Bed Bugs ★★★½

Jan Henrik Stahlberg hat bisher nur zwei Filme geschrieben, diesen und den 2003er-Überraschungserfolg "Muxmäuschenstill". Der Grund scheint auf der Hand zu liegen: wenn man sich mit der Schilderung besserwisserischer Idioten beschäftigt, deren Existenz einen leicht an der (männlichen) Menschheit verzweifeln lassen, dann kann man dies nur alle Jubeljahre durchziehen.

"Fikkefuchs" ist anstrengend. Sehr, sehr anstrengend. Vieles, was ich damals zu "Muxmäuschenstill" geschrieben habe, ließe sich auch zu diesem Werk sagen, es ist ein Film über ganz spezielle Ausprägungen des Mensch-seins, hier noch deutlicher als im Vorgängerwerk auch besonders als Mann-sein zu lesen. Natürlich ist es abstoßend, zwei solch misogynen Volltrotteln wie den Protagonisten des Films zu folgen (einer versucht sich an einer Vergewaltigung, verdammt nochmal!), aber der Film, der in vielen kleinen Momenten immer wieder ganz bei sich ist, stellt auch klar, dass wir es hier mit Versagern zu tun haben, die als "role models" in keinster Weise taugen, sogar noch armseliger als echte sogenannte "Pick-Up Artists".

Dabei unterscheidet "Fikkefuchs" bemerkenswert sicher zwischen Menschen und Handlungen. Er führt die Vorstellungen, die wirkmächtigen Lügen, denen beide Hauptfiguren anheim gefallen sind, schonungslos vor, ihre stumpfen, oft biologistisch abgeleiteten Ideen von Maskulinität und Heteronormativität werden dadurch, dass sie von diesen Charakteren vorgetragen werden, schon entkräftigt. Auf der anderen Seite zeigt er auch Menschen, die unter diesen Zwängen leiden, ohne dass es ihnen bis in die letzte Konsequenz klar ist. Die starren, von Pornos, Klischees und Küchenpsychologie gespeisten Vorstellungen von Mann und Frau fressen sie langsam auf, ohne dass sie eine Verbindung zwischen diesen und entwürdigenden Momenten wie jenen nach durchzechter Nacht im heimischen Bad ziehen würden. Ob man die Gefühle, die sich dabei entwickeln, als Mitleid einstufen mag, ist derweil wohl eine individuelle Entscheidung.

"Fikkefuchs" tut auch deshalb so weh, weil er das (männliche) Publikum zum nachdenken über die eigenen Handlungen zwingt. Steckt nicht auch in mir ein solcher Idiot, denke auch ich manchmal, dass mir "die Frauen" etwas schulden, weil ich eigentlich ja so ein toller Hecht bin, sie es aber nicht zu würdigen wissen? Oder könnte es doch - Schock! - am eigenen Auftreten liegen, dass sich durch was auch immer verkrampft?

Die misogynen Tendenzen, die dem Film schon durch die Natur der Sache innewohnen, werden nicht gefeiert, sondern sollen zur aktiven Auseinandersetzung mit der eigenen Männlichkeit führen. Wer hier nur eine derbe Komödie sieht (oder sehen will), der hat wahrscheinlich auch schon "Muxmäuschenstill" nicht verstanden. Zumal es im Grunde wenig zu lachen gibt, denn die Existenzen aller Beteiligten sind eigentlich mehr Jammertäler als alles andere.

Ein fordernder Film, der abstößt, um Gedanken zuzulassen; wieder ein Psychogram von Menschen, deren Selbstreflexion nicht ausreicht, um der Moderne Herr zu werden.

Full disclosure: Ich bin froh, dass ich "Fikkefuchs" gesehen habe. Ob es so schnell noch einmal sein muss, lasse ich mal dahingestellt.