Hold the Dark ★½

Lieber Jeremy Saulnier,

wenn du gewalttätiges Exploitationkino machen willst, dann ist das doch in Ordnung. Tu es, habe Spaß dabei und wir als Zuschauer bekommen im besten Fall auch noch viel von diesem Spaß ab. Es ist okay, wirklich. Im Trash liegt ja ohnehin oft eine tiefere Wahrheit, an deren Entschlüsselung wir bestimmt viel Freude haben würden.

In punkto "Wolfsnächte" möchte ich dir sagen, dass der Werwolf mit dem Zombie mein liebstes Filmmonster ist. Ich persönlich hätte mich sehr gefreut, wenn du alle Bedenken über Bord geworfen hättest und aus deinem starken Setting und den melancholischen Bildern auch wirklich einen Film dieses Subgenres gezaubert hättest.

Ständig merkt man, was alles in der Prämisse dringesteckt hätte, wenn du nur die Handbremse gelöst hättest. Soziopathie und Isolation (Isolation von was eigentlich? Von einer weißen Mehrheit in einem Inuit-Dorf?) sind eben nur müde Chiffren, wenn man ihnen keine handfesten Taten folgen lässt. Auch den Gegensatz Irak/Alaska lässt du völlig ungenutzt verpuffen.

Du verstrickst dich in gepflegter Langeweile, die du wohl für besonders smart und künstlerisch hälst, aber eben wirkt, als müsstest du dich im Zaum halten, um ernst genommen zu werden. Als wolltest du stets, dass deine Filme auch außerhalb des Genrekinos als außergewöhnlich wahrgenommen werden sollen. Leider erzählst du wie bei "Green Room" dann entweder nichts oder belangloses. Das ist schade und müsste eigentlich nicht sein. Handwerklich ist alles erste Sahne und auch die Musik weiß zu gefallen, die Einführung von Alexander Skarsgård ist für sich genommen grandios, leider scheint er danach unter deiner Regie nicht so recht, was er eigentlich tun soll.

Es tut mir wirklich leid, dass sagen zu müssen, aber "Wolfsnächte" ist größtenteils langatmige Zeitverschwendung, deren Symbolismus mitunter so holzhammerartig daherkommt, dass ich öfters unfreiwillig grinsen musste. Du weißt, wie du in den richtigen Momenten Spannung aufbauen kannst, du hast ein Händchen für die Inszenierung eruptierender Gewalt, dein Stil ist sicher und gefällig anzusehen. Aber die Drehbücher müssen (und können) besser werden, sonst bleibt neben dem Schein nicht mehr viel stehen. Und Stereotype mit Geschmäckle wie jene mit den "magisch versierten" Indigenen lassen wir nächstes Mal auch ganz weg, ja?

Ich will deine Filme mögen, aber nach drei Flops weiß ich nicht so recht, ob ich es kann. Nun stromere ich weiterhin um "Blue Ruin" herum und habe etwas Angst.

Gezeichnet, Paranoyer (ein leicht genervter Zuschauer)

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