Hidden Figures ★★★★

Wie wurde ein Film über drei schwarze Mathematikerinnen in den USA der 1960er Jahre, die maßgeblich am Gelingen des "Race to Space" beteiligt waren, in Deutschland beworben? Richtig, mit den Hinweis auf die weißen Männer, die mitspielen. So blöd und ärgerlich das auch war, man muss schon etwas grinsen bei dem Gedanken an all die "Big Bang Theory"-Fans, die wegen Jim Parsons ins Kino gingen und Sheldon dann als schmierigen Rassisten vorgesetzt bekamen.

"Hidden Figures" ist ein "Feel-Good-Movie", keine Frage. Per se ist das nichts verwerfliches, auch wenn sie die Tendenz haben, gerade im Hinblick auf die Historie vieles glatt zu bügeln. Auch hier gibt es Dinge, die der Ungeheuerlichkeit der Segregation nicht gut tun, z.B. hätte der Film getrost auf die Slapstick-artige Inszenierung des Toilettengangs verzichten können. Auf der anderen Seite gibt es überragende Momente wie das Gespräch zwischen Dorothy Vaughan (Octavia Spencer) und Vivian Mitchell (Kirsten Dunst): "Sie wissen, dass ich nichts gegen Sie und ihre Leute habe?" - "Ja. Ja, ich glaube, dass Sie das meinen."

So sehr man die üblichen Hollywood'esken dramaturgischen Kniffe zur Kenntnis nimmt, so sehr muss man dem flott inszenierten "Hidden Figures" auch zugutehalten, dass er neben Unterhaltung und Emotion (der Heiratsantrag ist großartig!) das Thema Rassimus nie aus den Augen verliert und darüber hinaus auch noch wie beiläufig moderne Klischees betreffend "Frauen und Technik" gegen den Strich bürstet. Und schließlich ist er in einer Zeit, in der die USA von einer - gelinde gesagt - wissenschaftsfeindlichen Administration regiert werden ein unaufdringliches Statement für mehr Engagement. In der Gänze ist das dann doch recht beeindruckend für ein "Feel-Good-Movie".

Ach ja, und die oben angesprochenen weißen Männer erhalten in Form von Kevin Costner Nachhilfestunden in sowohl ethnischer wie geschlechtlicher Gleichbehandlung. Wenn das auch bei dem ein oder anderen unbedarften Zuschauer ebenso fruchtete, umso besser. Ansonsten ein starker, unterhaltsamer Film, der das Wort "Empowerment" auch dank der tollen Darstellerinnen mit Leben füllt.

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