Inside Out ★★★★½

Man musste ja schon Sorge um PIXAR haben: das inzwischen zu Disney gehörige Animationsstudio schien seit ihrem Erstling "Toy Story" Midas‘ Hände zu besitzen. Dann irgendwann kam "Cars" und erzählte Doc Hollywood mit sprechenden Autos nach. Er folgte der von der Kritik zu Unrecht gescholtene "Merida – Legende der Highlands", die belanglosen Fortsetzungen "Cars 2" und "Die Monster-Uni" und plötzlich war nicht mehr klar, ob irgendetwas abhanden gekommen sein könnte. Mit "Alles steht Kopf" meldet sich PIXAR zurück und auch wenn man in den Untiefen des Internets einige ziemlich Publikumsverachtende „Interpretationen“ geboten bekommt, ist dies eine pointierte Darstellung des menschlichen Gefühlsleben, ausagiert von personalisierten Emotionen, die (nein, die menschliche Protagonistin nicht lenken und zur willenlosen Sklavin machen) nachvollziehbar (natürlich vereinfachend, aber darum nicht weniger wertig) auf die Zerwürfnisse in der Welt außerhalb von Rileys Kopf reagieren. Denn der Film funktioniert auch, wenn man die „Innenansichten“ herausschneidet, was ihn nur noch mehr zu einem Portrait sich verändernder Gemütszustände und auch psychischer Problemen wie Depressionen macht. Es ist insofern auch ein erwachsener Film, weil er gerade im Gewand eines bunten Animationsfilms ein Stück weit die heile Welt demontiert, mit der die Gefühls- und Erfahrungswelt von Kindern gerne dargestellt wird. "Alle steht Kopf" gesteht gerade seinen jüngeren Zuschauern eine erfrischende emotionale Komplexität zu. So fügen sich unzählige Details zu einem stimmigen Ganzen zusammen, dass Menschen nicht die Autonomität über ihren Willen nimmt, sondern sie im Gegenteil dazu auffordert, mit ihren Gefühlen zu reifen. Nur wie Emotionen selbst unterschiedliche Emotionen haben können ist eine Nuss, die man besser nicht zu knacken versuchen sollte.

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