Akira ★★

"Akira", der Anime, der den Zeichentrickfilm japanischer Provinenz auch in Europa bekannt und beliebt machte. Man kann nun spekulieren, warum der Film so ein Erfolg wurde. Vielleicht, weil das Mainstream-Publikum damit konfrontiert wurde, dass Zeichentrick nicht mit der relativ heilen Disney-Welt gleichzusetzen ist? Sapperlot, man kann eine Kunstform tatsächlich zum erzählen ganz unterschiedlicher Geschichten einsetzen? Mind. Blown. Oder so ähnlich.

Abseits von diesem historischen Interesse erschließt sich zumindest mir die mitunter kultische Verehrung dieses Films nicht wirklich. Technisch fällt "Akira", wie leider viele Animes, auseinander. Teils atemberaubende Effektanimationen stehen statischen und wenig spielfreudigen Charakteranimationen gegenüber; in vielerlei Hinsicht flache Figuren stehen in großartigen Hintergründen herum.

Inhaltlich beackert der Film so viele Themen und Fragen, dass er unkonzentriert wirkt und keine seiner Ideen wirklich vollständig ausformuliert. Er reißt alles mögliche an, erzählt mal Mumbo Jumbo über Gene, lässt dann ein neues Universum entstehen, palavert etwas über Energie und lässt einen Menschen wie einen Tumor wachsen (ein Bild, dass dem Natur-Symbolismus Miyazakis eine albtraumhafte Komponente abgewinnt). Wer was warum will ist dabei eher zweitrangig. Die Motivation des Militärs jenseits vager Klischees? Die gesellschaftlichen Umbrüche nach dem Krieg? Überhaupt der dritte Weltkrieg? Egal, lass mal wieder was explodieren und animier den Qualm toll, wird dann schon keinem auffallen.

Ich unterstelle einfach mal, dass der zugrundeliegende Manga sich mehr Zeit für die Ausformulierung aller Implikationen nahm, denn anders als durch rigorose und unfokussierte Straffung ist das dramaturgische Chaos kaum zu erklären. Wahrscheinlich bekommt man dann auch die Beziehung zwischen Tetsuo und Kaneda jenseits von eingeworfenen Stichworten ausbuchstabiert. Und die Beziehungen aller anderen Menschen untereinander.

"Akira" weiß nicht, wohin er eigentlich genau will und was er auf dem Weg dahin erzählen will. Etwas über menschliche Konflikte, über die Diskrepanz zwischen Moderne und Natur, über technologische Verantwortung? Wie beim ganzen Rest wohl ein bisschen von allem. Eine sorgfältig produzierte TV-Serie wäre hier wohl eindeutig die bessere Dareichungsform gewesen. Abseits von der durchaus gelungenen Atmosphäre und den teils rasanten (Effekt)Animationen maändert "Akira" viel zu sehr herum.