Cujo ★★★★

Tierhorror und Stephen King-Verfilmung. Eigentlich sprechen gleich zwei Dinge gegen "Cujo", aber der Film schafft das zumindest für mich unglaubliche: er wird zu einem sehr sehenswerten Beitrag zu diesem meist recht müßigen Horrorsubgenre, der auch noch viele aus heutiger Sicht zum parodistischen Klischee gewordene King-Stereotype schlicht weglässt.

Der dramaturgische Aufbau ist hervorragend. "Cujo" nimmt sich Zeit, seine Charaktere einzuführen und aufzubauen, inklusive dem im dritten Akt zu absoluten Nemesis werdenen Bernhardiner Cujo. Dieser wird von einer Fledermaus (die in einem Erdloch haust ... gut, lassen wir noch durchgehen) mit Tollwut infiziert. Bedingt durch die Krankheit wird aus dem sanften Riesen immer mehr ein unberechenbares Raubtier, dass irgendwann die Geräusche und Präsenz von Menschen nicht mehr ertragen kann und rasend wird. Das Tier ist nicht einfach "böse", wie es der Tierhorror oft gern der Einfachheit halber darstellt, es ist Opfer einer Krankheit. Mehr noch, es kämpft gar über zwei Drittel des Films gegen seinen erwachenden Zorn an. Verzweifelte Empathie überspringt hier mühelos Artengrenzen.

Cujos Kampf mit aufwallenden Dämonen steht einem ähnlichen Konflikt in der menschlichen Familie gegenüber. Eine Affäre der Mutter droht das Familienglück zu zerstören, die Eltern wissen nicht, wie die damit und miteinander umgehen und wie sie in dieser Situation sich gegenüber ihrem kleinen Sohn verhalten sollen. Dee Wallace als Mutter Donna und der junge Danny Pintauro als Sohn Ted (der sich stets natürlich und nicht gestelzt wie andere Film-Kinder verhält) stechen besonders hervor. Nur folgerichtig, dass sich das Finale zwischen diesen Beiden und dem inzwischen wahnsinnig gewordenen Cujo abspielt.

Der Symbolismus, dass der hadernde Elternteil dabei eine tödliche Gefahr überwinden muss, um den Nachwuchs und damit auch die Ehe zu retten, mag plakativ sein, funktioniert aber recht ordentlich. Wie überhaupt der dritte Akt eine Tour de Force wird, spannend und gesetzt inszeniert, erneut getragen vom naturalistischen Spiel seiner Protagonisten. Sollte es Menschen geben, die mit dem ruhigen, bedacht handelnden Setup nichts anfangen können, die letzten dreißig Minuten sollten dafür entschuldigen (auch wenn es natürlich nichts zu entschuldigen gibt).

"Cujo" ist hervorragend konstruierte, sorgsam inszenierte und involvierend gespielte Unterhaltung mit einem wachen Auge für Menschen und ihre interagierenden Handlungen. Ein Film, der mich mit einem ganzen Subgenre versöhnt hat. Es geht doch.