Angus ★★★★

Man hat ja immer etwas Angst davor, Filme aus der eigenen Jugendzeit, die man in sehr guter Erinnerung hat, nach Jahren der Abwesenheit wieder zu sehen. Empfindet das erwachsene Ich noch so wie jenes, dass sich durch die Irrungen der Pubertät kämpft? Oder hat sich rückblickend so viel verklärt, dass man nun eher Scham gegenüber dem eigenen, zwanzig Jahre zurückliegenden, Geschmack empfindet?

Im Fall von "Angus - Voll cool" kann ich zumindest für mich Entwarnung geben: der Film aus den tiefsten Tiefen der 1990er-Jahre ist immer noch ein über Gebühr charmanter Coming-of-Age-Film, der irgendwo zwischen Drama, Comedy, Cartoon und Herzschmerz oszilliert.

Dazu muss man(n) wohl erwähnen, dass der Film so sehr die mir bekannte Sichtweise des weißen, heterosexuellen Geeks vertritt, dass alles andere in den Hintergrund gedrängt wird - vor allem der weibliche Anteil der Geschichte. Angus' "love interest" ist genau das - eine dramaturgische Notwendigkeit mit kaum erkennbarer Persönlichkeit, die im Laufe der knapp 90 Minuten Spielzeit vielleicht zwei bis drei Minuten an Dialog und (gefühlter) Screentime zugesprochen bekommt. "Angus" ist ein durch und durch männlicher Film in dem Sinne, dass er voll und ganz aus dieser Perspektive spricht, fühlt und funktioniert. Das funktioniert für mich in diesem Fall, schon allein weil der Identifikationsfaktor so hoch ist, aber muss es nicht für alle (unter dieser Prämisse ist dann auch das gesamte Review zu lesen).

"Angus" lebt von seiner Hingabe an den vermeintlichen Looser, seine Qualen durch den stereotypischen "Jock" und seine Emanzipierung vom aufgedrückten Selbstbild des Anderen, die so wohl (leider) nur in Filmen vorkommt. Er versteht es außerdem, die Gefühlswelt von Menschen in ähnlichen Situationen erstaunlich unplakativ wiederzuspiegeln und ihnen ein funktionierendes "It gets better"-Ende mit an die Hand zu geben. Wann immer ich "Angus" sah, er bestärkte mich darin, dass die Schulzeit irgendwann zu Ende sein würde (unabhängig davon, dass am nächsten Montag das Spiel wieder von vorn begann).

Es ist womöglich diese Weigerung, sich in Agonie zu ergehen, dieses Festhalten an den Idealen eines "Be yourself"-Menschenbildes, dass mit einer stoischen Vehemenz vorgetragen wird, dass "Angus" so liebenswert macht. Ein kleiner Film mit der Fähigkeit zur großen Wirkung.

P.S.: Was ist eigentlich bei der deutschen Tonspur der DVD schiefgelaufen? Gießkannenfilter?

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