konzeption durchaus ansehen kann, ist nicht schwer zu verstehen und bis hierhin auch nicht sonderlich komplex. Dass der Auserwählte sich gegen seine auferlegte Bestimmung sträubt, dass religiöse Konstrukte auch mit Manipulation einhergehen, oder dass Politik und Intrigen nah beieinander liegen, lässt uns 2021 nicht mehr erstaunt aufhorchen.

Dune möchte sich wie viele moderne Geschichten vom klassischen Kampf zwischen Gut und Böse entfernen. Folgerichtig wird das scheinbar Gute hier nicht glorifiziert, sondern ist ebenso am ökonomisch motivierten Kolonialismus interessiert wie das Böse. Trotzdem bleibt das Böse auch in Dune schon fast ein komödiantisches Abziehbild, das nicht allzuweit von der Subtilität eines Darth Vaders entfernt ist. Somit steht das Werk inhaltlich mit einem Bein in der Vergangenheit und mit dem anderen in der Gegenwart. Ein komisches Konstrukt, das in sich aber konsequent funktioniert.

Die größte Schwäche liegt vielleicht gar nicht im Film selbst, sondern in seiner Rezeption. Dune wird aktuell häufig als Vehikel benutzt, um das scheinbar eigene Kunstverständnis oder die eigene Intelligenz zu präsentieren und sich gleichzeitig vom heraufbeschworenen Feindbild des Mainstream-Pöbels zu distanzieren, worunter der Diskurs um den Film bisher auch viel Potenzial mit sich trägt, zu einem nervigem Pickel auf dem Antlitz eines ansonsten tollen Films zu werden. Dune wird als Gesamterlebnis dadurch vielleicht zu einem wunderbaren Strandbesuch, nach dem du Wochen später aber immer noch nervige Sandkörner mit dir herumträgst. Nur die Zeit kann zeigen, ob das enorme Abgekulte zu einem knirschigen Übel oder einem freudigen Körnchenerlebnis wird. "Ich habe diesen Film verstanden! Ich fühlte mich nicht gelangweilt! Ich habe Anspruch!" - Ja, oder du schaust halt sonst einfach die "falschen" Filme. Damit ist Dune zwischenzeitliches Aushängeschild für hoch budgetierte Hollywood-Kost und gleichzeitig deutliches Signal dafür, seinen filmischen Blick nicht ausschließlich auf Los Angeles verharren zu lassen.

marioschum liked these reviews

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