Do the Right Thing ★★★★½

An einem der heißesten Tage des Sommers kommt es in einem überwiegend schwarzen Viertel Brooklyns zu sich immer weiter hochschaukelnden Spannungen, die sich schließlich in einem Gewaltakt entladen.

So weit die Prämisse von Spike Lees "Do The Right Thing", der sich des Themas "race relations" in den USA annimmt, dabei unprätentiös bleibt und - das ist womöglich das erschreckendste an dem ganzen Unterfangen - fast 30 Jahre nach seiner Entstehung von einer geradezu unheimlichen Aktualität ist. Radio Raheem oder Eric Garner - der Teufelskreis ist noch nicht gebrochen.

Lee ist dabei so schlau (und realistisch), um auch mögliche mediale Fallstricke zu erkennen und ihnen dadurch Herr zu werden. Will heißen: in diesem Viertel gibt es wirklich kein Schwarz und kein Weiß, keine Ethnie kommt besser oder schlechter als die andere weg. Menschliche Vorurteile und Bigotterie wirken in ihnen allen, Geschichte feit nicht davor, ähnliche Fehler zu begehen. Besonders süffisant dabei ist, dass Pizzeriabesitzer Sal und seine Söhne durchgehend als "die Weißen" gesehen werden, obwohl die Italo-Amerikaner eine eigene Geschichte in den USA haben, in der sie lange eben nicht als weiß galten (empfehlenswert, auch und gerade aus europäischer Sicht, ist hierzu das Buch "America on Film" von Harry M. Benshoff und Sean Griffin). Sals "Wall of Fame" mit ausschließlich Italo-amerikanischen Berühmtheiten ist also auch Ausdruck dieses Erbes und dass sie zum Stein des Anstoßes für den aufbrausenden Buggin Out wird (der heute eine wütende Online-Petition starten würde) ist auf ganz eigene Art tragisch.

Es gibt schlicht keine Engel und keine Teufel in "Do the Right Thing". Sal ist kein Rassist und verhält sich schließlich unter Druck rassistisch. Buggin Outs Wunsch nach Repräsentation ist nachvollziehbar, seine Mittel unfair und unverhältnismäßig. Der schmierige Pino ist ein Rassist, versteckt darunter aber womöglich ein ganz anderes Verlangen. Radio Raheem ist unbedeutend und versucht sich Gehör und Respekt auf eine Art und Weise zu verschaffen, die seiner Umwelt genau dies nicht abnötigt. Menschen, gefangen in oftmals sinnlos-menschlichen Verhaltensweisen. Lee inszeniert seine Operation an der Gesellschaft mit einem spitzen Skalpell und arbeitet dabei äußerst präzise.

Am Ende hat weder die Frustration noch der Rassismus noch die aufgeputschten Scheindebatten etwas gebracht. Das zum musikalischen Thema des Films auserkorene Lied "Fight the Power" von Public Enemy erhält je nach Kontext eine neue Bedeutung und wenn es inmitten von Ruinen ertönt, in der endlich ein Foto an eine kahle Wand gepinnt werden kann stellt der Film folgerichtig die Frage, welche Macht auf so eine Weise eigentlich genau bekämpft werden sollte. Wir sind hier, zusammen. Und nur zusammen lässt sich die Welt verändern - das wäre dann "do the right thing".