A War ★★★★

Krieg wird immer von denjenigen befohlen, die (zunächst) am wenigsten unter den Folgen zu leiden haben. Aufgerieben werden die Fußsoldaten und die Zivilisten, die zwischen die Fronten geraten. Dieser fast schon prosaischen Erkenntnis gibt der dänische „A War“ Stimme und Gewicht und verhält sich dabei subtil genug, um nicht zu einer (weiteren) Abhandlung über die Psyche weißer, westlicher Soldaten zu werden, die die Opfer der Auseinandersetzungen in anderen Ländern als dem Eigenen ausklammert.

Der Schauplatz ist Afghanistan, der Titel lässt aber bereits erahnen, dass dieser Krisenherd auch als Platzhalter fungiert. Egal wo und wann, sinnlos und ungerecht ist es immer. Gefangen zwischen Todesangst und Bürokratie gibt es für die stationierten dänischen Soldaten kaum Spielraum, um der Zivilbevölkerung, die genug vom Fanatismus der Taliban hat, jenseits von Symbolhandlungen zu helfen. Der selbstgebastelte Drache bringt nur temporär eine flüchtige Projektionsfläche für den Aus- und Aufbruch, im schlimmsten Fall wird er als Argument gegen die Zivilisten verwendet, so dass sich im Grunde simple Träume ebenso hoffungslos verheddern wie der Drache im einzigen Baum weit und breit.

Der zugrunde liegende Konflikt, die fälschliche Bombardierung eines Wohnhauses, die die unter Beschuss stehenden Soldaten aus ihrer Einkesselung befreien soll, letztlich aber keine Taliban sondern wieder Zivilisten tötet, wird von Afghanistan zurück nach Dänemark vor ein Gericht gebracht. Dabei wirft Regisseur Tobias Lindholm ähnlich wie in seinem hervorragenden „Hijacking – Todesangst: In den Händen von Piraten“ den Zuschauer das Dilemma förmlich vor die Füße. Der dänische Kommandeur ist sympathisch, ausgebrannt, ohne ihn läuft zuhause in der Familie einiges aus dem Ruder, die Kinder vermissen ihren Vater – entschuldigt der Interessenkonflikt und der Ausnahmezustand in Afghanistan aber seine Entscheidung, durch die Kinder anderer Menschen ums Leben gekommen sind? Beide Seiten der Medaille werden als legitim verhandelt, die Frage nach dem eigenen Handeln in vergleichbarer Situation wird für die allermeisten wohl (glücklicherweise) unbeantwortet bleiben.

So bleibt nur die Begutachtung aus der Position des Zuschauers und indem „A War“ handelt, wie er handelt, stellt er die Frage nach grundsätzlicher Gerechtigkeit und ob sie in einem Machtgefälle wie zwischen Dänemark und Afghanistan überhaupt möglich ist. Es mag um moralische Fragen gehen, aber es gibt genügend Schlupflöcher, durch die eine Aufarbeitung be- oder gar verhindert werden kann. Am Ende gibt es nur Schuld, aber keine Sühne. So produziert man Verzweiflung und gegebenenfalls Radikalisierung auf der Einen, immerwährende Vorwürfe, Gewissensbisse und entsprechende Dysfunktionen auf der anderen Seite. Krieg reibt Menschen immer auf, Gewinner kann es nur auf dem Papier geben, egal, ob in bescheidener Behausung in Afghanistan oder im wohlstandverwöhnten Dänemark. Der zynische Umgang mit dem Gerichtsteil, mit dem „A War“ dann auch noch wie nebenbei die Wirkmechanismen des Dramas ad absurdum führt, wirken dabei schon fast wie eine vernachlässigbare Dreingabe.

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