White-Collar Worker Kintaro ★★★½

Ich bin mit dem Werk von Takashi Miike nur unzureichend vertraut. Bisherige Berührungspunkte beschränkten sich bisher auf 2 seiner Tokusatsu-Filme Zebraman und The Great Yokai War. Letzterer liegt sogar noch ungeschaut auf dem DVD-Stapel und hat den Einzug in unseren Japanuary nur deswegen verpasst, weil ich mich für eine reine Anime-Liste entschieden hatte.

Wann immer ich Miike sonst über den Weg lief, war er mir zu hart. Shinjuku Triad Society/Shinjuku Killers hat mich derart überfordert, dass ich ihn in der ersten Sitzung ca bei der Hälfte stoppen musste (er wird auf jeden Fall noch zuende geschaut). Aber für meinen Geschmack waren dann doch zu viele Dinge in dem Film, die ihn erst einmal unerträglich machten.

Salaryman Kintaro macht da einen etwas besseren Job. Der Film hat eine gewisse Leichtigkeit in sich. Kintaro ist ein sympatischer Held mit etwas zu viel Optimismus und Kampfeswillen. Seinen Job als "Gehaltsempfänger" oder Büroagestellter füllt er mit vollem Ehrgeiz aus, bis an die buchstäbliche Schmerzgrenze. Das Baugewerbe beinhaltet nämlich nicht nur legale Herangehensweisen, was Kintaro besonders dann bewusst wird, als er eine Firma mit Regierungsverbindung unterbietet.

Wo Miike sonst knallharten Yakuza-Alltag bis ins blutigste Detail zeigt, ist hier das auf den ersten Blick harmlose Geschäftswesen als Setting gewählt. Und trotz der meistens vorherrschenden Leichtigkeit geht es für Kintaro oft ordentlich zur Sache. Er muss ich meist eher mit den Fäusten als mit seinem Geschäftsinn zur Wehr setzen. Und als seine Familie in Gefahr gerät, geht er bis zum Äußersten.

Dieser Mix aus Humor und Ernsthaftigkeit zusammen mit dem sympatischen Hauptdarsteller hat den Film für mich sehenswert gemacht. Die Gewalt ist gut dosiert und droht nie ins Lächerliche abzudriften. Nur wenige Szenen sind so überdreht und albern, dass ich mich schon etwas fremdgeschämt habe (Stichwort Motorrad Gang). In welchem Kontext von Miikes Gesamtwerk dieser Film einzuordnen ist, kann und will ich nicht beurteilen. Ich mochte ihn und Kintaro sehr. Auch wenn er mich (eventuell wegen der Namensgleichheit) durch seine Dynamik und seinen verbissenen Ehrgeiz oft an Kintaro Oe erinnert hat. Gucken? Gucken!