Dunkirk ★½

Muss ich einen "Disclaimer" voranstellen und "zugeben", dass ich "Dunkirk" nicht im Kino sondern "nur" im Heimkino gesehen habe? Wer nun jedes folgende Wort darum diskreditiert, weil ich den Film ja nicht "richtig" gesehen habe ... vielen Dank für gar nichts.

"Dunkirk" ist Überwältigungskino, dass gleichermaßen dröhnend wie dumpf darüber hinwegtäuschen möchte, dass es eigentlich nichts zu erzählen hat. Als Kaschierungsversuch schraubt man ein bisschen an den Erzählebenen herum, was dem Ganzen selbstredend auch nicht mehr Gewicht verleiht. Regisseur Christopher Nolan findet keinen Ankerpunkt, weiß nicht, was er mit dem Schicksal von Nazis umzingelten britischen und französischen Truppen in Dünkirchen anfangen soll. Das Überleben, das Sterben und all die Anstrengungen, aus dem Grauen zu entfliehen, sind klinische Staffage. Hatte Nolan in "Interstellar" noch rudimentär zu so etwas wie menschlichen Gefühlen gefunden, radiert er sie mit "Dunkirk" wieder aus. Der Krieg muss gut aussehen und sonst nichts.

Sicherlich ist das Sounddesign hervorragend und Hans Zimmers Score leistet einen guten Beitrag für den Film, während er sich abspielt (wie bei "Interstellar" funktioniert er weniger für sich), technisch ist es ohnehin müßig, nach eklatanten Fehlern zu suchen. Nolan ist ein perfektionistischer Handwerker. Am Ende des Tages aber bleibt eine so kolossale Leere, die mit etwas Kriegspathos ausgefüllt werden soll, dass "Dunkirk" weitestgehend versagt. Das Bedrohungsszenario funktioniert nur zu Beginn, irgendwann verliert sich der Film in der Tristesse des Repetitiven, in der ein gesichtsloser Feind immer wieder angreift.

Wenn es Nolan darum ging, die Ausweglosigkeit einer Kriegssituation wie dieser zu schildern, dann verkennt er auch hier, dass dazu ein Mindestmaß an Menschlichkeit gehört. Austauschbare Figuren wanken von einem Set zum anderen, nur in wenigen Momenten gelingt die Charaktersierung durch Blicke, Taten, durch die Gegenwart der alles verschlingenden Rohheit des Krieges. Spätestens nach etwa 40 Minuten ist jegliches Pulver verschossen (man sehe mir dieses Bild im Kontext eines Kriegsfilms nach) und sowohl Spannung als auch Novität sinken auf kaum zu messendes Maß hinunter. Ja, "Dunkirk" ist irgendwann in seiner kalten Technikperfektion nur noch langweilend, auch weil ihm irgendetwas, dass über das Spektakel hinausgeht, nicht interessiert. Dafür müsste man aber auch Zugang zu seinen Gefühlen haben.

Ehrlich gesagt bin ich froh, auf dieses Blendwerk nicht im Kino hereingefallen zu sein.

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