Alien: Covenant ★★★

Irgendwann wird es vielleicht wieder eine menschliche Figur in einem „Alien“-Film geben, die dem Publikum nicht vollständig egal sein darf. Die Crews der „Nostromo“ und der „Sulaco“, selbst der stoische Arzt in „Alien 3“ oder Teile der Piratencrew in „Alien – Die Wiedergeburt“ waren nicht so austauschbar wie die 15-köpfige Crew des Kolonieraumschiffes „Covenant“, dass sich hier wissend vom Kurs zu einem Kolonieplaneten abkommt, um ein unbekanntes, aber scheinbar menschliches Funksignal von einem unbekannten Planetoiden zu erforschen. Es kommt, wie es selbstredend kommen muss und teilweise sind einzelne Szenen so wirr, dass man beim „Body Count“ den ohnehin dürftigen Überblick verliert.

Wie die ultimative Illustrierung des Satzes „Die Crew ist entbehrlich“ führt Regisseur Ridley Scott seine Pappkameraden zur Schlachtbank und nähert sich so auf äußerst krude Art der Denkweise der im Film für alles folgende Übel verantwortliche Weyland-Yutani-Gruppe an. Der Tod von Menschen ist hier nur je ein Schockmoment, ein recht blutiger mitunter, aber es generiert nicht das emotionale Feedback vergangener Teile (ich persönlich trauere immer noch um Parker und Brett).

Eine Reaktion trotz nur der gewohnt verlässliche Michael Fassbender dem unterwältigten Zuschauer ab – seine Doppelrolle als die zwei Seiten der kybernetischen Medaille ist spannender als alles, was Scott sonst so in den Ring wirft. Egal ob grausamer Genozid, furchtbare Mutationen oder Xenomorphs, die mit Industriegerätschaften bekämpft werden (nein, niemand nennt eine der Kreaturen „Bitch!“), es sind ein Android mit Gotteskomplex und sein altruistischer Gegenpart, die „Covenant“ interessant machen. Wann immer Fassbender auf der Leinwand erscheint, spielt er nicht nur sein Mitensemble an die Wand, er hebt auch das Niveau dieser etwas fahrigen Melange aus „Prometheus“ und klassischen „Alien“-Elementen merklich an.

Gleichzeitig liegt hier auch eine der größten Gefahren, denen sich dieser neue „Alien“-Zyklus ausgesetzt sieht: in seiner Konzentration auf den megalomanischen David, der als Schöpfer hinter den Kreaturen steht, droht man eben nicht nur das menschliche Element komplett zu verlieren, es entzaubert das Franchise auch zusehends (wenn man bei solch einem rauen Universum von „Zauber“ sprechen mag), indem mit jeder beantworteten Frage ein Stück des Mysteriums stirbt. Der Space Jockey, die Herkunft der Aliens, ihre Adaptionsfähigkeit an ihre Wirte – all die Fragen und Geheimnisse, die Fans seit 1979 beschäftigten drohen, nun einer definitiven „in-universe“-Genese quasi zum Opfer zu fallen.

So kann man „Alien: Covenant“, dem man einen gewissen Unterhaltungswert am Ende des Tages sicherlich nicht absprechen sollte, auch als symptomatisch für die Prequel-, Sequel- und Reboot-Unkultur Hollywoods sehen: es darf keine weißen Flecken mehr geben, alles muss erklärt und damit fast zwangsläufig verkleinert werden. Das Staunen, auch jenes über Alpträume, stirbt, und der Zuschauer wird noch mehr zum bloßen Konsumenten, als er es ohnehin schon ist.

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