All That Heaven Allows ★★★★½

Man fragt sich schon, warum Menschen sich das Leben so unnötig schwer machen, warum sie andere mit sinnlosen Moralvorstellungen überziehen, wenn diese nicht die Rechte Dritter verletzen. Regisseur Douglas Sirk verzweifelt spürbar an dieser Frage.

Die Repressionen der 1950er-Jahre liegen wie Blei über allem, Standesdünkel machen die Liebe zwischen der Upper-Class-Witwe Cary und Gärtner und Baumfreund Ron fast unmöglich. Warum? Weil es nicht angebracht ist. Warum? Darum. Beschränktes Denken führt zu versteinerten Herzen. Die Simplizität, mit der "Was der Himmel erlaubt" diesen menschlichen Makel herausarbeitet, gibt dem Film eine ungeahnte Schlagkraft. Die zerbrochene Kanne? Oh man.

Besonders interessant wird der Film dadurch, dass er keine "Go fuck yourself"-Attiüde an den Tag legt, wie es eine moderne Variante des Themas wohl tun würde. Es ist kein "Wir gegen den Rest der Welt", gerade Cary will eigentlich auch ein Teil ihrer alten Welt bleiben, zerbricht aber fast an der Bigotterie ihrer sogenannten Freunde. Die Härte, mit der ihr begegnet wird, erschrickt auch deshalb, weil der Film die angezogene Handbremse, die die Menschen im Umgang miteinander und mit ihren Gefühlen demonstrieren, ebenso als Stilmittel einsetzt.

Wenn Carys Sohn Ned seine Mutter ob ihres "Affronts" angeht (großartig hier auch die versteckten sexuellen Anspielungen, die durch Auslassen und Andeuten mehr aussagen als eine direkte Ansprache es vermocht hätte), brodelt es so unter der Oberfläche, dass man die zum Schlag herhobene Hand schon förmlich sieht. Sie erhebt sich nie, zumindest nicht physisch. Dennoch drischt sie kontinuierlich auf Cary ein. (Und das Gesicht Neds, dass bei seiner Abreise nur durch ein Gitter zu sehen ist? I see what you did there, Douglas.)

"Was der Himmel erlaubt" ist ein Film zum verzweifeln über die menschliche Natur, auch wenn er immer wieder Hoffnung und Ausgleich walten lässt. Offenheit und Selbstreflexion sind nicht angeboren, können aber erlernt werden.

P.S.: Es gibt auch kleinere Unstimmigkeiten, die aber nicht dem Film an sich anzulasten sind, sondern dem Umstand, dass "wir rückwärts in die Popkultur hineingeboren werden", um letterboxd-Freund Daniel zu zitieren. So ist die semi-Antagonistin Mona in ihrer Überzeichnung einem Disney-Schurken nicht unähnlich und das Ende ist wohl melodramatischer, als es sein müsste. Und von Rock Hudson, der im Schnee einen jungen Hirsch füttert, fange ich lieber gar nicht erst an. Aber das wirklich nur am Rande.

(Das Zitat stammt aus Daniels Review zu "Frau ohne Gewissen": letterboxd.com/privatsprache/film/double-indemnity/ )