Best F(r)iends: Volume 1 ★★★

Meisterwerk? Katastrophe? Besser als The Room? Schlechter als The Room? Fragen, die ich gerade beim besten Willen nicht beantworten kann. Will ich Teil 2 sehen? Definitiv! Und ist Best F(r)iends im Vergleich mit The Disaster Artist der bessere Film über die (nett ausgedrückt) merkwürdige Beziehung zwischen Tommy Wiseau und Greg Sestero? Ja, auch das.
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So. Rund zwölf Stunden, nachdem mich Best F(r)iends zunächst ratlos zurückgelassen hat, versuche ich mich mal an einer rationalen Einschätzung. Also: Im Vergleich zu The Room kann man den von Greg Sestero geschriebenen Film tatsächlich als solchen bezeichnen. Er ist schick gefilmt, es gibt so etwas wie eine interessante und teils gar spannende Handlung und die Darsteller geben sich sichtlich Mühe – vor allem Sestero, der sein stets traurig dreinblickendes Babyface wohl niemals loswerden wird. Tommy hingegen bleibt einfach Tommy, im besten und im schlechtesten Sinne.

Leider schafft es der hier mit langer Wallemähne auftretende Autor und Hauptdarsteller Sestero absolut nicht, Best F(r)iends von The Room zu emanzipieren. Teilweise werden ganze Dialoge einfach kopiert, auch einige Einstellungen erinnern stark an das Wiseau-Meisterstück und die mit Abstand subtilste Anspielung besteht daraus, dass Tommy und Greg bzw. Harvey und Jon, wie die Namen ihrer Figuren lauten, sich einen Basketball statt einen Football zuwerfen. Wow.

Damit zehrt der laut IMDb rund 2.5 Millionen Dollar teure Best F(r)iends viel zu sehr vom Kultstatus von The Room. Das können Autor Greg Sestero und Regisseur Justin MacGregor (hat vorher nichts erwähneswertes gemacht) auch zu keinem Zeitpunkt verstecken. Zudem wirken manche Dialoge oder sogar ganze Szenen in ihrer Abstrusität wie aus The Room entsprungen – ganz ohne Absicht. Und bei den unzähligen Logik- und Anschlussfehlern sieht man vor seinem inneren Auge quasi ständig Captain Picard und wie dieser vor lauter Fassungslosigkeit sein Gesicht in einer Hand begräbt.

Aber schlussendlich hatte ich vor allem aus zwei Gründen viel Spaß mit Best F(r)iends: Obwohl es zwischenzeitlich Leerlauf gibt, viel zu lange kein klares Ziel verfolgt wird und sich Volume One zu großen Teilen wie eine viel zu lange Exposition zu einem möglicherweise guten Film anfühlt, ist er nie langweilig und durch das Hauptdarsteller-Duo sowie einige absurd-komische Ideen sogar sehr unterhaltsam. Darüber hinaus ist er ohne Frage der beste Film über die Freundschaft (?) zwischen Greg Sestero und Tommy Wiseau.

Wer das dem gleichnamigen Film zugrundeliegende Buch The Disaster Artist gelesen hat, wird nämlich schnell erkennen, dass die Protagonisten Harvey und Jon mehr als nur Metaphern für die beiden, leider nicht mit übermäßig viel Talent gesegneten Filmliebhaber (was gefühlt jede fünf Minuten betont wird) sind und hier im Grunde ihre Geschichte auf Film gebannt wurde – lediglich in einen abstrusen Thriller-Plot verpackt, der beinahe einem Alptraum Greg Sesteros über Tommy enstprungen zu sein scheint.

Ich freue mich jedenfalls auf Teil 2 – und will nach dem Cliffhanger auch tatsächlich wissen, wie es weitergeht!