Knives Out ★★★★★

Ich LIEBE Whodunnit-Filme!

Meine negative Review zum 2017er 'Mord im Orient-Express' war vielleicht auch gerade deswegen so unausweichlich, weil der 1974er 'Mord im Orient-Express' mein absoluter Lieblingskriminalfilm aller Zeiten ist! (Und das Remake auch einfach in allen Belangen der deutlich schwächere Film bleibt...)

Ein Kriminalfilm von Rian Johnson? Dem seit 'The Last Jedi' vielfach verkannten Autorenfilmer, der einfach nicht die Finger davon lassen kann, das Bisherige zu dekonstruieren und ihm seine eigene Perspektive aufzudrücken?

Eigentlich müsste man seit seinem Erstlingsmeisterwerk 'Brick' (2005) genau wissen, dass er Kriminalfilme beherrscht. Nur hier war das Subgenre ein anderes: der klassische Film Noir - verlegt an die moderne High School!

Hier ist es das klassische Whodunnit - frei nach Agatha Christie. Ein launiges Kammerspiel der Schauspielgrößen, herausgefordert von einem genauso launigen Gentlemen-Privatdetektiv.

Und dieser Transfer in die Moderne gelingt Johnson ungleich besser als dem Kollegen Kenneth Branagh mit seiner Neuauflage vom Orient-Express. Johnson nimmt diese klassischen Verhörszenen und schneidet sie so gekonnt und pointiert zu einer Montage zusammen, wie man es wahrscheinlich noch niemals zuvor in diesem Genre gesehen hat. Schon nach 15min ein Meisterwerk für sich!

Doch Rian Johnson wäre nicht Rian Johnson, wenn er einfach nur den Regeln des Genre folgen würde. Und so sind eigentlich nur der 1. und der 3. Akt des Filmes genau das, was einen klassischen 'Whodunnit' ausmacht.

Der längere 2. Akt wird zu einem Suspense-Thriller à la Hitchcock: Der Zuschauer weiß etwas, was die meisten Figuren nicht wissen. Eine andere Art des Spannungsaufbaus.

Das einzige Problem ist nur, dass Johnson nicht Hitchcock ist. Dieser 2. Akt ist sehr unterhaltsam und eine erfrischend andere Perspektive auf Agatha Christie. Die Idee ist genial!

Nur in der Ausführung nimmt er damit auch die Spannung raus, ohne an das Suspense-Genie Hitchcock herankommen zu können. Dafür bleibt genau dieser zweite Akt auch nach dem dritten (!) Kinobesuch immer noch unterhaltsam - man könnte sogar sagen, dass der Film dabei sogar noch anzieht.

Er gewinnt an Details, Deutungsebenen und verliert nie seinen eigenen Charme.

'Knives Out' ist der beste Whodunnit seit den Üblichen Verdächtigen (1995), der unterhaltsamste Whodunnit seit Sir Peter Ustinovs Poirot-Filmen und zum Glück kein weiterer Versuch, ein 'Orient-Express-Whodunnit' sein zu wollen.

Rian Johnson liebt offensichtlich Whodunnit-Filme!

Und ich werde diesen hier noch viele Male bewundern - ähnlich wie den Mord im Orient-Express. Den Klassischen!