Cargo ★★★½

Es hat etwas gedauert, aber inzwischen scheint es auch in der Welt der Zombiefilme angekommen zu sein, dass es eigentlich eine Ungeheuerlichkeit ist, mit der sie sich beschäftigen. Eine Welt, die mehr vom emotionalen denn ökonomischen Zerfall berichtet, in der - lassen wir den Gedanken ruhig einmal in seiner ganzen Bandbreite zu - Tote ohne einen Funken Menschlichkeit wiedererwachen und die Lebenden töten und fressen wollen.

Als Vater eines aktuell noch ziemlich kleinen Kindes ist es besonders ... herausfordernd, diese Prämisse ganz an sich heran zu lassen und "Cargo" ist die weiterentwickelte Spitze eines Szenarios, dass sich im dänischen "What we become" und in "The Girl With All The Gifts" in einzelnen Szenen bereits andeutete: was passiert mit den Babys in diesen Welten? Die genannten Beispiele hatten die Antworten schnell parat: sie sterben in ihren Betten oder werden von Ratten gefressen. Gott verdammt.

"Cargo" lässt sich erfreulicherweise nicht auf diesen ultimativen Schockeffekt ein, ihm geht es wirklich um das Überleben, es ist, anders als in diversen anderen Zombiefilmen, nicht nur ein Vorwand, eine definierte Gruppe auf kreative Weise immer weiter zu dezimieren. Das junge Leben als Symbol des Überlebens und der Kontinuität, auch als Absage an den Gewaltfetischismus des Subgenres Zombiefilm.

So bewegt sich der Film fast elegisch dahin, reißt Themen wie Verlust und Verantwortung an, führt sie aber nicht in der Tiefe aus und lässt gar die Dringlichkeit vermissen, die eine auf 48 Stunden gestellte Uhr mit Restlebenszeit eigentlich vermitteln sollte. Martin Freeman agiert so zurückgenommen (nicht schlecht, das wäre etwas anderes), dass man das Ticken nie wirklich hört. Natürlich ist Besonnenheit in solch einer Situation auch eine Tugend, aber die Charaktere haben nicht die Tiefe, die man ihnen eigentlich gewünscht hätte (auch Rosie, die z.B. niemals so expressiv eingesetzt wird wie das Baby in "Willow").

Am Ende, wenn man berechtigterweise Rotz und Wasser heult, ist das alles aber vielleicht auch nur Rosinenpickerei. "Maggie", "Train to Busan", nun "Cargo". Dass Zombiefilme ihre Menschlichkeit und ihre damit verbundenen Gefühle entdecken und die lebenden Toten weniger ausstellen ist eine Entwicklung, die ich hiermit ausdrücklich begrüße.

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