Ever After ★★½

Auch auf die Gefahr, mich zu wiederholen: ein Film, den ich lieben wollte, es aber nicht konnte.

ENDZEIT basiert auf dem Comic von Olivia Vieweg, den ich nur in der kurzen Diplom-Fassung kenne. Inzwischen existiert auch eine deutlich längere Version, die, nach allem, was ich darüber herausfinden konnte, der Verfilmung voranging und diese quasi vorbereitete. Doch nach der ersten ENDZEIT und dem Ausflug nach Klischeehausen namens ANTOINETTE KEHRT ZURÜCK ist mein Interesse an Viewegs Comics leider komplett erlahmt, weshalb man es mir nachsehen muss, dass ich keine Vergleiche zwischen Langcomic und Film ziehen kann.

ENDZEIT ist ein Film mit Geschmäckle. Vielleicht liegt es daran, dass ich ihn während der Panik rund um das Corona-Virus Anfang 2020 sah, in deren Zug es einige zutiefst menschenverachtende "Hot Takes" á la "Ja, gut, es können halt nicht alle überleben. Ist doch gut, wenn die Menschheit ausgedünnt wird!" gab, die vor allem immer mitimplizierten, dass der- oder diejenige, die dies aussprach, selbstredend nicht zu den Leidtragenden zählen würde. Solange es die anderen trifft - egal.

ENDZEIT haut gewissermaßen in eine verwandte Kerbe, weil auch er das Narrativ von "Die Natur wehrt sich gegen die Menschen und es ist schon gut so, dass alle sterben" bedient. Die mysteriöse Figur der Gärtnerin (deren Design sich nicht sehr gut ins Medium Film überträgt) formuliert dies so aus und auch die übrigen Charaktere finden sich irgendwann damit ab, dass es wohl nun zuende geht. Die Zombies in diesem Film sind lediglich eine Zwischenphase aus dem Weg, wenn die Menschen wieder ganz bei sich und der Natur sind. In den ökologischen Gedanken des Films gibt es kein miteinander, nur eine Auslöschungsidee, die durch die unsympathische, nur noch bedingt menschliche Gärtnerin symbolisiert wird. Die Apokalypse als Katalysator für eine schwurbelige New-Age-Esoterik - was genau Vieweg mit diesem Konzept eigentlich anfangen will, wird ebensowenig klar wie viele Begebenheiten, die der Film teils erstaunlich unmotiviert zusammenschustert (Eva taucht immer wieder auf, wenn das Drehbuch sie benötigt). Einen organischen Fluß hat das Ganze spätestens in der zweiten Filmhälfte nur noch bedingt.

Dabei bietet ENDZEIT mitunter Bilder von melancholischer Schönheit. Ähnlich wie die ebenfalls aus Deutschland stammende Genre-Produktion IN MY ROOM sind die Aufnahmen einer entvölkerten Welt gelungen, die flirrende Atmosphäre des Sommers, die der Comic kreierte, gut einfangend. Auch die (meist viel zu kurz gehaltenen) Flaschbacks sind spannend und erinnern daran, dass der Ausbruch immer das Interessanteste an dieser Art Film ist. Über die Funktionsweise der neuen Welt erfährt man gerade so viel, um grundsätzliches zu klären.

Der ästhethische Anspruch und die vielen für sich genommen sehr schönen Vignetten (Gang über die Eisenbahnbrücke, Giraffen, der blinde Zombie, der Satz: "Wenn du dafür den Mut hast, dann auch für anderes.") entschädigen am Ende des Tages leider nur bedingt dafür, dass ENDZEIT nicht so genau weiß, wohin er eigentlich will. Gefangen zwischen Ansätzen eines ehrlich aufregenden Zombiefilms mit dezidiert deutschem Flair und einer in dieser Dareichungsform sehr platten "Zurück zur Natur"-Botschaft vom letzten Kongress der Homoöpathen changiert ENDZEIT stets zwischen interessant und geradezu nervtötend.

Ich wünschte wirklich, ich könnte positiveres zu einem Genrefilm (!) aus Deutschland (!!) mit einer sowohl vor als auch hinter der Kamera fast durchgehend weiblichen Crew (!!!) sagen. Frustrierend.