Dangal ★★★★½

Mich macht es beim Sehen von tollen Filmen, die nicht aus den USA oder Mitteleuropa stammen immer wieder traurig, dass sie hier keinen Platz und keine Berechtigung finden. So ein Film ist auch DANGAL. Zwar kann man ihn momentan bei Netflix sehen, allerdings scheint er eher zu dem Randprogramm zu gehören, das dazu da ist den Eindruck einer möglichst breiten Auswahl zu vermitteln. Ihn mehr zu bewerben wird wohl als sinnlos empfunden und dass so ein Film mal in Deutschland/Österreich in die Kinos kommt erscheint wie eine utopische Phantasie. Dabei hat er großes Potential. Er hat tolle Schauspieler*innen, die eigentlich alle eine sehr souveräne Leistung abliefern. Allen voran Aamir Khan, welcher den Film auch produzierte, der die Figur des Vaters/Trainers sehr überzeugend verkörpert. Durch diese Rolle wird auch die Bandbreite seines schauspielerischen Könnens deutlich, da sie sich maßgeblich von seinen Vorherigen unterscheidet.
Die Kameraarbeit erzeugt vor allem in der ersten Hälfte des Films sehr schöne Bilder, welche einen tollen Eindruck der ländlichen Regionen Indiens bieten. Einen besonderen Charm erzeugt der Film außerdem durch mehrere hervorragende Montagen, welche im Bollywood-Stil von gesungenen Liedern und teils Tanzeinlagen untermahlt werden. Hierdurch sollte wohl vor allem das breite indische Publikum angesprochen werden, es verleiht dem Film damit aber natürlich auch einen authentisch indischen Touch.
Was vielen Leuten negativ aufstoßen könnte ist das Drehbuch und in Verbindung damit auch dessen Inszenierung. Wie von Khans Produktionen gewohnt werden hier sehr viele problematische Themen kritisch verhandelt mit welchen Indien zu kämpfen hat, es erscheint allerdings immer im richtigen Maß. Diese Themen werden aber auf eine sehr dramatische Art und Weise verarbeitet, welche sich während dem Film immer weiter steigert. Dadurch wird eine starke immersive Wirkung erzeugt, die Intention aufdringlich und ja so kann man es schon Sagen, dass Publikum in einer gewissen Art und Weise manipuliert.
Eine Tatsache die mich bei vielen Filmen wohl stören würde, hier aber nicht. Denn ich halte die Intentionen und verhandelten Themen des Filmes als gut und sehr wichtig. Feminismus zu thematisieren und aufzuzeigen, dass es Auswege aus traditionellen Zwängen gibt, ist immer etwas Positives, erscheint aber umso wichtiger für ein Land wie Indien, da das Leben von Frauen und Mädchen dort immer noch sehr stark durch Traditionen geprägt wird.
Mich persönlich hat die Darstellung der Vater – Kind Beziehung am meisten beeindruckt, da ich in mehreren Szenen die Wut und aufgebauten Spannungen zwischen Töchtern und Vater förmlich spüren und sehr gut verstehen konnte.

DANGAL ist ein Film den man sehen und Aamir Khan ein Name den sich Cineasten merken sollten. Da wird noch einiges sehenswertes kommen.